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Zukauf Zeiss übernimmt den 3D-Messtechnikspezialisten GOM

Der Stiftungskonzern gibt rund eine halbe Milliarde Euro für den 3D-Messtechnikspezialisten GOM aus. Auch Laserspezialist Trumpf ist auf Einkaufstour.
Update: 11.04.2019 - 13:33 Uhr Kommentieren
Zeiss übernimmt den 3D-Messtechnikspezialisten GOM Quelle: dpa
Zeiss

Mit der Übernahme steigt der Umsatz der Zeiss-Messtechnik auf 1,7 Milliarden Euro.

(Foto: dpa)

StuttgartZeiss baut seine Sparte industrielle Messtechnik mit der Übernahme von GOM aus. Das Braunschweiger Unternehmen mit 150 Millionen Euro Umsatz zählt zu den führenden Anbietern von Hard- und Software für die automatisierte 3D-Koordinatenmesstechnik. Zum Kaufpreis sagten beide Seiten nichts. In der Branche wird der Deal auf ein Mehrfaches des Jahresumsatzes von GOM geschätzt, was der Größenordnung von einer halben Milliarde Euro entspricht.

„Unsere Wachstumsstrategie beinhaltet explizit, gezielt hochinnovative Lösungen, Technologien und Firmen zu erwerben, die ihr Potenzial in der Zeiss-Gruppe voll entfalten können“, sagte Zeiss-Chef Michael Kaschke.

Mit der Übernahme steigt der Umsatz der Zeiss-Messtechnik auf 1,7 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz der Zeiss-Gruppe, die unter anderem Halbleiter, Medizintechnik, Brillen und Objektive herstellt, dürfte mit dem Zukauf inzwischen die Marke von sechs Milliarden Euro überschritten haben.

Die Kunden der 1990 in Braunschweig gegründeten GOM kommen unter anderem aus der Fahrzeug- und Flugzeugindustrie. GOM setzt unter anderem auf Roboter aufgepflanzte, intelligente Kameras etwa bei der Qualitätskontrolle ein. „Mit dieser Akquisition unterstreichen wir unseren Anspruch auf eine führende Position im Bereich Oberflächenmessung und -digitalisierung“, sagt Spartenchef Jochen Peter.

GOM hat weltweit rund 600 Mitarbeiter. Zu den Kunden gehören internationale Unternehmen aus der Automobil-, Luft- und Raumfahrt sowie der Konsumgüterindustrie, aber auch Forschungseinrichtungen und Universitäten. Die Technologie wird beispielsweise beim Scannen von Kotflügeln oder anderen flächigen Blechteilen in der Autoindustrie eingesetzt und ergänzt damit die Messtechnik von Zeiss, die beispielsweise bei der Fertigung von Motoren eingesetzt wird. Die Software der unterschiedlichen Messtechniken soll künftig verschmolzen werden, um dem Kunden Lösungen aus einem Guss bieten.

„Als Teil der Zeiss-Gruppe ergeben sich für GOM neue Perspektiven für die Zukunft, die sich auch positiv auf den Standort Braunschweig und auf unsere Geschäftspartner auswirken werden. Mit dem gemeinsamen Prozess- und Lösungswissen von Zeiss und GOM können wir neue Kundensegmente und -applikationen erschließen“, sagte GOM-Chef Detlef Winter.

GOM ist die dritte Akquisition nach dem italienischen Röntgenanbieter Bosello und der US-Medizintechnikfirma ianTech (Behandlung von Grauem Star) in den vergangenen 15 Monaten. Zeiss-Chef Kaschke kündigte eine Fortsetzung der Einkaufstour an: „Wir werden neben unserem organischen Wachstum weiter akquirieren.“

Das Beispiel Zeiss zeigt einen Trend bei den großen Tech-Mittelständlern. Die Kassen sind aus den Aufschwungjahren gut gefüllt und die Unternehmen schlagen gezielt zu, um Lücken mit neuen Technologien zu füllen und sich gleichzeitig auf dem Markt äußerst rare Ingenieure und Softwareentwickler zu sichern.

So übernahm beispielsweise der Laserspezialist Trumpf vor wenigen Monaten die Laserdiodensparte von Philips und damit komplett neue Anwendungsmöglichkeiten von Laserlicht. Mitte dieser Woche füllte Trumpf seine Kasse mit einem nur mit einem Prozent verzinsten Schuldscheindarlehen in Höhe von 250 Millionen Euro wieder auf.

Das Unternehmen formuliert diesen Schritt etwas neutraler: „Mit dem Schuldscheindarlehen verschaffen wir uns langfristig finanziellen Handlungsspielraum, vor allem um das weitere Wachstum von Trumpf vorantreiben zu können“, sagt Trumpf-Finanzchef Lars Grünert.

Nach Einschätzung von Branchenexperten rüsten sich die Tech-Spezialisten für den wohl bevorstehenden Konjunkturabschwung. Und das nicht für eine defensive Strategie, sondern für eine offensive. Die Unternehmen spekulieren darauf, dass die Unternehmenspreise in der Krise sinken werden. Wer da solvent ist, oder sich günstige Finanzierungsmöglichkeiten vorher gesichert hat, kann günstig zuschlagen.

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