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Fitnessketten Rainer Schallers Kraft-Akt: McFit stemmt Übernahme von Gold's Gym

Der Gründer der Fitnesskette kauft in den USA das Gym, in dem einst Schwarzenegger trainierte – samt ganzer Franchise. Nun gibt es viel zu tun.
14.07.2020 - 18:38 Uhr Kommentieren
Der McFit-Gründer erweitert sein Sport-Imperium. Quelle: Holger Talinski   / McFIT GLOBAL GROUP GmbH
Rainer Schaller

Der McFit-Gründer erweitert sein Sport-Imperium.

(Foto: Holger Talinski / McFIT GLOBAL GROUP GmbH )

Düsseldorf Er ist gerade erst auf Mallorca gelandet. Natürlich nicht zum Spaß. Auf der Insel wartet am Rande des eigenen Firmen-Resorts seine Alpaca-Zucht. Hier werden Kinder aus sozialschwachen Familien therapiert, eine Sache, die ihm am Herzen liegt. Rainer Schaller macht gern Dinge, die ihm emotional wichtig sind: „Kauf dir nie eine Angel, wenn du nicht leidenschaftlich angelst“, sagt er dem Handelsblatt.

Eine noch größere „Herzenssache“ hat der 51-Jährige wenige Stunden davor in den USA unter Dach und Fach gebracht. Ein Projekt, das auch wieder mehr mit dem Kerngeschäft des McFit-Gründers zu tun als die struppigen Vierbeiner: Schaller übernimmt die US-Fitnesskette Gold’s Gym, eine Art Gral vieler Body-Optimierer. Kostenpunkt: 100 Millionen Dollar. Das ist selbst für den sonst um keinen Superlativ verlegenen Schaller ein Kraft-Akt. Immerhin muss er die US-Kollegen aus ihrer corona-bedingten Insolvenz befreien.

Unter dem Label Gold’s Gym gibt es bislang von der Karibik über den Irak bis nach Tokio rund 660 Studios, das Gros in Franchise-Hand. Bis Corona lief alles gut. Dann musste man sich in ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 retten. An Gold’s Gym ist einiges anders, unter anderem die Franchise-Idee, mit der Schaller bislang nur einmal zu tun hatte: als er nach abgebrochener Schule und Lehre als Einzelhandelskaufmann die Edeka-Filialen in der fränkischen Heimat seiner Eltern übernahm.

Während Bruder Gerd eine vielversprechende Akademiker-Karriere als Dirigent begann, ackerte Rainer Tag und Nacht für seine Supermärkte – nur unterbrochen vom Sport in seiner ersten, privaten Mucki-Bude, die er für ein paar Mark Monatsgebühr auch seinen Kumpels öffnete. Die Bodybuilderei war zunächst auch nur Herzenssache und Hobby. 1997 eröffnete Schaller die erste echte Filiale unter dem Namen McFit in Würzburg, sympathisch größenwahnsinnig mit dem Slogan: „Jetzt auch in Würzburg“, als sei die Discount-Muckibude bereits Teil eines Imperiums.

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    Mekka der Muskelprotze

    Überraschenderweise setzte der Gründer die Vision mit McFit Schritt für Schritt um. Die Amerikaner waren mit Gold’s Gym schon früh seine „große Quelle der Inspiration“. Eigentlich ist Gold’s Gym sogar eine Geschichte wie Schallers eigene, nur etwas älter und glamouröser.

    Gegründet 1965 von einem gewissen Joe Gold im kalifornischen Venice Beach, das nicht erst seit Arnold Schwarzenegger (der einen Teil seines Lebens in Gold’s Gym verbrachte) zum Mekka aller Muskelprotze wurde, später dann zur Anlaufstelle der wachsenden Schar von Fitness-Normalos. Inzwischen zählt Gold’s Gym rund drei Millionen Mitglieder und verdient sein Geld nicht mehr nur mit den Studios, sondern auch mit eigener App und Modemarke.

    Und auch das ähnelt Schallers Fitnessimperium, dem der Gründer der Einfachheit halber im vergangenen Jahr gleich seinen eigenen Namen gab: Aus McFit wurde die Rainer Schaller Global (RSG), eben auch weil man da längst mehr war als eine Ansammlung von Billig-Studios für Türsteher und H&M-Verkäuferinnen.

    Für jeden Geschmack und Geldbeutel bietet die RSG mittlerweile ein Fitnesskonzept, orchestriert von weiteren Marken wie John Reed, High 5, Cyberobics oder Loox bis hin zu Modelagentur, Nahrungsergänzungsmitteln und dem hochtrabenden Plan, in Oberhausener Industrie-Ruinen „das größte Gym der Welt“ erstehen zu lassen.

    „The Mirai“ heißt das Projekt, und zahlen sollen die Kunden dort irgendwann nicht mit Cash, sondern mit ihren Daten: Schaller erhofft sich solvente Partner von Sportartikel-Industrie bis Telekommunikation, ebenso Krankenkassen oder Unis, hat aber jetzt erst mal eine dreimonatige Projektpause ausgerufen. Auch das hat mit Corona zu tun, das ja seine gesamte Branche in Mitleidenschaft zog, nicht nur Gold‘s Gym.

    Es fehlen Herz und Seele

    Monatelang mussten die Studios geschlossen bleiben. Auch in Deutschland rechnet Schaller noch „mit einer großen Konsolidierungswelle“, ist sich aber zugleich sicher: „Wer jetzt strauchelt, hatte schon vor der Krise Probleme.“

    RSG – das heißt dagegen: über 5000 Beschäftigte, 310 Studios, Gesamtumsätze von zuletzt 355 Millionen Euro sowie einen Gewinn von rund 30 Millionen. Die Eigenkapitalquote liegt bei über 80 Prozent, was in der eher kurzatmigen Fitness-Branche schon eine Welt für sich darstellt.

    „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Schaller. Für den Kauf von Gold‘s Gym kommt indes selbst er nicht mehr ohne Fremdkapital aus. Ein Banken-Konsortium steht bereit. Derweil feilt der 1,92-Meter-Mann bereits am künftigen Auftritt seiner Neuerwerbungen.

    „Manche der Standorte lassen ein bisschen Herz und Seele vermissen“, ist ihm aufgefallen. Jetzt gehe „die Arbeit erst richtig los“. Man müsse „ans Produkt rangehen“, den globalen Auftritt der Studios vereinheitlichen. Und weil er noch immer einen seiner alten Edeka-Märkte hat, weiß Schaller auch, wie wichtig es ist, mit den Franchisenehmern zu sprechen, die ja ihre Kundschaft am besten kennen.

    Das Problem ist nur: Es könnte noch Monate dauern, bis er seine Neuerwerbung wirklich sehen darf. Der Grund: „Die Amerikaner lassen uns ja derzeit gar nicht einreisen.“ 100 Millionen Dollar für einen noch unerreichbaren Traum – wenn das keine Herzenssache ist.

    Mehr: Internationaler und exklusiver – Fitnessstudio-Kette McFit erfindet sich neu.

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