Fleischmann verlässt Insolvenz Der Kessel bleibt heiß

Der Modellbahnhersteller Fleischmann hat sich mit den Gläubigern geeinigt und die Pleite abgewendet. Doch noch ist keineswegs sicher, dass die Eisenbahnen aus Franken nicht doch eines Tages auf dem Abstellgleis landen.
Der Hersteller von Modellbahnen findet den Weg aus der Insolvenz. Quelle:
Fleischmann-Lok

Der Hersteller von Modellbahnen findet den Weg aus der Insolvenz.

MünchenDie meisten Modellbahnfreunde erinnern sich gerne an die unbeschwerten Tage der Jugend. Da gab es Märklin und LGB, Trix und Roco – und Fleischmann. Jede Firma hatte ihre Fans, und die einzige Überraschung im Jahr war der Katalog mit den Neuheiten. Diese sorglosen Zeiten sind längst vorbei. In den vergangenen zehn Jahren mussten Hobbyeisenbahner zittern, ob es im Herbst überhaupt noch einen Katalog mit all den schönen Lokomotiven geben würde.

Eine Woche vor Weihnachten können die Modellbahnfans zumindest wieder etwas entspannen: Fleischmann ist gerettet. Die traditionsreiche fränkische Marke werde das Insolvenzverfahren im Januar abschließen, teilten die österreichischen Eigentümer an diesem Mittwoch mit. Die Weichen für die Zukunft seien damit gestellt.

Im Sommer hatte die Modelleisenbahn Holding als Besitzer von Fleischmann für ein Erdbeben in der Welt der Hobbyeisenbahner gesorgt. Die Firma aus Salzburg beantragte für ihre deutsche Tochter Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Ansbach. Fleischmann könne seine hohen Pensionsverpflichtungen nicht mehr erfüllen und sei überschuldet, hieß es

Die 33 Mitarbeiter von Fleischmann im fränkischen Heilsbronn müssten für die Betriebsrenten von mehr als 600 ehemaligen Beschäftigten aufkommen, erklärte die Holding, zu der die Firma seit sieben Jahren gehört. Verhandlungen mit dem zuständigen Pensions-Sicherungs-Verein hätten zu keinem Ergebnis geführt. Um weitermachen zu können, bleibe nur mehr die Insolvenz. Jetzt haben sich alle Beteiligten geeinigt: Fleischmann zahle seinen Gläubigern eine Quote von elf Prozent, so die Modelleisenbahn Holding. Das ist mehr, als üblicherweise bei Insolvenzen übrig bleibt.

Die größten Spielwarenhersteller der Welt
Platz 10: Zapf Creation AG
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Die deutsche Zapf Creation AG aus dem oberfränkischen Rödental ist nach eigenen Angaben Europas größter Puppenhersteller und vertreibt Marken wie die „Baby Born“. 2014 machte das Unternehmen einen Umsatz von 58,9 Millionen Euro.

Quelle: Unternehmensangaben

Platz 9: Bruder
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Auch Bruder hat sich spezialisiert: Das Fürther Familienunternehmen bietet Spielfahrzeuge im einzigartigen Maßstab 1:16 an. Das Unternehmen ist auch international tätig und unterhält für den nordamerikanischen Markt ein Lager in den USA. 2014 wurde ein Umsatz von 75 Millionen Euro erwirtschaftet.

Platz 8: Steiff
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Der 1877 von Margarete Steiff gegründete Plüschtierhersteller erlebte 2014 eine herbe Niederlage: Der Europäische Gerichtshof entschied, dass der Hersteller keinen Schutz des europaweit bekannten Markenzeichens „Knopf im Ohr“ mehr beanspruchen kann. Einem Knopf im Ohr fehle es schlicht an Unterscheidungskraft. Umsatzwerte von Steiff liegen nur für 2013 vor, in diesem Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 93,27 Millionen Euro.

Platz 7: Schleich
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Das international tätige Unternehmen Schleich aus Schwäbisch Gmünd produziert handbemalte, möglichst originaltreue Hartgummifiguren. 2014 wurde Schleich, das 1986 in Konkurs gegangen war, durch den französischen Investor Ardian für 220 Millionen Euro gekauft. 2013 betrug der Umsatz 106 Millionen Euro.

Platz 6: Ravensburger
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Die international tätige Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in, nun ja, Ravensburg, ist auch heute noch weltweit vor allem durch die Herstellung von Gesellschaftsspielen und Puzzles bekannt. Der Umsatz 2014 betrug 373,2 Millionen Euro.

Platz 5: Playmobil
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Der Systemspielzeughersteller der zur Geobra Brandstätter Stiftung mit Sitz im fränkischen Zirndorf gehört, produziert seit 1974 seine nach dem Kindchen-Schema konstruierten Figuren. Mit seinen ursprünglich „Klickies“ genannten Figuren erwirtschaftete Playmobil 2014 einen Umsatz von 535 Millionen Euro.

Platz 4: Simba-Dickie-Group
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Die Simba-Dickie-Group tätigte 2013 einen prominenten Zukauf: Der Spielwarenhersteller, der sich einst durch einen Zusammenschluss der Unternehmen Simba Toys und Dickie Toys gegründet hatte, kaufte den insolventen Modelleisenbahnhersteller Märklin. 2014 betrug der Umsatz der Unternehmensgruppe 602 Millionen Euro.

Fleischmann ist kein Einzelfall: Das gesamte Modellbahnuniversum darbt. Der schwäbische Branchenführer Märklin war bereits 2009 pleite, die Wettbewerber LGB und Roco erwischte es schon ein paar Jahre davor. Roco ist heute ebenfalls Teil der Modelleisenbahn-Gruppe. Diese versicherte schon im Sommer, dass bei Fleischmann „der Betrieb im bisherigen Ausmaß ohne Unterbrechung fortgeführt“ werde.

Die 128 Jahre alte Firma ist in den vergangenen Jahren kräftig geschrumpft, mehr als 350 Stellen haben die neuen Besitzer gestrichen und dafür eigenen Angaben zufolge mit drei Sozialplänen elf Millionen Euro ausgegeben. Zum Vergleich: Der Umsatz lag zuletzt bei 15 Millionen Euro.

Kinder sollen zurückgewonnen werden
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