Flüchtlinge in Unternehmen Wie Start-ups beim Helfen helfen

Es sind nicht nur Konzerne, die in der Flüchtlingskrise helfen. Auch Start-ups wollen etwas tun – und zwar das, was sie am besten können: Digitale Lösungen finden für ein Problem, an dem die Politik zu scheitern droht.
Die Plattform soll ehrenamtliches Engagement einfacher und transparenter machen. Quelle: GoVolunteer
Flüchtlingsprojekt von Go Volunteer

Die Plattform soll ehrenamtliches Engagement einfacher und transparenter machen.

(Foto: GoVolunteer)

BerlinMenschen, die anderen Menschen helfen wollen, können viel Gutes bewirken. Sie können aber auch nerven. Malte Bedürftig (der wirklich so heißt) hat schon früh begonnen, sich für Flüchtlinge zu engagieren. In seiner Freizeit organisierte der McKinsey-Berater Zoobesuche mit Flüchtlingsfamilien, entwickelte Integrationskurse und baute für eine Unterbringung der Stadtmission eine Bibliothek auf. Er tat das nicht alleine, sondern bat Freunde und Kollegen um Unterstützung. Der Kreis derer, die helfen wollten, wurde immer größer. Irgendwann waren es an die 150 Leute, die ihn immerzu fragten: Wo kann ich mitmachen? „Ich habe nur noch E-Mails hin- und hergeschrieben“, erzählt er.

So kam er auf die Idee, ein Online-Tool zu entwickeln, mit dem sich die vielen Hilfsbereiten koordinieren lassen. Die Plattform GoVolunteer.com, die er gemeinsam mit dem Start-up-Unternehmer Henryk Seeger aufgebaut hat, soll dabei helfen, ehrenamtliches Engagement einfacher und transparenter zu machen. Freiwillige können nach Projekten in ihrer Nähe suchen, bei denen ihre Fähigkeiten, von der Sprachvermittlung bis zum Yogakurs gebraucht werden. Helfergruppen, Organisationen und Unterkünfte können sich und ihre Bedürfnisse vorstellen und über das Tool ihre Einsatzplanung erledigen.

Es sind nicht nur die großen Konzerne, die in der Flüchtlingskrise ihre Hilfsbereitschaft demonstrieren. Auch viele kleine Start-ups machen sich Gedanken. Und tun das, was sie am besten können: Sie entwickeln digitale, manchmal erstaunlich einfache Lösungen für ein Problem, an dem die Politik gerade zu scheitern droht.

Da ist zum Beispiel die Webseite fluechtlinge-willkommen.de, gegründet von Mareike Geiling und Jonas Kakoschke, auf der Privatleute leerstehende Zimmer für Flüchtlinge anbieten. Oder die Kiron University, an der Menschen ohne dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung und ohne zu bezahlen Online-Kurse in Informatik, Wirtschaft oder Ingenieurswissenschaften belegen können. Ein paar Hochschulen haben der Initiative bereits zugesichert, dass sie die Online-Kurse anerkennen werden, sobald die Flüchtlinge einen richtigen Studienplatz haben.

Wer steckt hinter „Wir zusammen“?
Ralph Dommermuth (United Internet)
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Der Manager gilt als der deutsche „Mr. Internet“ – jetzt wird er auch zum „Mr. Flüchtlings-Netzwerk“: Ralph Dommermuth, der Vorstandschef von United Internet mit Marken wie GMX und Web.de, startete die Integrations-Initiative „Wir zusammen“. Dommermuth ist schon lange karitativ unterwegs: 2006 gründete er die Stiftung United Internet for Unicef, die benachteiligten Kindern hilft. Wen Dommermuth für „Wir zusammen“ mit an Bord geholt hat.

Kasper Rorsted (Henkel, bald Adidas)
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Der Däne ist seit elf Jahren Vorstandschef von Henkel. Im Herbst wechselt er den Dax-Konzern – und wird Chef von Adidas. Kasper Rorsted sagte zuletzt im großen Handelsblatt-Interview, dass er Deutschland sehr möge und deshalb hier bleibe. So äußerste sich der Manager zur Flüchtlingsthematik: „Ich sehe Flüchtlinge mehr als eine kulturelle als eine finanzielle Herausforderung. [...] Wir müssen mehr Mut haben, unsere Wertvorstellungen zu vermitteln. Wir müssen zu den Werten stehen, die Deutschland und Europa ausmachen, und auch auf sie stolz sein. Für die Flüchtlinge ist es dann auch einfacher, sich an die Spielregeln zu halten, wenn sie sie kennen. [...] Wie sollten Werte vermittelt werden? Jedenfalls nicht dadurch, dass man die Menschen sechs Monate in ein Zelt einsperrt. Das kann nur im Dialog geschafft werden. Dialog heißt aber auch, dass es gewisse Dinge gibt, die nicht verhandelbar sind. Und ich glaube auch, dass es viel einfacher ist, diesen Dialog zu führen, je schneller entschieden wird, wer bleiben darf und wer nicht.“

Frank Appel (Deutsche Post)
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Der Vorstandschef der Deutschen Post sprach im September im Handelsblatt über die Flüchtlingskrise. „Die (Anm.: die Flüchtlinge) erwarten keine Almosen, sondern eine Perspektive“, ist sich Frank Appel sicher. Bis zu 1000 Flüchtlingen wollte der Dax-Konzern ein Praktikum anbieten. „Wir wollen helfen, können das aber noch nicht in vollem Umfang, weil es auch dazu neuer Regelungen bedarf. Die Asylbewerber dürfen unter den derzeitigen Voraussetzungen ja in den meisten Bundesländern gar nicht arbeiten, während ihr Verfahren noch läuft. Deshalb wäre es nicht nur für unser Unternehmen gut, wenn die Bundesregierung die Prozesse beschleunigen würde“, sagte Appel.

Heinrich Hiesinger (Thyssen-Krupp)
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„Arbeit ist ein entscheidender Motor für Integration. Deutschland hat mit dieser Formel bereits in der Vergangenheit Millionen von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft erfolgreich integriert. Mit dieser Erfahrung und einer positiven Einstellung wird es uns auch heute gelingen, die vielen Flüchtlinge zu integrieren.“

Klaus Engel (Evonik)
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Der Vorstandschef des Essener Chemiekonzerns hielt eine bemerkenswerte Rede zur Flüchtlingskrise. „Deutschland steht angesichts der Flüchtlingsströme in seiner größten Bewährungsprobe seit Jahrzehnten. Und das gilt auch für die deutsche Wirtschaft“, sagte Klaus Engel im September 2015. Die Unterscheidung von Flüchtlingen nach politischen oder wirtschaftlichen Motiven der Flucht mache „eigentlich wenig Sinn“. Eine Verteilung der Flüchtlinge über Europa nach Quoten sei eine Scheindiskussion, sie ließen sich nicht verteilen „so wie Armeen am grünen Tisch“. „Die Leute, die kommen, wollen nicht nach Ungarn, Estland oder Dänemark, sondern nach Deutschland“, sagte Engel. Und er könne das gut verstehen. Sein „deutscher Traum“ sei die soziale Marktwirtschaft, die jedem Menschen die Chance gebe, durch Bildung und Qualifikation den sozialen Aufstieg zu meistern, legte Engel später nach.

Tom Enders (Airbus)
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„Wir müssen Flüchtlingen Schutz bieten, sie in unserer Gesellschaft integrieren und ihnen eine realistische Zukunft geben. Das beginnt schon in dem Moment, wenn die Menschen über die Grenze nach Deutschland kommen. In diesen ersten Tagen kann der Grundstein für eine erfolgreiche Integration gelegt werden, indem wir sie willkommen heißen und sie medizinisch versorgen. Diese Chance dürfen wir nicht verpassen!“

Karl-Thomas Neumann (Opel)
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„Der Flüchtling. Der Helfer. Das sind keine Kategorien. Wir sind Menschen. Und als solche geben wir Deutschland gemeinsam ein Gesicht. Mit der In Charge Initiative wollen wir ein deutliches Zeichen der Solidarität setzen und einen Beitrag zur Integration leisten. In Charge hilft arbeitslosen Jugendlichen und Flüchtlingen, Job-Barrieren zu überwinden.“

Oder die Initiative Himate, eine Art Gutschein-App für Flüchtlinge. Unternehmen können Kleidung, Kinotickets, Sprach- oder Sportkurse unbürokratisch und unentgeltlich zur Verfügung stellen. Flüchtlinge können die Gutscheine über die App erwerben und kommen dabei auch in Kontakt mit den Spendern. Hinter Himate stecken 40 Berliner Jung-Unternehmer und Digitalexperten, die allesamt ehrenamtlich an dem Projekt arbeiten. „Die Vermittlung von Sachspenden ist aufwändig und nervt“, begründen sie ihre Idee, an der schon über 200 Berliner Unternehmen teilnehmen, unter anderem der Fußballverein Hertha BSC.

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