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Folgen der Pandemie Deutsche Mittelständler fürchten wegen des Coronavirus um ihre Existenz

Im Mittelstand geht die Angst vor dem Virus-Kollaps um: Für viele kleine und mittelgroße Firmen wäre eine zeitweise Betriebsschließung eine Katastrophe.
16.03.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Absagen bringen Messebauer in Existenznöte. Quelle: light+building/Messe Frankfurt
Messe Light + Building in Frankfurt

Absagen bringen Messebauer in Existenznöte.

(Foto: light+building/Messe Frankfurt)

München, Düsseldorf Es ist ein Facebook-Eintrag, der es in sich hat. Es sei zu befürchten, dass etwa 40 Prozent der Messebauer unwiederbringlich vom Markt verschwinden werden, warnt Simon Damböck, Chef von Atelier Damböck Messebau aus Neufinsing bei München.

Manche Firmen würden bereits seit Januar keinen Umsatz mehr erwirtschaften und wüssten nicht, wie sie die Miete zahlen sollen, bilanziert der Unternehmer auf dem sozialen Netzwerk. Was ihn besonders ärgerte: Während Karnevalsveranstaltungen oder Fußballspiele stattgefunden hätten, habe es eine regelrechte Hexenjagd auf Messen gegeben.

Seine Warnung hat ihren Grund. Die mittelständischen Messebauer leiden unter der Pandemie wie kaum eine andere Branche. Zahllose Ausstellungen haben die Veranstalter inzwischen abgesagt und damit den Firmen die Existenzgrundlage entzogen. Ein wirtschaftlicher Schaden von 426 Millionen Euro, so eine Studie des Fachverbands Messe- und Ausstellungsbau, ist der Branche allein in den Wochen neun und zehn des Jahres entstanden.

Nicht nur diese Industrie macht sich große Sorgen. Mittelständler aus dem ganzen Land treibt die Angst um, ihren Betrieb wegen des Virus zeitweise schließen zu müssen – mit katastrophalen Folgen. Laut Institut für Mittelstandsforschung gehören 3,64 Millionen Firmen zum Mittelstand in Deutschland, sie erwirtschaften im Schnitt weniger als 43 Millionen Euro pro Jahr. Der größte Teil von ihnen setzt sogar weniger als zwei Millionen Euro um. Da ist wenig Raum, Liquiditätspolster anzulegen.

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    So auch bei Tobias Schonebeck. Der Betriebswirt führt das alteingesessene Warenhaus Schäffer in der Osnabrücker Innenstadt, das sich auf edles Geschirr und Gläser, auf Küchenutensilien und Spielzeug spezialisiert hat. Schon vor anderthalb Monaten habe er bei seinem Versicherungsmakler angerufen und nachgefragt, ob die Betriebsausfallpolice auch im Falle einer Epidemie gelte, berichtet der Unternehmer. Die Antwort hat ihn nicht beruhigt.

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    „Was“, fragt sich Schonebeck, „wenn wir wegen der Krankheit mehrere Wochen schließen müssen?“ Seine Firma stehe solide da, das Geschäft im Februar sei geradezu „grandios“ verlaufen. Auch die letzten Tage seien stärker als im Vorjahr gewesen. Aber ob Schäffer wirklich einen Umsatzausfall über längere Zeit verkraften könnte?

    Ohne Mitarbeiter kein Handel im Internet

    Was ein geschlossener Laden für Kaufmann Schonebeck, das wäre ein stillstehendes Lager für Philipp Simon. „Versand aus dem Homeoffice? Das geht nicht“, betont der Geschäftsführer des Onlinehändlers Bike-Components. Ein Mitarbeiter des Aachener Mittelständlers sei in Quarantäne, mehrere habe er nach Hause geschickt: „Wir sind da sehr vorsichtig.“ Noch ließen sich die Ausfälle verkraften.

    Aber: Mehr als 70.000 Artikel hat Bike-Components eigenen Angaben zufolge auf Lager, das lässt sich nur mit einer eingespielten, großen Mannschaft bewältigen. Um das Risiko klein zu halten, seien alle Dienstreisen abgesagt, es würden nur noch wenige Besucher empfangen.

    Geschlossene Versandzentren sind auch für Filialisten ein Horrorszenario. „Der neuralgische Punkt wäre für uns, wenn unser Zentrallager von Coronafällen betroffen wäre“, sagt der Geschäftsführer eines großen Händlers, der nicht genannt werden möchte.

    Er zumindest hat für diesen Fall vorgesorgt. Der Manager würde alle Lagermitarbeiter in häusliche Quarantäne schicken, das Lager würde desinfiziert, und dann würde für eine Übergangszeit ein Dienstleister mit eigenen Leuten den Betrieb übernehmen. Doch das könnten sich nur die wenigsten Mittelständler leisten.

    Auch bei Klaus Haas könnte die Produktion bald stillstehen – aber aus ganz anderen Gründen. Der Chef der Sportmarke Maloja fürchtet, dass ihm einzelne Bestandteile aus Fernost für seine Shirts und Jacken fehlen und deshalb die Produktion zum Erliegen kommt. Das Label vom Chiemsee lässt seine Kollektionen zwar überwiegend in Europa fertigen. Ganz ohne Komponenten aus China geht es aber nicht.

    Ähnliche Bedenken treiben den Hemden- und Blusenhersteller Seidensticker um. Der Mittelständler hat seine Zentrale in Bielefeld, in den Siebzigerjahren aber einen Großteil der Produktion nach Asien verlagert. Mit eigenen Werken in Vietnam und Indonesien hat das Familienunternehmen zwar die Steuerung seiner Lieferkette weitgehend in der Hand.

    Dennoch trifft die Pandemie Seidensticker. „Wir sind wie alle Textilhersteller auf Vorprodukte aus China angewiesen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Gerd Oliver Seidensticker. „Wir haben deshalb in den vergangenen Monaten von Woche zu Woche entschieden, wie wir unsere Lieferströme umsteuern, um unsere Produktion weiter aufrechtzuerhalten.“

    Messebauer unter Duck
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