Geschäftszahlen Glasnost bei den Schaefflers

Die Not zwingt zu Transparenz: Den immensen Schuldenberg kann Automobilzulieferer Schaeffler nur mit Hilfe familienfremder Investoren abtragen - und die verlangen Transparenz. Der einst so verschwiegene Familienkonzern hat nun erstmals Geschäftszahlen vorgelegt und überrascht. Eine Bilanzanalyse.
  • M. Hennes, A. Höpner, S. Metzger
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Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger (rechts) und Finanzvorstand Klaus Rosenfeld stellten die neuen Geschäftszahlen vor - und überraschten. Quelle: dpa

Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger (rechts) und Finanzvorstand Klaus Rosenfeld stellten die neuen Geschäftszahlen vor - und überraschten.

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DÜSSELDORF/MÜNCHEN. So ganz kann Schaeffler-Boss Jürgen Geißinger die Anspannung nicht verbergen. Mit leicht rotem Kopf sitzt der sonst so selbstbewusste Geißinger unter den glitzernden Kronleuchtern in einem Luxushotel in München. Es ist ein historischer Tag für die Schaeffler-Gruppe.

Erstmals legt der bislang so verschwiegene Familienkonzern konkrete Geschäftszahlen vor. Umsatzmarge, Zinsergebnis - was bislang eines der bestgehüteten Geheimnisse in der fränkischen Heimat war, soll nun auf den Tisch. Die Not hat die Schaefflers dazu gezwungen. Der immense Schuldenberg kann nur mit Hilfe familienfremder Investoren abgetragen werden. Und die verlangen Transparenz.

Bei der Präsentation des Zahlenwerks für das erste Halbjahr 2010 wird eines schnell klar: Schaeffler wird bei seinen drängendsten Problemen weiter auf Zeit spielen. Das derzeit boomende Geschäft soll die Ausgangsposition verbessern, um womöglich erst in einigen Jahren unter günstigeren Voraussetzungen die Fusion mit Conti anzugehen.

Zwölf Milliarden Schulden hat sich Schaeffler bei der Übernahme des Konkurrenten Continental vor zwei Jahren aufgehalst. Das Unternehmen, das wegen des Wirtschaftseinbruchs im vergangenen Jahr am Rand des Kollaps stand, sieht sich jetzt wieder in guter Verfassung.

Doch wie stark ist die Bilanz von Schaeffler im ersten Halbjahr 2010 wirklich? Und wie steht der Konzern im Vergleich zu Continental und dem schwedischen Wälzlagerkonkurrenten SKF da?

Operatives Geschäft: Der Autoboom in Fernost treibt

Die operativen Zahlen sind beeindruckend. In der Autosparte, wichtigstes Standbein, ist das Umsatzniveau aus Vorkrisenjahren schon wieder erreicht, vor allem dank des Booms in Asien. Auch im Industriegeschäft, das später angesprungen ist, ziehen die Erlöse an. Insgesamt ergab sich so in den ersten sechs Monaten ein Umsatzplus von gut 31 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. An Conti mit seinem Umsatzanstieg von knapp 40 Prozent kommt Schaeffler zwar nicht heran. Aber SKF konnte die Erlöse nur um vier Prozent steigern.

Für das traditionell schwächere zweite Halbjahr geben sich Geißinger und Finanzchef Klaus Rosenfeld zurückhaltend. Die Umsätze sollen aber laut neuester Prognose 2010 insgesamt um mehr als zehn Prozent auf "deutlich über acht Milliarden Euro" steigen. 2007 und 2008 lag der Umsatz jeweils um neun Milliarden Euro. Auch Conti dürfte trotz eines erwarteten Umsatzplus von gut 15 Prozent die bisherige Bestmarke von mehr als 24 Milliarden Euro im Jahr 2008 noch nicht wieder erreichen.

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  • Um Schaeffler muss man sich denke ich keine Sorgen machen, wie man nun im Rückblick sieht. Die Gruppe hat sich solide von einem großen Teil der Schulden verabschiedet und geht mit besten Umsatzzahlen in ein neues Jahr 2013 hinein. Der internationale Vergleich mit SKF, denke ich, ist nur wieder mal indirekte negative Propaganda des Journalisten. Natürlich ist SKF mit einem Umsatz von 7 Milliarden Euro erfolgreicher als ein Unternehmen, welches "nur" 10 Millionen bringt. Im nationalen Vergleich allerdings ist und bleibt die Schaeffler Gruppe einer der größten Konzerne der deutschen Industrie.

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