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Getränkebranche Pepsi zum Selbstaufsprudeln: Sodastream will der Konkurrenz vorauseilen

Der Marktführer für Wassersprudler profitiert vom Kampf gegen den Plastikmüll und vom Trend zum Kranwasser. Die Wasserkonzerne Nestlé und Danone ziehen nach.
11.03.2020 - 10:21 Uhr 1 Kommentar
Das Unternehmen arbeitet zukünftig mit Sodastream zusammen. Quelle: AP
Pepsi Werbung

Das Unternehmen arbeitet zukünftig mit Sodastream zusammen.

(Foto: AP)

Düsseldorf Limonade von Pepsi gibt‘s bald nicht nur in abgefüllten Flaschen, sondern auch aus dem Hahn. Mit einem Wassersprudler von Sodastream lassen sich künftig zuhause die Getränke Seven up und Mirinda mit Leitungswasser selbst aufsprudeln. Ab Mai bietet Sodastream in Deutschland zehn Sirupe aus dem Hause PepsiCo an. Das Schleppen von Flaschen entfällt, genauso wie einiges an Plastikmüll.

PepsiCo hatte den Weltmarktführer für Wassersprudler 2018 für stolze 3,2 Milliarden Dollar geschluckt. Und das, obwohl Sodastream 2017 gerade mal einen Umsatz von 543 Millionen Dollar machte. „Die Sirupe von PepsiCo werden das Geschäft mit unseren Wassersprudlern noch weiter ankurbeln“, ist Rüdiger Koppelmann, Geschäftsführer Sodastream für Deutschland und Österreich, überzeugt. Er will so die Zielgruppe der Limotrinker besser erschließen.

Sodastream hat zwar schon länger Sirupe im Angebot. Doch mit weltbekannten Pepsi-Marken will die in Israel ansässige Firma der Konkurrenz einen Schritt voraus sein. Auf dem Zukunftsmarkt Wassersprudler versuchen nach Aldi nun auch die Wasserkonzerne Nestlé (Vittel) und Danone (Volvic, Evian) Fuß zu fassen.

Denn immer mehr Verbraucher steigen von Flaschen- auf Leitungswasser um, nicht erst seit Bundesumweltministerin Svenja Schultze öffentlich dazu aufrief. Der Absatz von Mineralwasser in Flaschen ging 2019 um 3,9 Prozent auf 14,35 Milliarden Liter zurück, ermittelte der Verband Deutscher Mineralbrunnen.

Vor allem Plastik-Einwegflaschen sind in Verruf geraten. „Die Klimadebatte trägt dazu bei, dass Konsumenten nach Alternativen zu PET-Flaschen suchen. Wasseraufbereiter für den Hausgebrauch stellen eine gute Option dar“, konstatiert Linda Lichtmeß, Researchanalystin beim Marktforscher Euromonitor International.

„Unsere Mission ist es, Plastikmüll aus Einwegflaschen zu reduzieren“, betont der Sodastream-Geschäftsführer. In 13 Prozent aller Haushalte in Deutschland steht bereits ein Gerät des Weltmarktführers. Deutschland ist mit Abstand der wichtigste Markt für Wassersprudler. Mehr als eine Milliarde Liter Wasser sprudelten die Deutschen 2019 mit Sodastream.

Zum Vergleich: Gerolsteiner, die führende Mineralwassermarke in Deutschland, kam nach Zahlen von Euromonitor auf rund 828 Millionen Liter.

Mit einer 440-Milliliter-Flasche Sirup lässt sich so viel Limonade wie in einem 1,5-Liter-Sixpack aufsprudeln. „Preislich ist das ähnlich“, meint Koppelmann. „Aber der Verbraucher muss keine Flaschen schleppen, spart Platz und Plastikmüll.“ Tests in Skandinavien liefen sehr positiv. „In 15 Jahren wird es den Plastikwahn nicht mehr geben“, prophezeit der Manager.

„Es war schlau von PepsiCo, Sodastream zu kaufen“, ist Koppelmann überzeugt. „Ich glaube schon, dass unsere Mission abfärbt und dass sich der PepsiCo-Konzern bei einzelnen Entscheidungen manchmal überlegt: Könnten wir es nicht so machen wie Sodastream?“ Jahrzehnte hatte Sodastream die Getränkekonzerne mit offensiver Werbung kritisiert. „Angriffsziel war nicht die Limonade an sich, sondern die Darreichungsform in der Flasche“, stellt Koppelmann klar.

PepsiCo profitiert von Sodastream

An eine Kannibalisierung von PepsiCo durch Sodastream glaubt Koppelmann nicht. Und wenn, dann höre der ökologische und ökonomische Wahnsinn auf, Plastikflaschen quer durchs Land zu fahren. Jim Andrew, bei PepsiCo verantwortlich für SodaStream und neue Geschäftsmodelle, betont denn auch: „Die Zusammenarbeit mit Sodastream gibt uns die Möglichkeit, unser eigenes Ziel, den Plastikverbrauch zu reduzieren, gemeinsam zu erreichen.“ Die Konsumgüterkonzerne stehen in Sachen Nachhaltigkeit unter Druck.

Für PepsiCo, dessen Umsatz 2019 um 3,9 Prozent auf 67 Milliarden Dollar stieg, ist Sodastream schon heute ein Gewinntreiber in Europa. So steht es zumindest im Konzernjahresbericht, der keine Zahlen zu Sodastream aufführt.

Für Deutschland verrät Koppelmann nur: „Wir sind in den letzten Jahren stets zweistellig gewachsen.“ Mehr als 40 Prozent der Einnahmen stammen aus den CO2-Kartuschen, schätzen Brancheninsider. Ein Liter gesprudeltes Wasser kostet laut Sodastream 15 Cent und ist damit günstiger als die meisten Flaschenwasser. Auch wenn Mineralbrunnen kritisieren, beide Wasser seien nicht vergleichbar.

Für selbstgesprudelte Markenlimos ist dies der zweite Anlauf. 2015 gab es in den USA Tests mit Sirup-Kapseln „Pepsi Homemade“. Umweltschützer kritisierten jedoch den Kapselmüll. Auch Konkurrent Coca-Cola hatte damals mit Getränkehersteller Keurig einen Kapsel-Sprudler auf den Markt gebracht. Das mehr als 300 Dollar teure Gerät Keurig Kold floppte jedoch schnell.

Wettbewerber hat Platzhirsch Sodastream schon lange, etwa Soda-Club oder Happymix. „Durch Produkte wie das Sodastar-System von Aldi Süd wächst zunehmend die Konkurrenz, sodass vor allem preissensitive Konsumenten erreicht werden“, sagt Lichtmeß von Euromonitor. Nun drängen auch die Wasserkonzerne in den lukrativen Markt für Wassersprudler.

Vittel-Abfüller Nestlé will noch in diesem Jahr den Sprudler Refill+ auf den Markt bringen. „Wir sprechen von High-Tech-Geräten, die Leitungswasser reinigen und mineralisieren“, sagt Konzernchef Mark Schneider. Nestlé hat bereits mit Nespresso-Kapseln ein florierendes System mit Nachkauf-Kartuschen.

Volvic-Anbieter Danone ist neben Gerolsteiner-Mutter Bitburger und der Oetker-Gruppe in das Berliner Start-up Mitte investiert, erst kürzlich wurde die Beteiligung aufgestockt. Gründer Moritz Waldstein-Wartenberg will Ende 2020 ein Gerät auf den Markt bringen, das Wasser reinigt, remineralisiert und aufsprudelt. „Wir können auch Schadstoffe wie Hormone, medizinische Rückstände und Mikroplastik entfernen“, betont der Mitte-Gründer. „Eine dezentrale Aufbereitung von Wasser scheint das nachhaltige Modell mit Zukunft.“

Danone Waters, das Volvic ausschließlich in Einweg-PET-Flaschen anbietet, gibt sich selbstkritisch: „Die gesamte Industrie muss in ihrem Umgang mit CO2 und Plastik radikal umdenken.“

Doch Sodastream dürfte als Marktführer für Wassersprudler nur schwer einzuholen sein. Die Fachzeitung „Lebensmittelzeitung“ spricht sogar von einem „Quasi-Monopol“. Der Markt wächst parallel zum Plastikfrust weiter.

Deshalb sieht Analystin Lichtmeß klare Chancen für wieder auffüllbare Systeme wie Sodastream. Geschäftsführer Koppelmann jedenfalls hat ambitionierte Pläne: „Bis 2023 wollen wir unseren Umsatz in Österreich und Deutschland verdoppeln.“

Mehr: Die Großschlachterei Tönnies knackt die Umsatzmarke von sieben Milliarden Euro.

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1 Kommentar zu "Getränkebranche: Pepsi zum Selbstaufsprudeln: Sodastream will der Konkurrenz vorauseilen"

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  • Das gab es schon vor Jahrzehnten. Die berühmten Brause-Tütchen, die aus Leitungswasser eine Brause machen. Ob aber die Kundschaft dies will, darf bezweifelt werden. Dann kaufe ich lieber Tri-Top

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