Arbeit im Coworking-Space

Gerade für Fachkräfte ist die Arbeit für ein Start-up wenig kreativ.

(Foto: dpa)

Gründerreport 2018 5 Gründe, warum in Deutschland viele den Weg zum eigenen Start-up scheuen

Die deutsche Gründerzeit lässt auf sich warten: Eine Studie des DIHK zeigt, dass immer weniger neue Firmen entstehen. Das sind die Gründe.
8 Kommentare

DüsseldorfWer durch die Hinterhöfe und hippen Cafés von Berlin spaziert, der kann sie fast spüren, die neue deutsche Gründerzeit. Start-ups arbeiten in der Hauptstadt an den Geschäftsmodellen der Zukunft oder Technologien, die eine Revolution versprechen. Und nicht nur in Berlin ist das so: Von Hamburg über Bielefeld bis nach München sprießen junge Firmen aus dem Boden, könnte man meinen.

Der Gründerreport 2018 des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zeichnet nun ein anderes Bild der Start-up-Nation. Und das zeigt, dass noch Luft nach oben besteht. Laut Report ging die Zahl der Gründungen in Deutschland zurück.

Zwar stieg die Zahl der Besucher an den sogenannten Gründertagen des DIHK, an denen sich Interessierte zur Gründung beraten lassen. Der anschließende persönliche Kontakt ging dann aber zurück: „Die Zahl der persönlichen Kontakte zur Existenzgründung ist nochmals gesunken, um 2,7 Prozent auf insgesamt 185.913.“ Das Interesse steigt also, aber die tatsächliche Gründung bleibt dann oft aus.

Fünf Gründe, warum viele potenzielle Gründer den Weg zum eigenen Start-up scheuen:

1. Langsames Internet und Bürokratie

Der Report sieht ein Problem mit dem Angebot an schnellem Internet, was vor allem abseits der Gründerhochburgen Berlin oder München zum Problem werden kann. Denn Ideen entstehen eben nicht nur in den Metropolen, sondern auch im Dunstkreis von Universitäten, sogenannter Hidden Champions im Mittelstand oder multinationaler Konzerne.

Gerade hier liegt viel Potenzial: Viele Experten sind sich darüber einig, dass der nächste große Gründertrend nicht aus dem sogenannten B2C-Bereich, also dem Geschäft mit dem Endkunden, sondern aus dem Bereich von Industrielösungen, Prozessoptimierung oder anderen Technologieanwendungen kommt.

„Gründerinnen und Gründer brauchen dringend in ganz Deutschland schnelles Internet, weniger Bürokratie, zentrale Anlaufstellen für Behördengänge und E-Government auch in ländlichen Regionen“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben dem Handelsblatt.

Nicht nur die Kammern versuchen, Gründern eine Anlaufstelle zu bieten. Abseits von Berlin sind es dann auch oft privatwirtschaftliche Initiativen, die die Standorte für Start-ups attraktiver machen wollen. In Bielefeld zum Beispiel bietet die von der Bertelsmann-Stiftung aufgelegte Founders Foundation eine Anlaufstelle. Der Bedarf ist da: Bielefeld gilt vielen als die Hauptstadt des deutschen Mittelstands. Und der sucht weniger nach hippen Aushängeschildern, sondern nach Möglichkeiten zur Optimierung seiner Prozesse oder Produktionen.

2. Teure Fachkräfte

Der „Gründerreport 2018“ sieht als Grund für den Rückgang der Gründungen aber auch Faktoren wie den Fachkräftemangel. Denn die Arbeit neben Kickertisch und in Open-Space-Atmosphäre bringt auch Entbehrungen mit sich. Oft sind die Arbeitszeiten lang und die Verdienstmöglichkeiten vor allem mit denen von Konzernen nicht vergleichbar.

Viele Gründer bemängeln, dass man zum Beispiel bei der Softwareentwicklung nicht nur mit Google und Co. konkurrieren müsse, sondern eigentlich mit jedem anderen Unternehmen. Schließlich wird in digitalen Zeiten aus jedem Konzern ein Digitalunternehmen, egal ob Kosmetikhersteller oder Autobauer.

3. Mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Der „Gründerreport 2018“ stellt zwar ein steigendes Interesse bei weiblichen Start-up-Interessierten fest – die dann ihr Ziel aber nicht weiterverfolgen. Der Report sieht das auch in der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf begründet. „Viele Mütter, die zunächst das Unternehmen ‚Familie‘ gemanagt haben, konnten in der Zeit weniger Gründungskapital ansparen, Branchen-Know-how aufbauen und Kontakte knüpfen als Männer“, so der Report.

Und dann gibt es auch innerhalb der Start-up-Szene selbst einen bedenklichen Zustand: Dem Berliner Start-up-Gehaltsreport von Jobspotting zufolge liegt das mittlere Einkommen männlicher Vollzeitangestellter bei Hauptstadt-Start-ups bei 3.333 Euro, weibliche Angestellte verdienen dagegen im Mittel lediglich 2.500 Euro.

4. Kein Mut zum Scheitern

Scheitern ist Versagen, und wer versagt, der ist kein guter Unternehmer: Diese Mentalität ist noch häufig noch ein Problem in Deutschland. Dabei zeigt ein Blick in Ausland, wie es anders gehen kann. In Israel, oft als Start-up-Nation betitelt, tragen viele Gründer ihr Scheitern fast genauso plakativ vor sich her wie ihre Erfolge. Scheitern ist da gleich Lerneffekt, auch Investoren wissen es häufig zu schätzen.

Auch der DIHK meint, dass Unternehmertum besser gefördert werden müsste, zum Beispiel in der Schule: „Wichtig ist jedoch eine nachhaltige Verankerung von Unternehmertum im Schulunterricht. Hier liegt der wichtigste Hebel für ein nachhaltig gedeihliches Gründungsklima, das wachstumsstarke und innovative Existenzgründungen hervorbringt. Es reicht nicht aus, hier allein auf gute Projekte zu setzen. Unternehmertum gehört systematisch in die Lehrpläne.“ Und Unternehmertum heißt eben manchmal auch Scheitern.

5. Fehlendes Risikokapital

Zwar haben Deutschlands Wagniskapitalgeber in den vergangenen Jahren aufgeholt. Aber der Anteil des Kapitals für Gründungen liegt noch immer hinter dem von Großbritannien, den Vereinigten Staaten oder eben Israel.

Doch der Trend zeigt hier klar nach oben: Auch immer mehr internationale Wagniskapitalgeber haben das deutsche Start-up-Ökosystem auf dem Schirm. Der DIHK bemängelt jedoch: „Etwa jedes zweite Start-up bemängelt nach DIHK-Umfragen die unübersichtliche Förderlandschaft mit komplizierten Antragswegen.“ Gerade kleine und unerfahrene Gründer sind oft auf die Hilfe des Staates angewiesen, da sie selten Kontakt in die Szene und zu entsprechenden Kapitalgebern haben.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

Mehr zu: Gründerreport 2018 - 5 Gründe, warum in Deutschland viele den Weg zum eigenen Start-up scheuen

8 Kommentare zu "Gründerreport 2018: 5 Gründe, warum in Deutschland viele den Weg zum eigenen Start-up scheuen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Administration ist von einem Start-up doch kaum noch zu stemmen.
    Personal -und Finanzbuchhaltung sind von qualifizierten Fachkräften (ohnehin knapp) kaum noch zu bewältigen.
    Auf ein vereinfachtes Gesetz, kommen jährlich gefühlt fünf neue Gesetzte/Regelungen. Oftmals geht es nur darum noch den wirklich allerletzten Steuercent erwischen zu können.
    Zudem werden ständig neue Verantwortlichkeiten dem Arbeitgeber aufgeladen, jüngste Beispiele dafür sind die Pflichten zur Beratung bei der Altersversorgung und das Versicherungswesen. Das ist Erfüllung hoheitlicher Aufgaben inklusive Haftung dafür. Ohne BWL Studium, sind die meisten Gründer völlig überrascht wenn unser Staat, die Sozialversicherungen und Statistikbehörden und wer sonst noch, erbarmungslos zuschlagen.
    Ich habe vor mehr als 33 Jahren ein Unternehmen gegründet und ärgere mich heute mehr denn je, wie uns Mittelständlern Jahr für Jahr zusätzliche bürokratische Lasten aufgezwungen werden. Zurückblickend empfinde ich das wie ein sich schnell ausbreitendes Geschwür ohne Aussicht auf Heilung. Sorry, aber das ist die Lage.

  • Die Administration ist von einem Start-up doch kaum noch zu stemmen.
    Personal -und Finanzbuchhaltung sind von qualifizierten Fachkräften (ohnehin knapp) kaum noch zu bewältigen.
    Auf ein vereinfachtes Gesetz, kommen jährlich gefühlt fünf neue Gesetzte/Regelungen. Oftmals geht es nur darum noch den wirklich allerletzten Steuercent erwischen zu können.
    Zudem werden ständig neue Verantwortlichkeiten dem Arbeitgeber aufgeladen, jüngste Beispiele dafür sind die Pflichten zur Beratung bei der Altersversorgung und das Versicherungswesen. Das ist Erfüllung hoheitlicher Aufgaben inklusive Haftung dafür. Ohne BWL Studium, sind die meisten Gründer völlig überrascht wenn unser Staat, die Sozialversicherungen und Statistikbehörden und wer sonst noch, erbarmungslos zuschlagen.
    Ich habe vor mehr als 33 Jahren ein Unternehmen gegründet und ärgere mich heute mehr denn je, wie uns Mittelständlern Jahr für Jahr zusätzliche bürokratische Lasten aufgezwungen werden. Zurückblickend empfinde ich das wie ein sich schnell ausbreitendes Geschwür ohne Aussicht auf Heilung. Sorry, aber das ist die Lage.

  • Die Administration ist von einem Start-up doch kaum noch zu stemmen.
    Personal -und Finanzbuchhaltung sind von qualifizierten Fachkräften (ohnehin knapp) kaum noch zu bewältigen.
    Auf ein vereinfachtes Gesetz, kommen jährlich gefühlt fünf neue Gesetzte/Regelungen. Oftmals geht es nur darum noch den wirklich allerletzten Steuercent erwischen zu können.
    Zudem werden ständig neue Verantwortlichkeiten dem Arbeitgeber aufgeladen, jüngste Beispiele dafür sind die Pflichten zur Beratung bei der Altersversorgung und das Versicherungswesen. Das ist Erfüllung hoheitlicher Aufgaben inklusive Haftung dafür. Ohne BWL Studium, sind die meisten Gründer völlig überrascht wenn unser Staat, die Sozialversicherungen und Statistikbehörden und wer sonst noch, erbarmungslos zuschlagen.
    Ich habe vor mehr als 33 Jahren ein Unternehmen gegründet und ärgere mich heute mehr denn je, wie uns Mittelständlern Jahr für Jahr zusätzliche bürokratische Lasten aufgezwungen werden. Zurückblickend empfinde ich das wie ein sich schnell ausbreitendes Geschwür ohne Aussicht auf Heilung. Sorry, aber das ist die Lage.

  • Die Administration ist von einem Start-up doch kaum noch zu stemmen.
    Personal -und Finanzbuchhaltung sind von qualifizierten Fachkräften (ohnehin knapp) kaum noch zu bewältigen.
    Auf eine vereinfachtes Gesetz, kommen jährlich gefühlt fünf neue Gesetzte/Regelungen. Oftmals geht es nur darum noch den wirklich allerletzten Steuercent erwischen zu können.
    Zudem werden ständig neue Verantwortlichkeiten dem Arbeitgeber aufgeladen, jüngste Beispiele dafür sind die Pflichten zur Beratung bei der Altersversorgung und das Versicherungswesen. Das ist Erfüllung hoheitlicher Aufgaben inklusive Haftung dafür. Ohne BWL Studium, sind die meisten Gründer völlig überrascht wenn unser Staat, die Sozialversicherungen und Statistikbehörden und wer sonst noch, erbarmungslos zuschlagen.
    Ich habe vor mehr als 33 Jahren ein Unternehmen gegründet und ärgere mich heute mehr denn je, wie uns Mittelständlern Jahr für Jahr zusätzliche bürokratische Lasten aufgezwungen werden. Zurückblickend empfinde ich das wie ein sich schnell ausbreitendes Geschwür ohne Aussicht auf Heilung. Sorry, aber das ist die Lage.

  • Die Administration ist von einem Start-up doch kaum noch zu stemmen.
    Personal -und Finanzbuchhaltung sind von qualifizierten Fachkräften (ohnehin knapp) kaum noch zu bewältigen.
    Auf eine vereinfachtes Gesetz, kommen jährlich gefühlt fünf neue Gesetzte/Regelungen. Oftmals geht es nur darum noch den wirklich allerletzten Steuercent erwischen zu können.
    Zudem werden ständig neue Verantwortlichkeiten dem Arbeitgeber aufgeladen, jüngste Beispiele dafür sind die Pflichten zur Beratung bei der Altersversorgung und das Versicherungswesen. Das ist Erfüllung hoheitlicher Aufgaben inklusive Haftung dafür. Ohne BWL Studium, sind die meisten Gründer völlig überrascht wenn unser Staat, die Sozialversicherungen und Statistikbehörden und wer sonst noch, erbarmungslos zuschlagen.
    Ich habe vor mehr als 33 Jahren ein Unternehmen gegründet und ärgere mich heute mehr denn je, wie uns Mittelständlern Jahr für Jahr zusätzliche bürokratische Lasten aufgezwungen werden. Zurückblickend empfinde ich das wie ein sich schnell ausbreitendes Geschwür ohne Aussicht auf Heilung. Sorry, aber das ist die Lage.

  • Die DSGVO wurde bereits angesprochen. Hinzu kommt die Gesetzgebung zum Arbeitsrecht. Holt sich ein junges Unternehmen die falschen Mitarbeiter ins Haus, fallen Kosten für Lohnfortzahlung, Kündigungschutzkosten usw. an. Hinzu kommen Kosten für die Berufsgenossenschaft, IHK etc. Auch neue Unternehmen werden schlicht als Beitragszahler behandelt, obgleich diese Unternehmen eigentlich Förderung bräuchten.

  • Wenn die Politik, statt für einen zügigeren Ausbau der Internetinfrastruktur zu sorgen (vergessen Sie's einfach) nichts Besseres zu tun hat, als Volk und Wirtschaft ständig Steine in Form immer neuer überflüssiger bürokratischer Vorschriften in den Weg zu schmeißen, möge sie sich doch bitte ganz zurückziehen, damit die Bürger endlich unbehindert „durchstarten“ können. Die schaffen das dann schon.

    Wie das mit der Organisation „geht“, hat ja heute jeder schon mitgekriegt. Und wie nicht, auch.

    Ein klar definierter, demokratisch vereinbarter Werte- bzw. Verantwortlichkeits- und Haftungsrahmen, an den sich jeder zu halten hat und innerhalb dessen jeder selbst entscheiden kann, wie und auf welchem Wege er seine Ziele erreichen will, nebst einer wirklich unabhängigen, gleichermaßen demokratisch besetzten Rechtsprechung, würde völlig reichen.

  • Allein die DSGVO stellt junge Unternehmen, die IT-Lösungen anbieten, vor große rechtliche Hürden. Selbst für kleine Angebote für den Mittelstand sind mittlerweile 10-20 Seiten Vertrag notwendig. Geht man hier zum Rechtsanwalt, macht das das Geschäft schnell unlukrativ.
    Richtlinien, die die geschäftliche Nutzung von Wohnraum in Städten nicht gestatten und ein max. 16 MBit -Zugang machen Gründungen nicht einfacher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%