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Gründerszene Start-up Laserhub – Der Flixbus der Blechindustrie

Drei Gründer vom Land arbeiten an einer Koordinations-Plattform für Zulieferer. Dabei dürfen sie sich über die Unterstützung von bekannten Berliner Investoren freuen.
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Von links nach rechts: Adrian Raidt, Christoph Rößner und Jonas Schweizer. Quelle: Laserhub
Laserhub

Von links nach rechts: Adrian Raidt, Christoph Rößner und Jonas Schweizer.

(Foto: Laserhub)

BerlinDie Zeiten, in denen sich die Berliner Gründerszene ausschließlich um sich selbst drehte, sind vorbei. Statt nur in von ehemaligen Unternehmensberatern und Betriebswirten gegründete E-Commerce-Modelle zu investieren, setzen die großen Wagniskapitalgeber immer häufiger auf Start-ups, die sich auf die Digitalisierung der deutschen Industrie spezialisieren.

Auch Project A und Point Nine Capital haben gerade einen siebenstelligen Betrag in Laserhub investiert. Das Start-up wurde 2017 von Adrian Raidt (37), Christoph Rößner (35) und Jonas Schweizer (33) gegründet und versteht sich als Plattform für die blechverarbeitende Industrie.

Die Maschinen für das Schneiden und Biegen von Blechen würden immer moderner, erklärt Christoph Rößner, die Schnittstellen zwischen Dienstleister und Kunden aber nicht. Man telefoniere, maile, teilweise faxe man sogar noch. Der Markt ist stark fragmentiert, die Zulieferer haben in der Regel weniger als 100 Mitarbeiter und einen regionalen Fokus.

Die Anschaffung neuer Laser und Technologien lohne sich für einen Blechverarbeiter nur, wenn er genügend Nachfrage für diese Leistung habe, sagt Rößner: „Es ist, als würde man sich einen Ferrari kaufen und dann fast immer nur 120 damit fahren.“ Umgekehrt sei es für den Kunden kompliziert, neue Zulieferer zu finden oder ihre Kosten zu optimieren, weil Leistung und Preisgestaltung so intransparent seien.

Bei Laserhub können Kunden die CAD-Dateien der benötigten Spezialteile hochladen. Ein Algorithmus suche den passenden Hersteller mit den richtigen Maschinen und freien Kapazitäten. Die Plattform setzt einen Preis fest, liefert aus, stellt die Dienstleistung in Rechnung und garantiert für die Qualität.

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Die Ziele des Start-ups sind ehrgeizig: Nach der Blechverarbeitung sollen weitere Metalle folgen, außerdem will Laserhub in Europa expandieren. Auf der Technologie-Ebene sind weitere Schnittstellen geplant, etwa die Integration in Bestell- und Warenwirtschafts-Systemen, um den Prozess noch weiter zu automatisieren.

Andreas Helbig, Investment-Manager bei Project A, spricht von einem 80-Milliarden-Euro-Markt und sieht das Potenzial für einen dreistelligen Millionenumsatz – „mindestens“. „Wir sehen ein enormes Potenzial darin, Bestellprozesse in der Maschinenbauindustrie zu automatisieren“ sagt Pawel Chudzinski, Partner bei Point Nine Capital.

Keine eigenen Maschinen

20 Verarbeiter kooperieren nach Angaben des Unternehmens mit Laserhub, mehr als 1000 Kunden hätten Blechteile mit einem Gesamtgewicht von 620 Tonnen gekauft. Die Plattform hat einen Zugriff auf 230 Maschinen – ohne eine einzige zu besitzen. „Das ist wie bei Plattformen wie Airbnb oder Flixbus. Die besitzen auch weder Zimmer, noch Busse“ wagt Gründer Rößner einen großen Vergleich.

Anders als bei Plattformen, die Konsumenten ansprechen sind die Beziehungen zwischen den Metallverarbeitern und ihren Kunden zum Teil über Jahrzehnte gewachsen. „Die bestehenden Kundenbeziehungen sind unser größter Konkurrent“, sagen auch die Gründer. „Vielen in der Branche fällt es schwer, neue Wege zu gehen“, bestätigt Niklas Brigmann von fps Germany, ein Händler von Aluminiumprofilen, der schon mehrfach Blechteile über Laserhub bezogen hat. Er selbst schätzt vor allem die Zuverlässigkeit bei den Lieferterminen, das sei mit einem Zulieferer vor Ort, der unterschiedlich stark ausgelastet sei, nur schwer zu gewährleisten gewesen.

Bei der Akquise könnte den Gründern zu Gute kommen, dass sie selbst aus der Branche kommen, Adrian Raidt arbeitete beim Laserspezialisten Trumpf, der unter anderem Maschinen zur Bearbeitung von Blech herstellt. Gegründet haben sie ihr Unternehmen nicht in Berlin oder München, sondern in Stuttgart auf einem ehemaligen Industrie-Gelände der Unternehmerfamilie Wizemann.

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