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Günther Jauch „Ich gehe die Winzerei mit Ehrgeiz an“

Günther Jauch macht nicht nur Fernsehen, er macht auch Wein. Mit der Übernahme des Weinguts Othegraven in Kanzem an der Saar gehörte er auf einen Schlag zu Deutschlands Winzerelite. Mit Handelsblatt Online sprach er vor einem Jahr über seine Vorbilder.
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Günther Jauch: Der TV-Moderator posiert in seinem Weinberg in Kanzem an der Saar. Quelle: dpa

Günther Jauch: Der TV-Moderator posiert in seinem Weinberg in Kanzem an der Saar.

(Foto: dpa)

Handelsblatt: Herr Jauch, Anfang September waren Sie auf der 100-Jahr-Feier des Verbands der Prädikatsweingüter. Wie war es, unter Deutschlands Topwinzern zu sitzen und plötzlich einer von ihnen zu sein?

Günther Jauch: Das war ein gutes Gefühl, wenngleich ich noch Winzerlehrling bin. Wenn ein Weingut innerhalb der Familie übergeht, kann man die Tradition als VDP-Mitglied fortsetzen, das ist mein Glück. Als Familienfremder hätte ich mich ganz neu um die Mitgliedschaft bewerben müssen. Es ist eine tolle Sache, wenn man ich unter den Top 200 der deutschen Weinbaubetriebe starten kann. Ich habe guten Kontakt zu den anderen Mitgliedern gefunden. Das waren drei festliche, aber auch lustige Tage in Berlin. Die können gut feiern.

Seit dem 1. Juli sind Sie alleiniger Besitzer des Weinguts Von Othegraven in Kanzem an der Saar. Wie sind Sie dazu gekommen?

Das Gut gibt es seit etwa 500 Jahren, und es ist seit 1805 in Familienbesitz. Der Bruder meiner Großmutter, mein Großonkel Maximilian von Othegraven, hat es in fünfter Generation geführt. Er ist 1968 kinderlos gestorben. Seine Witwe hat ihn fast 30 Jahre überlebt und das Gut fortgeführt. Sie hat es an ihre Nichte Heidi Kegel übergeben.

Und wie kommt es zum Übergang von Heidi Kegel zu Ihnen?

Ich war als Kind viel hier bei Onkel Max und Tante Maria. Nachdem mein Großonkel gestorben war, ist die Verbindung loser geworden. Vor dreieinhalb Jahren habe ich gehört, dass über den Verkauf des Guts nachgedacht wird. Da habe ich den Kontakt wieder aufgenommen. Für Frau Dr. Kegel war irgendwann klar, dass ihre Kinder den Betrieb nicht übernehmen werden. Es bestand die Gefahr, dass das Gesamtkunstwerk aus denkmalgeschütztem Gutshaus, dem dazugehörigen Park, einem Gartendenkmal, und den unter Schutz stehenden Weinbergen nicht als Einheit erhalten bleibt. Das wollten wir beide verhindern. Ich wusste auch: Das ist ein Spitzenweingut, dass jedoch kaum einer kennt. Eher ein "Hidden Treasure".

Sie haben aber Schwierigkeiten gesehen, die Winzerei nebenher noch hinzubekommen.

Meine Frau und ich waren nicht von Anfang an Feuer und Flamme. Deshalb war es gut, dass die Vorbesitzerin und wir uns gegenseitig Zeit gelassen haben. Einerseits war es der Wunsch von Frau Dr. Kegel, das Weingut in gute Hände zu legen, es nach Möglichkeit in der Familie zu halten, um die Tradition fortzusetzen. Andererseits habe ich gemerkt, dass sie es schon noch gerne führt. Das hat sich gut gefügt, weil ich einen Beruf habe und ausgelastet bin. Auch von der Familiensituation her war ich für jedes Jahr dankbar, das sie noch weitergemacht hat.

Das ist für Sie eine weitere unternehmerische Aktivität. Sehen Sie sich denn insgesamt eher als Unternehmer denn als Journalist?

Mein Beruf ist Journalist. In dem Beruf bin ich Unternehmer, da ich selbstständig tätig bin. Ich weiß durch die von mir gegründete Fernsehproduktionsfirma auch, wie es ist, ein Unternehmen zu leiten. Ich finde es immer anerkennenswert, wenn Menschen ins Risiko gehen und sich etwas trauen. Egal ob jemand Zeitungen austrägt oder eine Würstchenbude aufmacht. Mir hat selbständiges Arbeiten immer viel Freude gemacht, obwohl ich als Angestellter zehn Jahre lang auch nicht gerade unglücklich war.

Was sind jetzt die Unterschiede zu dem, was Sie bisher machen?

Das, womit ich hier konfrontiert bin, ist für mich totales Neuland. Ich habe noch nie im Leben etwas mit Landwirtschaft zu tun gehabt. Viele haben das Bild, dass ein Weingutsbesitzer mit dem Römer vor seinem eigenen Fässchen sitzt und den lieben Gott einen guten Mann sein lässt. Mir war von vornherein klar, dass es komplizierter sein würde. Ich muss lernen, wie so ein Betrieb funktioniert. Ich muss erfahren, wie abhängig man von der Natur ist. Der Ausbau eines hochklassigen Weins ist dann eine Geschichte für sich, und ohne gutes Marketing geht es heute auch nicht mehr.

Aber alles lässt sich lernen?

Es gibt ja hier auch ein erfahrenes und perfekt eingespieltes Team. Trotzdem sind Sie hier anderen Risiken ausgesetzt als in einem Medienunternehmen. Zum Beispiel kann die Natur einem das Geschäft im wahrsten Sinne des Wortes verhageln. Beim Fernsehen habe ich am nächsten Tag das Ergebnis. Und wenn mir das misslungen ist, habe ich drei Tage später die Chance, es wieder gut zu machen.

Günther Jauch, das ist ein florierendes mittelständisches Unternehmen, millionenschwer. Neben dem Weingut sind Sie an weiteren Firmen beteiligt. Herzstück ist die Kölner Produktionsfirma I&U mit 100 Mitarbeitern, die auch Ihre Talkrunde bei der ARD ab Herbst 2011 produzieren wird und deren Alleingesellschafter Sie sind. Wie teilen Sie Ihre Kapazitäten auf die verschiedenen Engagements auf?

Ein Teil geht über Verdichtung. Entscheidend ist aber, dass meine Frau sehr aktiv auf dem Weingut mitarbeitet und das auch besser kann als ich. Sie weiß über Wein zum Beispiel schon deutlich mehr als ich. Darüber bin ich heilfroh. Ich hätte das Gut nicht übernehmen können, wenn ich das allein hätte machen müssen.

In der Regel will ein Unternehmen auch Geld verdienen. Möchten Sie das mit dem Weingut?

Sagen wir es so: Wenn ich Geld verdienen möchte, sollte ich in dem Bereich bleiben, von dem ich etwas verstehe: dem Fernsehen. Es geht also bei dem Weingut nicht um eine hohe Rendite. Ich habe aber den Ehrgeiz, das Gut nach vorne zu bringen. Das ist auch deshalb nicht leicht, weil wir eine der extremsten Steillagen Europas bewirtschaften. Das geht ausschließlich mit aufwendiger Handarbeit. Das ist bis zu zehnmal teurer, als wenn sie da Maschinen durchrattern lassen. Aber die Lese von Hand schmecken Sie am Ende im Glas. Und hier werden zum Teil Weine gemacht, die es weltweit nirgendwo sonst gibt. Das ist aufwendig, aber macht eben auch Freude.

Das Team um Verwalter Swen Klinger und Kellermeister Andreas Barth haben Sie komplett übernommen.

Darüber bin ich auch sehr froh. Zusammen mit vier weiteren Mitarbeitern stellt sich jetzt die Frage, ob wir mit dieser Mannschaft die richtige Betriebsgröße haben. Sind es die zehneinhalb Hektar, die es im Moment sind? Sind es drei, vier Hektar weniger? Oder sind es vier, fünf Hektar mehr? Im 19. Jahrhundert war der Betrieb größer als heute. Man kann die Flächen noch genau bezeichnen, die in andere Hände übergingen.

Wie viel Zeit werden Sie pro Jahr auf dem Gut verbringen?

Zurzeit sind wir im Zweiwochenabstand einige Tage hier. Das muss sich alles noch einspielen und ist auch von der Jahreszeit abhängig.

Werden Sie von Mitte Oktober an bei der ersten Lese dabei sein, bei der Sie die Verantwortung tragen?

Ja, klar. Das ist die wichtigste Zeit.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Wein? Ihre Frau hat Sie in dieser Hinsicht als "blutigen Anfänger" bezeichnet...

Das ist auch richtig. Ich trinke zwar gerne Wein, bin aber erst relativ spät dazu gekommen, mit 40 ungefähr. Mich zum Weinkenner zu erklären, wäre Hochstapelei. Ich bin einer, der sich da langsam herantastet und zum Beispiel mit Hilfe von Blindverkostungen versucht, sich zurechtzufinden. Das fällt mir noch schwer.

Warum ist Wein Ihnen wichtig?

Ich finde es faszinierend, da einzutauchen. Die Leute, die mit Wein zu tun haben, haben eine Lebensart, die mir gut gefällt. Die sind fröhlich, gelassen und großzügig. Dieses Lebensgefühl, das speziell hier in der Region vermittelt wird, finde ich sehr schön.

Was macht einen guten Wein aus?

Dass er einem in der Situation, in der man gerade ist, richtig gut tut und den Tag schön abrundet. Das ist eine Welt, in der Sie ständig neue Türen aufmachen, und hinter jeder Tür sind noch mal drei neue. Das ist interessant, und es macht Spaß, das zu entdecken.

Haben Sie einen Lieblingswein?

Ich habe mich auf Riesling festgelegt. Das ist im Weißweinbereich die Traube schlechthin. Ich trinke auch Rotwein. Es gibt mittlerweile tolle deutsche Spätburgunder. Ich freue mich über diese Renaissance. Vor 20 Jahren wurde jeder unter 50, der einen deutschen Wein bestellte, komisch angeschaut. Da hat sich viel geändert.

Gibt es für Sie ein Vorbild unter den Winzern?

So weit bin ich noch nicht. Ich sehe aber, dass ein Mann wie Egon Müller auch international eine Ausnahmestellung hat. Die Weine der Familie Zilliken sind auch ganz hervorragend. Mein Nachbar Roman Niewodniczanski hat mit dem Gut Van Volxem richtig was auf die Beine gestellt. Er hat als Seiteneinsteiger gezeigt, was man mit Ehrgeiz, Fleiß und gutem Marketing schaffen kann. Auch Frau Dr. Kegel ist eine erfolgreiche Quereinsteigerin. Sie war Anästhesieärztin in einem Kölner Krankenhaus. Etwa in meinem jetzigen Alter hat sie Von Othegraven in einer schwierigen Zeit übernommen. Und sie hat es zu einem Top-Weingut gemacht.

Gehen auch Sie die Sache ambitioniert an? Oder ist das eher Freizeit und Hobby?

Ich gehe das schon mit Ehrgeiz an. Als Hobbywinzer und lediglich lustiger Teilzeit-Landlord würden Sie hier schnell scheitern. Vor hundert Jahren gehörten die Weine unserer Familie übrigens zu den teuersten der Welt - zum Teil dreimal teurer als die wertvollsten Tropfen aus dem Bordeaux.

Die Winzerei kann ja auch ein Ausgleich sein. Reizt diese Seite Sie?

Das ist keine Therapie, mit der ich mein mediales Burnout-Syndrom bekämpfen müsste. Ein Weingut ist aber schöner, als wenn ich eine Knopffabrik am Leben erhalten würde.

Sie gelten als der Preuße unter den Moderatoren. Ihr Freund Thomas Gottschalk hat einmal gesagt, er gebe sich alle Mühe, Ihnen beizubringen, das Leben zu genießen, aber leicht sei das nicht. Ändert sich das nun?

Er ist inzwischen mit mir zufriedener geworden und sagt, ich sei auf einem guten Weg.

Für Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle sind Winzer auch Künstler.

Wein ist ein Kulturgut. Es ist faszinierend, was Sie an Kunstfertigkeit brauchen, um das richtig gut zu machen, und wie Sie Leute mit dem verzücken können, was am Ende aus der Flasche kommt. Das ist schon eine hohe Kunst. Was ich hier versuche, ist, das Weingut nicht nur zu erhalten, sondern auch vernünftig zu bewirtschaften. Das ist eine Mischung aus Kunststück und Abenteuer. Zwischen Aufstieg und Scheitern ist da viel möglich.

Sie sind der Liebling der Deutschen. Bei einer Direktwahl des Bundespräsidenten hätten Sie gute Chancen. Günther Jauch ist eine Marke. Was bedeutet das für Ihr neues Projekt?

Weine werden meistens nach den Winzern benannt. Das Weingut heißt aber schon seit fast 100 Jahren Von Othegraven. Ich habe mich entschlossen, das so zu lassen. Das erinnert mich an meine Patentante, die eine von Othegraven war, ebenso an meine Großmutter und meinen Großonkel. Auf der Rückseite der Flaschen findet sich im Kleingedruckten ein Hinweis, dass ich das jetzt in der siebten Generation mache. Vielleicht gibt es am Anfang einen kleinen Neugiereffekt, wie denn "der Wein vom Jauch" schmeckt. Wenn er dann nichts taugt, hilft der Name auch nichts. Der Erfolg steht und fällt mit der Qualität des Produkts.

Im Fernsehen sind Sie seit Jahren die Nummer eins, wollen Sie das jetzt auch als Winzer werden?

Daran denke ich überhaupt nicht. Ich wäre froh, wenn die Leute sagen: Hier wird ein richtig guter Wein gemacht. Das ist für mich das Wichtigste. Das Zweitwichtigste ist, dass deshalb der Betrieb funktioniert und er, drittens, darum irgendwann auch wieder ganz unabhängig von meiner Person gesehen werden kann.

Mit wem messen Sie sich?

Wir gehören ausweislich zu den 200 Spitzenweingütern in Deutschland. Das ist die höchste Liga, und da würde ich gerne gut mitspielen. Ich möchte den Ruf erhalten, den das Weingut bei Kennern hat und freue mich natürlich, wenn immer mehr sagen: Der Wein ist großartig - schade, dass ich nicht früher auf ihn aufmerksam wurde. Ich hatte trotzdem am Anfang ein wenig die Sorge, dass womöglich der Eindruck entsteht: Jetzt möchte der sich noch mit einem Weingut wichtig machen. Aber ohne den familiären Hintergrund wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen. Noch bin ich kein Winzer, weil ich mich mit der Sache noch nicht so gut auskenne. Aber ich habe das Glück, dass wir trotzdem schon ein gutes Produkt haben.

Luxus ist Ihnen nach eigener Aussage nicht fremd, aber Sie sagen, Sie seien auch bei Lidl oder Rewe anzutreffen. Hat das auch Auswirkungen auf den Vertriebsweg Ihres Weins?

Das glaube ich nicht. Unseren Wein gibt es in ausgewählten Hotels und Restaurants. Wir arbeiten auch mit Handelspartnern zusammen. Was ich zum 1. Juli neu eingeführt habe, ist ein Online-Shop, damit jeder den Wein schnell und unbürokratisch bestellen kann. Da haben manche bei so einem edlen Produkt Vorbehalte. Ich habe mich aber sehr schnell durchgesetzt. Das läuft gut, war genau die richtige Entscheidung. Da können Sie auch mal ein Probierpaket zum günstigen Preis anbieten. Wenn es den Leuten zusagt, können sie tiefer einsteigen und auch Spezialitäten ordern.

Wollen Sie die Hürde mit solchen Angeboten bewusst heruntersetzen?

Richtig. Wir werden aber nie als Massenhersteller den Weg in die Discounter finden. Das schließe ich aus. Das wollen wir nicht, und dazu sind wir mit einer Jahresproduktion von 50 000 bis 60 000 Flaschen auch zu klein.

In Ihrer Firma I&U sind Sie seit Jahren der Älteste. Vor gut einem Jahr haben Sie gesagt: "Es wird weniger werden mit mir im Fernsehen." Und: "Was ich gemacht habe, ist nichts Bleibendes." Ändert sich das mit der Übernahme des Weinguts?

Vielleicht schon, denn unsere Weine gelten als extrem lagerfähig, zum Teil bis 2100. Die werden mich also überleben. Und dann kommt vielleicht die 8. Generation und hat Freude an so einer Arbeit. Nach über 200 Jahren in der Familie übernimmt man so etwas nicht, um damit über die nächsten zwei Jahre zu kommen. Das ist in der Tradition der Familie auf Langfristigkeit angelegt.

Ist das etwas für das Leben jenseits des Fernsehens?

Das könnte sein. Aber machen Sie sich nicht zu frühe Hoffnungen: Fernsehen wird noch länger mein beruflicher Mittelpunkt bleiben. Und mit einer Flasche von Othegraven lassen sich selbst meine Sendungen leichter ertragen...

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