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Chronik Trumpf Hier hat eine Frau das Sagen

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2005: Die Tochter übernimmt das Ruder
Damals ein Überraschungscoup: Nicola Leibinger-Kammueller tritt die Nachfolge ihres Vaters Berthold Leibinger an. Quelle: Martin Storz
Vater und Tochter

Damals ein Überraschungscoup: Nicola Leibinger-Kammueller tritt die Nachfolge ihres Vaters Berthold Leibinger an.

(Foto: Martin Storz)
  • Im November 2005 übergibt Leibinger die Geschäftsführung von Trumpf an seine damals 45-jährige Tochter Nicola Leibinger-Kammüller und wechselt an die Aufsichtsratsspitze. Seine Älteste wählt er für den Chefposten aus, nicht seinen Sohn Peter und auch nicht seinen Schwiegersohn Matthias Kammüller, obwohl beide als Spartenchefs ebenfalls in der Geschäftsführung sitzen und wie er Ingenieure sind. Damals ein Überraschungscoup.
  • Alle müssen ihre Rolle erst finden. Aber Leibinger-Kammüller moderiert die Interessen der Familienmitglieder in der Geschäftsführung geschickt. Die Familie ist geprägt vom Ethos des Pietismus, was 2002 sogar in einem Familienkodex festgeschrieben wird.
  • Als die vierfache Mutter Nicola Leibinger-Kammüller Chefin wird, macht das Familienunternehmen mit 8000 Beschäftigten schon 1,4 Milliarden Euro Umsatz. Sie gilt als bescheiden, zurückhaltend, integer. Aber auch als eine energiegeladene Frau mit Charme. Leibinger-Kammueller wird als erste Frau in den Aufsichtsrat von Siemens berufen.
  • Dabei führt Nicola Leibinger-Kammüllers Weg nicht gerade direkt in die Geschäftswelt. Sie liebt Literatur, studiert Germanistik und Anglistik. Lieblingsschriftsteller: Thomas Mann. Über das Spätwerk von Erich Kästner promoviert sie. 2008 erhält sie das Verdienstkreuz am Bande für „Verdienste in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft sowie ihren bürgerschaftlichen Einsatz“.
  • Als Trumpf mit allen anderen Maschinenbauern 2008 in die Krise rutscht, muss kein Arbeitnehmer gehen - die Familie spendiert eine Kapitalspitze von 75 Millionen Euro. Die Geschäftsführer verzichten auf zehn Prozent ihres Gehalts.
  • Im Jahr 2009 zieht Berthold Leibinger, der Ende 2012 altershalber den Vorsitz des Aufsichtsrats niederlegt, als einer der ersten Preisträger in die Handelsblatt Hall of Fame ein. Er gilt als eine Ikone des deutschen Mittelstands.
  • 2014 überrascht der Maschinenbauer mit mehr als 2,7 Milliarden Euro Umsatz und knapp 11.000 Mitarbeitern Konkurrenten und die Finanzwelt. „Wir sind Bank. Und wir schreiben ein Stück schwäbische Wirtschaftsgeschichte“, sagt Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller. Der Laserspezialist gründet als erster deutscher Maschinenbauer eine Vollbank: Trumpf Financial Services. Das Unternehmen will so die Absatzfinanzierung stärken - besonders im Ausland.
  • Das Traditionshaus spielt immer wieder eine Vorreiterrolle und erweitert das Portfolio früh für den industriellen 3-D-Druck durch die additive Fertigung von Metallteilen. Außerdem baut Trumpf 2015 mit der Tochtergesellschaft Axoom ein eigenes Softwarehaus auf. Der Grund: die steigenden Anforderungen an die vernetzte Industrie 4.0.
  • Die Trumpf Gruppe ist heute mit rund 70 Tochtergesellschaften weltweit in allen wichtigen Märkten vertreten. Produktionsstandorte befinden sich in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, der Schweiz, Polen und Tschechien, in den USA, Mexiko, China und Japan.
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