Hasso Nauck Der Bremer Schokoladen-Prinz von Hachez

Hasso Nauck aus der traditionsreichen Dynastie Hachez kaufte sein Unternehmen zurück - und hat es danach erfolgreich wiederbelebt. Nach Lindt ist seine Manufaktur die Nummer zwei unter den Premiumschokoladen. Jetzt freut er sich aufs Ostergeschäft.
  • Claudia Tödtmann
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Hachez-Inhaber Hasso Nauck: Die roten Schnürsenkel sind das Markenzeichen des Schokoladen-Unternehmers. Quelle: Ludwik Erdmanski

Hachez-Inhaber Hasso Nauck: Die roten Schnürsenkel sind das Markenzeichen des Schokoladen-Unternehmers.

DÜSSELDORF. Bei dem Bremer Schokoladenhersteller Hachez gibt es feste Regeln für die Mitarbeiter: Innerhalb der Fabrikmauern dürfen sie naschen, so viel sie wollen. "Nur mit nach Hause nehmen dürfen sie nichts", sagt Hachez-Inhaber Hasso Nauck. Die Großzügigkeit gegenüber den 425 Mitarbeitern ist kein Altruismus: Die Geste soll eine Identifikation mit den Produkten erzeugen - und die Angestellten dienen Nauck zudem noch als kostenlose Testesser. "Stellen wir neue Produkte hin und keiner nimmt sie, dann stutzen wir", berichtet er. Der Marktforschung traue er nicht. Die erhebe nur, was in ihren Rastern strukturierbar ist - mehr nicht, sagt Nauck.

Die Bremer Hachez Chocolade ist mit ihren Marken "Hachez" und "Feodora" nach Lindt die Nummer zwei im Markt der Premiumschokoladen. Doch seine Manufaktur - so Nauck - sei die einzige, die vom Rösten der Kakaobohne bis zum Endprodukt - und das sind rund 200 verschiedene Bearbeitungsschritte - alles in Eigenregie mache. Wie die meisten Familienunternehmen will der Hanseat keine Ergebnisse verraten. "Wir machen lieber Umsatz, statt drüber zu reden", lautet seine Devise. 2008 machte das Unternehmen laut Elektronischem Bundesanzeiger rund 54 Mio. Euro Umsatz.

Immerhin verrät Nauck: "2009 war ein sehr schwieriges Jahr. Auf der Markt- wie auf der Konsumentenseite." Erschwerend komme der Preiskampf im Lebensmittelhandel hinzu. Doch dieses Jahr seien sie schon "auf einem sehr viel besseren Weg". Nervös mache ihn das nicht, schließlich denken Familienunternehmer wie er nicht in Drei-Monats-, sondern in 15-Jahres-Rhythmen.

Er investiere jährlich bis zu drei Mio. Euro, doch Veränderungen zeigten sich nur in Minischritten. Jedes Jahr bringt Hachez fünf neue Produkte auf den Markt. Dazu wird manche Verpackung geändert, doch die Rezepturen sind tabu.

Stolz ist er auf seine Eigenkapitalquote von 20 Prozent, die er in den vergangenen zehn Jahren stetig aufgebaut hat. Gleichzeitig tilgte er das Darlehen für den Kaufpreis. Schließlich hatte Nauck erst 2000 die Manufaktur, die 1890 sein Urgroßvater - der belgische Chocolatier Joseph Hachez - gegründet hatte, zurückgekauft. Nauck hatte zunächst als ältester von drei Brüdern im Alter von 34 Jahren den 50-prozentigen Firmenanteil seiner Familie an den Miteigentümer Zertus verkauft. Zertus, die ehemalige Zuckerraffinerie Tangermünde, hatte sich bereits nach dem letzten Weltkrieg an Hachez beteiligt. Denn die im Krieg zerbombte Firma musste mit fremdem Kapital wiederaufgebaut werden.

Bei den Verhandlungen mit Zertus verstand sich Nauck so gut mit dem früheren Chef Christian Echarti, dass dieser ihn sechs Jahre später um Rat bat. Nauck war inzwischen zum Marketingchef der ehemaligen Kraft Jacobs Suchard AG (heute Kraft Foods) für die Schokoladenmarke Milka aufgestiegen - ein Job, an dem letztendlich sein Herz nicht hing: "Es war ein Großkonzern - mit viel Zeit für interne Rechtfertigungen." Ob Nauck jemanden wisse, dem er die Hachez-Geschäftsführung anvertrauen könne, fragte ihn Echarti - und das tat Nauck: "Einer fällt mir sofort ein, über andere muss ich nachdenken", antwortete er entschlussfreudig.

Vier Wochen später fing er bei Hachez an. Als Stellvertreter brachte Nauck von Kraft Wolf Kropp-Büttner mit, einen Schulfreund seines Bruders. Damals befand sich die Manufaktur "wie in einem Dornröschenschlaf und war dringend renovierungsbedürftig", so Nauck. Es gab weder eine funktionierende Marketing-Abteilung noch einen strukturierten Vertrieb. "Die Manufaktur war lange nur noch Cash-Cow gewesen und hatte keine Investitionen mehr gesehen", sagt Nauck.

Als er die Firma dann nach zehn Jahren zurückkaufte, wurde Kropp-Büttner sein Partner: Nauck hält heute 60 und Büttner 40 Prozent der Anteile. Ihr Führungsprinzip: Sie teilen sich die Gesamtverantwortung nach Neigung und Background. Nauck widmet sich Marketing, Export und Vertrieb. Kropp-Büttner betreut Finanzen, Produktion und Verwaltung.

Beide sind heilfroh über die "große Portion Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung", die sie heute genießen. Und dann kommen ganz ungewohnte Töne aus dem Munde des Hanseaten: "Der Kölsche würde sagen: Dat hätt? gar nit besser kumme künne", und freut sich wie ein Schneekönig. Nauck geht ganz in der Rolle des begeisterten Unternehmers auf. Nicht nur, weil er sich Allüren leistet wie sonst kaum ein anderer Manager: Seit über 30 Jahren trägt er in all seinen Schuhen rote Schnürsenkel. Und dabei habe er überhaupt ein Faible für Rot. Wie sein Lehrmeister, der Ex-Werbeagenturchef Bernd Michael von Grey. Dessen "Markenzeichen" ist seit jeher die rote Krawatte.

Sven Eklöh, Chef der Süßwaren-Kette Hussel und Naucks Geschäftspartner, schildert den Bremer als "feinen Kerl", den er erst völlig falsch eingeschätzt habe, nämlich "als trockenen Hanseaten". Dabei sei Nauck ein Mensch, der gerne lache, Witze erzähle und sage, was er denke.

Schon in der Schule war Nauck kein Angepasster. Nach einem Vierer-Abitur - und das zwei Jahre später als die anderen - machte er eine kaufmännische Lehre beim US-Frühstücksflockenhersteller Kellogg?s, studierte Betriebswirtschaftslehre und ging in die USA. Erst zu einem Spirituosenproduzenten in Connecticut, dann zu Grey in New York - der Werbeagentur, über die er dann nach Düsseldorf kam. Nach sieben Jahren reichte es ihm. Dass er dann zurück nach Bremen kam, darüber ist er heute noch froh.

Ob eine seiner drei Töchter mal die Firma übernimmt? Eher nicht, glaubt Nauck. Doch die Frage habe Zeit, bis er 65 wird: "Wir sind ja erst seit zehn Jahren Unternehmer - und wir sind es nicht geworden, um Unterlasser zu werden."

130 Millionen Osterhasen warten auf die Käufer

MÜNCHEN. Auf einen Verkaufsendspurt in der Woche vor Ostern hoffen mit Hachez die Unternehmen der gesamten deutschen Süßwarenwirtschaft.

"Die winterlichen Temperaturen bis weit in den März hinein haben bei den Konsumenten erst einmal keine Frühlingsgefühle aufkommen lassen. Entsprechend verhalten war deshalb auch der bisherige Abverkauf klassischer Osterartikel", fasst Hans Strohmaier, Geschäftsführer des Süßwarenhandelsverbandes Sweets Global Network (SG), die Hoffnungen der Branche zusammen. Das Ostergeschäft ist für die deutsche Süßwarenwirtschaft ein erstes Indiz für die Süßwarenkonjunktur 2010. Bisher blieben Hersteller und Handel in diesem Segment von den Folgen der Wirtschaftskrise weitgehend verschont und konnten ihre Umsätze 2009 im Vergleich zum Vorjahr sogar noch leicht steigern. Der Gesamtumsatz betrug fast elf Mrd. Euro.

Für die Gesamtentwicklung der Branche - vor allem für die Saisonhersteller von Schokolade - ist das Ostergeschäft von zentraler Bedeutung: In der Ostersaison 2009 gab es sogar ein Umsatzplus von 3,5 Prozent zum Vorjahr. Der Gesamtumsatz an traditionellen Osterprodukten lag bei 420 Mio. Euro. Das Ranking führten Ostereier aus Schokolade mit 171 Mio. Euro an. Es folgen Schokoladenhasen (104 Mio. Euro) und Präsente (69 Mio. Euro).

Eines der Spitzenprodukte in der Ostersaison 2010 ist weiterhin der klassische Schokoladenhase, von dem die Deutschen insgesamt knapp 130 Mio. Exemplare vernaschen. Angeführt wird die süße Hitliste allerdings von Schoko-Ostereiern ohne Alkohol. "In wirtschaftlich unsicheren Seiten greifen die Verbraucher eher zu Traditionsprodukten", beschreibt Strohmaier den aktuellen Trend, der weniger Raum für Produktexperimente erlaube. Der Markt wird auch weiterhin von den Markensortimenten der großen Hersteller wie Lindt, Ferrero, Kraft Foods oder Nestlé geprägt. Dies hänge vor allem damit zusammen, dass süße Osterprodukte meistens ein möglichst repräsentatives Geschenk sein sollen, sagt Strohmaier.

Im vergangenen Jahr gingen deshalb die Handelsmarkenanteile zurück. Stärkste Umsatzgruppe bei den Handelsmarken im Ostersaisongeschäft sind Ostereier mit und ohne Alkohol (Marktanteil: 68,9 Prozent) sowie Hasenfiguren (Marktanteil: zehn Prozent). Drei Viertel des Osterumsatzes teilen sich Verbrauchermärkte und Discounter.

Autor: Ingo Reich

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