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Familienunternehmen Mennekes Der Stecker, an dem kein E-Auto vorbeikommt

Demnächst dürfen Elektroautos nur noch mit einem Stecker-Typ geladen werden, so will es die EU. Der Erfinder des Steckers kommt aus einem kleinen Örtchen im Sauerland. Das Patent aber hat Mennekes längst niedergelegt.
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Wer ein Elektroauto wie das Tesla Model S laden will, muss zu einem Stecker greifen, der von dem sauerländischen Familienunternehmen Mennekes entwickelt wurde. Quelle: Dirk Hoppe/Netzhaut für Handelsblatt

Wer ein Elektroauto wie das Tesla Model S laden will, muss zu einem Stecker greifen, der von dem sauerländischen Familienunternehmen Mennekes entwickelt wurde.

(Foto: Dirk Hoppe/Netzhaut für Handelsblatt)

Kirchhundem In einem idyllischen Tal im südlichen Sauerland liegt das 12.000-Einwohner-Städtchen Kirchhundem. Hier begrüßt Christopher Mennekes bald Vertreter aus der Politik, von Energieversorgern, Stadtwerken und Autobauern. Denn in den Produktionshallen seines Familienunternehmens wird bald der Stecker der europäischen Elektroautoindustrie produziert – Brüssel sei dank.

Mitte April erhob die EU-Kommission den sogenannten „Typ-2-Stecker“ zum europäischen Standard. Wer ein Elektroauto laden will, der wird ab 2017 nicht mehr an der Technik von Mennekes vorbei kommen.

Doch bereits vor der EU-Entscheidung war der Auto-Ladestecker von Mennekes weit verbreitet. „Wir haben uns sehr früh mit Kunden ausgetauscht, also Autofirmen und Energieversorgern. Als Elektrotechniker verstehen wir natürlich auch selbst einiges davon“, sagt Mennekes. „So konnten wir eine Lösung finden, die den anderen technisch überlegen ist.“ Mit Erfolg: Elektroautos wie der Nissan Leaf, BMW i3 oder Tesla Model S setzen genauso auf den siebenpoligen Stecker wie zahlreiche öffentliche Ladesäulen.

Dass es überhaupt soweit gekommen ist, war auch ein unternehmerisches Risiko für den Betrieb: Als der Vater des heutigen Geschäftsführers, Walter Mennekes, im Frühjahr 2009 den Normvorschlag für den Typ-2-Stecker einreichte, legte er auch alle Patente auf seine Entwicklung nieder.

„Niemand auf der Welt hätte sich darauf eingelassen, alle Ladestecker für Elektroautos nur noch bei der Firma Mennekes zu kaufen“, sagt Sohn Christopher heute. „Deshalb haben wir das sehr schnell freigegeben, damit sich auch andere Hersteller dem Thema widmen können, was auch viele mittlerweile tun. Aber wir glauben natürlich, dass wir da anderen Firmen gegenüber einen gewissen Vorsprung haben.“

Einen ähnlichen Schritt ist inzwischen auch das US-Unternehmen Tesla gegangen, das mit seinen Elektroautos wie dem Model S die arrivierten Hersteller ordentlich aufgemischt hat. Zwar ist es in diesem Fall keine formelle Niederlegung der Patente, aber Firmengründer Elon Musk kündigte an, Tesla werde keine Patentklagen gegen all diejenigen anstreben, die „in gutem Glauben unsere Technologie nutzen wollen“.

Ein Vorstoß, den der Familienunternehmer begrüßt. „Die Chancen, dass sich weitere Unternehmen mit der Materie beschäftigen, steigen. Und das belebt wiederum den Markt und treibt die Elektromobilität voran“, sagt Mennekes. „Vor allem muss nicht jeder das Rad neu erfinden.“

Qualität um fast jeden Preis

Original und Fälschung: Das Produkt von „Mnieknes“ sieht dem Original von Mennekes zum Täuschen ähnlich – Prozesse gegen Plagiatoren haben das Familienunternehmen bereits viel Geld gekostet. Quelle: Dirk Hoppe/Netzhaut für Handelsblatt

Original und Fälschung: Das Produkt von „Mnieknes“ sieht dem Original von Mennekes zum Täuschen ähnlich – Prozesse gegen Plagiatoren haben das Familienunternehmen bereits viel Geld gekostet.

(Foto: Dirk Hoppe/Netzhaut für Handelsblatt)

Noch macht das Geschäft mit der Elektromobilität nur rund ein Zehntel des Jahresumsatzes von etwa 120 Millionen Euro aus. Im Kerngeschäft mit Industriesteckvorrichtungen nach der sogenannten CEE-Norm sehen sich die Sauerländer selbst als Weltmarktführer.

Doch wer denkt, dass bei genormten Steckdosen keine Entwicklungsarbeit mehr nötig ist, der täuscht sich. „Die digitale Revolution zieht in alle Bereiche ein, ins Privatleben, in die Betriebe, Stichwort Industrie 4.0. Dies eröffnet Möglichkeiten, mit unserer Energie intelligenter umzugehen und sie intelligenter zu verteilen“, sagt Mennekes. „Viele Dinge, die wir bei der Elektromobilität gelernt haben, helfen uns jetzt auch im Kerngeschäft weiter. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass wir auch zukünftig intelligente Lösungen bieten können, für die es Märkte gibt.“

Dieses gewisse Extra, die beste, intelligenteste Lösung gehört zum Markenkern des Familienunternehmens, seit es von Aloys Mennekes 1935 gegründet wurde. „Qualität war schon zu Großvaters Zeiten der Markenkern Nummer eins“, sagt Enkel Christopher. „Wir stellen nun mal Produkte her, durch die lebensgefährliche Ströme fließen.“ Diese Qualitätsstrategie ist in vielen Bereichen des Unternehmens zu spüren. So verfügt Mennekes über ein eigenes - vom Verband der Elektrotechnik zertifiziertes - Prüflabor, in der Produktion gibt es ein aufwändiges Qualitätsmanagement.

„Diese Qualität und die Kontrollen muss der Kunde auch entsprechend honorieren. Und das funktioniert ganz gut, weil unsere Produkte auch in Bereichen eingesetzt werden, in denen Sicherheit wahrscheinlich die größte Rolle spielt“, so der Geschäftsführer. „Es gibt andere Hersteller, die Marktanteile im Billig-Segment gewinnen wollen, aber das kommt für Mennekes nicht in Frage.“

Eine Möglichkeit, dieses Qualitätsdenken nach außen zu zeigen, ist einfacher als gedacht: Auf den Kartons, die die Produktion verlassen, prangt neben dem Firmenlogo unübersehbar deutlich der Schriftzug „Made in Germany“. Zwar ist das Familienunternehmen mit rund 1.000 Mitarbeitern in über 90 Ländern rund um die Welt aktiv, doch der Großteil der Stecker kommt aus einem der sieben Standorte im Sauerland – oder dem Werk in Sachsen, das Mennekes 1991 nach der Wende übernommen hat.

Die Tochtergesellschaften im Ausland sind reine Importeure, die die Waren in Kirchhundem bestellen und auf ihrem jeweiligen Markt vertreiben. Mit einer Ausnahme: Um auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen, musste Mennekes ein Joint-Venture mit einem lokalen Unternehmen eingehen und vor Ort in Nanjing produzieren.

Einen Nachteil für ein exportorientiertes Unternehmen durch den Standort im verwinkelten Sauerland sieht Mennekes jedoch nicht. „Wir kommen trotz verbesserungswürdiger Infrastruktur doch alles in allem gut zurecht“, sagt Mennekes. „Auch ernsthafte Personalprobleme haben sich bisher nicht ergeben. Für viele ist ein attraktiver Arbeitsplatz auf dem Land ein Glücksfall.“

Ein Glücksfall war auch die Entscheidung der EU, bei Elektroautos auf den Mennekes-Stecker zu setzen. Die internationale Aufmerksamkeit ist dem „Hidden Champion“ aus dem Sauerland auf jeden Fall sicher.

Das vollständige Interview mit Christopher Mennekes finden Sie als Download im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

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3 Kommentare zu "Familienunternehmen Mennekes: Der Stecker, an dem kein E-Auto vorbeikommt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Und schon stehen wieder die Halbwahrheiten in den Kommentaren. Das ist so schade, insbesondere weil diese Kommentatoren mit Elektroautos vermutlich überhaupt keine Erfahrungen sammeln konnten.

    Akkus halten nach vielen gesammelten Jahren bis zu 200.000 km pro Akkusatz und schon heute kostet ein neuer Akku rund 5.000 EUR, in 8-10 Jahren dann vermutlich 1.000 EUR. Das zahlt heute mancher schon für eine Inspektion.

    Für ein Regionalfahrzeug ist ein E-Auto schon heute erste Wahl - sagt nahezu jeder, der es mal eine Woche gefahren hat.

    Ansonsten empfehle ich einen Blick in die Faktensammlung unter http://e-auto.tv/e-fakten , auch aus Sicht Well-to-wheel-Berechnung (Stichwort Umweltverschmutzung u.a.).

  • hmmm, eigentlich müssen sie nach 150 km für 8 Stunden an das Netz. Es sei denn, man nutzt auch noch die Heizung / Klimaanlage oder fährt schneller als 120 km/h

    Dann sind es nur noch ca. 70 km Reichweite.

    Man sieht, E-Autos sind die Zukunft.

    Ein Golf kostet dann ca. 40- 60.000 Euro und alle 2-3 Jahre für ca. 10.000 € eine neue Batterie (Akku). Wer wirklich die Umwelt verschmutzen will, MUSS so ein Auto fahren. Denn bei der Produktion der Akkus / Wiederaufbereitung und bei der Gewinnung der "Seltene Erden" (braucht man für die E-Motore und Akkus, fallen extrem giftige Abfälle an.

  • Juhuu! Wir ham nen neuen Stecker! Die Elektrokutschen sind zwar weiterhin viel zu teuer und müssen schon nach ca. 200 km aufgeladen werden, aber egal. Über die Ladedauer fange ich erst gar nicht an zu reden
    Baut mir ne Droschke mit ner Reichweite von 700 km, 100 kw/h, max. 35.000,- € und ich fange an mich für die grüne Elektropropaganda zu interessieren.

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