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Holger Blecker im Interview Breuninger-Chef: „Wir sind deutlich schneller gewachsen als der gesamte Markt“

Holger Blecker spricht in seinem ersten Interview über die Expansion in die Schweiz, die Konkurrenz zu Zalando, über die Luxussparte und warum er Sterneköche einlädt.
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Der Breuninger-Chef will neue Häuser in Städten wie Hamburg, Frankfurt und München eröffnen. Quelle: Breuninger
Holger Blecker

Der Breuninger-Chef will neue Häuser in Städten wie Hamburg, Frankfurt und München eröffnen.

(Foto: Breuninger)

Düsseldorf Während viele deutsche Modeunternehmen ums Überleben kämpfen, konnte das Stuttgarter Modehaus Breuninger seinen Umsatz im vergangenen Jahr noch einmal um 3,4 Prozent auf knapp 900 Millionen Euro steigern. „In den vergangenen drei Jahren haben wir den Umsatz jährlich um 3,4 bis sechs Prozent erhöht“, sagte Breuninger-Chef Holger Blecker dem Handelsblatt in seinem ersten Interview. „Wir sind damit deutlich schneller gewachsen als der gesamte Markt und haben so Marktanteile gewonnen.“

Blecker will mit Breuninger, zu dem elf Department-Stores gehören, auch im laufenden Jahr weiter wachsen. „Ich erwarte für 2019 wieder ein gutes Umsatzplus“, sagte Blecker, der das Unternehmen seit zwei Jahren führt.
Er setzt auch auf die Expansion ins Ausland. Am kommenden Montag startet das Familienunternehmen seinen Onlineshop in der Schweiz. Bereits seit zwei Jahren verkauft Breuninger seine Premium- und Luxusmarken bereits in Österreich online.

Blecker sucht darüber hinaus weitere Standorte für stationäre Modehäuser in Deutschland. „Wir wollen zum Beispiel in Hamburg, Frankfurt und München neue Häuser eröffnen“, sagte der Breuninger-Chef. Er schaue sich deshalb „viele Immobilienprojekte an“. Aber bislang sei noch nicht das passende dabei gewesen.

Lesen Sie hier das komplette Interview mit Holger Blecker

Holger Blecker eilt durch das riesige Modehaus Breuninger im Zentrum von Stuttgart. Der 49-Jährige, der das Familienunternehmen seit zwei Jahren führt, will dem Gast vor seinem ersten Interview möglichst viel zeigen: von der Abteilung für Luxusmarken über die große Damenschuhabteilung im Untergeschoss bis hoch hinauf in den Bereich Special Service. In den abgeschirmten Räumen mit Sofaecke können die Kunden bei einem Imbiss mit Champagner in aller Ruhe für sie zusammengestellte Kleidung anprobieren. So versucht Breuninger, sich im schwierigen Modemarkt zu behaupten.

Herr Blecker, viele Modefirmen wie Gerry Weber oder Tom Tailor kämpfen ums Überleben. Was läuft falsch in der deutschen Modebranche?
Der Markt ist derzeit sehr herausfordernd. Er verändert sich viel schneller als in den Jahren zuvor. Darauf müssen wir uns alle in der Modebranche einstellen. Ich kann Ihnen nur sagen, dass wir uns gut entwickeln, weil wir ein paar Sachen anders machen.

Und was machen Sie anders?
Ich glaube, dass wir heute auf den Handel anders schauen müssen als bisher. Die Rolle des Handels und vor allem von Department-Stores, wie wir es sind, hat sich deutlich verändert. Alleine das Präsentieren einer großen Menge an Ware auf großen Flächen hat keine Zukunft mehr.

Aber was hat dann eine Zukunft im Einzelhandel?
Natürlich bilden gute Warensortimente und ein guter Service unser Fundament, keine Frage. Aber wir müssen in unseren Häusern vor allem eines schaffen: Orte mit Atmosphäre, an denen die Kunden gerne ihre Zeit verbringen wollen. Das ist die Hausaufgabe, die wir als Händler machen müssen. Dann werden wir als stationärer Handel auch erfolgreich sein.

Reicht es denn, ein Restaurant oder ein Café zu eröffnen?
Es kommt auf das Zusammenspiel von sehr vielen Elementen an: Das Sortiment muss ein starkes Profil haben und für die Kunden attraktiv sein. Der Händler muss Plätze zum Verweilen schaffen. Es muss ihm aber auch gelingen, den Kunden zu überraschen.

Und wie?
Wir als Händler brauchen den Mut, häufiger etwas Neues auszuprobieren. Wir haben vor Kurzem für ein paar Wochen eine Sonderkollektion angeboten, die wir mit der Marke Kenzo entwickelt haben. Das kam gut an bei unseren Kunden. Es gibt noch viele Marken, die mit uns solche Sonderkollektionen verwirklichen möchten.

Wollen Sie so den Besucherschwund in den Innenstädten stoppen?
Zunächst einmal glaube ich, dass die Frequenzen auch in den kommenden Jahren weiter sinken werden, in kleinen wie in großen Städten. Aber ich glaube, dass es auch künftig noch guten stationären Handel geben wird. Und der muss Emotionen und Inspirationen bieten. Am Ende sind wir nicht mehr nur im Mode- sondern auch im Freizeitgeschäft.

Im Freizeitgeschäft?
Ja, wir treten nicht mehr nur gegen andere Einzelhändler oder Onlineplattformen an, sondern gegen alle Aktivitäten, die um die Aufmerksamkeit und Zeit des Kunden kämpfen.

Was heißt das für Breuninger?
Wir machen bei uns sehr viele Veranstaltungen für unsere Kunden. So haben wir vor Kurzem zehn Sterne- und Spitzenköche in unser Stuttgarter Haus eingeladen. Dort haben diese für 1 300 Kunden gekocht, die die ganze Nacht geschlemmt haben.

Herr Blecker, der Modemarkt spaltet sich immer mehr in Discount- sowie in Premium- und Luxusprodukte. Wollen Sie deshalb künftig noch mehr Spitzenmarken verkaufen?
Der Anteil des Luxusgeschäfts mit Marken wie Gucci, Bottega Veneta oder zum Beispiel Balenciaga ist bei uns schon hoch. Aber er wird sicherlich weiterwachsen. Wir werden auch in Zukunft Premiummarken wie Hugo Boss, Tommy Hilfiger und Marc O’Polo anbieten und das Premiumsegment ausbauen, um damit möglichst viele Kunden anzusprechen.

Was ist aus den Plänen geworden, neben Ihren bestehenden elf Häusern weitere zu eröffnen?
Wir wollen nach wie vor zum Beispiel in Hamburg, Frankfurt und München neue Häuser eröffnen. Wir schauen uns deshalb viele Immobilienprojekte an. Bislang war noch nicht die passende Gelegenheit dabei – wir haben da aber keine Eile.

Es gab ja anfangs Skeptiker, die wenig Chancen für das Haus in Düsseldorf sahen. Sind Sie mit Ihrer nördlichsten Filiale zufrieden?
Wir fühlen uns in Düsseldorf zu Hause und sind dort gut verankert. Seit Eröffnung 2013 erzielen wir jedes Jahr ein deutliches Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr.

Wie lief es im gesamten Unternehmen im vergangenen Jahr?
Wir konnten den Umsatz in unseren elf Breuninger-Häusern und dem Onlineshop auf knapp 900 Millionen Euro steigern. In den vergangenen drei Jahren haben wir den Umsatz jährlich um 3,4 bis sechs Prozent erhöht. Wir sind damit deutlich schneller gewachsen als der gesamte Markt und haben so Marktanteile gewonnen.

Und wie sieht es dieses Jahr aus?
Die ersten Wochen haben verhalten begonnen, aber seit dem zweiten Quartal läuft es sehr gut. Ich erwarte für 2019 wieder ein gutes Umsatzplus.

Haben Sie denn im vergangenen Jahr Geld verdient?
Selbstverständlich. Wir sind wie in den Jahren zuvor nachhaltig profitabel gewachsen.

Aber nur in Deutschland. Wann gehen Sie ins Ausland?
Wir verkaufen ja bereits im Ausland, aber nur online. Seit zwei Jahren haben wir einen Onlineshop in Österreich. Und wir werden ab sofort in der Schweiz starten.

Kennt denn in der Schweiz überhaupt jemand Breuninger?
Wir haben in unseren deutschen Häusern viele Schweizer Kunden, die immer wieder fragen, wann sie bei uns online einkaufen können. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit dem Start in der Schweiz auch dort nachhaltig wachsen können.

In welchen Ländern eröffnen Sie die nächsten Onlineshops?
Dazu kann ich Ihnen noch nichts sagen. Aber glauben Sie mir: Wir haben eine klare Roadmap, wo, wann und wie wir künftig Kunden beliefern wollen.

Zu viel Zeit dürfen Sie sich aber nicht lassen. Bereitet es Ihnen keine Sorgen, dass Zalando sein Geschäft im Luxusmarkt ausbauen will?
Wir beobachten das sehr genau, aber wir sind bereits stark im Luxusgeschäft. Und wir wählen die Marken und Teile der Kollektionen sehr sorgfältig, die zu uns und unseren Kunden passen.

Und wie läuft es im Onlinegeschäft?
Wir haben im vergangenen Jahr rund 30 Prozent unseres Umsatzes im Onlinegeschäft erzielt und sehen uns damit in Deutschland als Marktführer im Premium- und Luxussegment. Da ist aber noch lange nicht das Ende erreicht.

Was tun Sie, um dort weiterzuwachsen?
Wir haben gerade 150 Millionen Euro in ein neues Warendienstleistungszentrum in der Nähe von Stuttgart investiert. Von dort aus werden wir alle unsere Onlineshops und stationären Häuser beliefern. Es hat genug Kapazitäten, um auch in den kommenden Jahren weiterzuwachsen.

Hat denn ein Mittelständler wie Sie überhaupt die Chance, so schnell zu sein wie Amazon und Zalando?
Wir haben das klare Ziel, unsere Pakete spätestens 48 Stunden nach der Bestellung zu liefern. Bei einem großen Teil der Lieferungen schaffen wir das schon.

Das ist ein hoher Anspruch.
Den haben wir auch: Wir wollen Breuninger zum erfolgreichsten Multichannel-Department-Store im deutschsprachigen Raum entwickeln – der also seine Ware über alle Vertriebskanäle hinweg verkauft.

Zalando versucht, das Liefertempo zu beschleunigen, und arbeitet deshalb mit Einzelhändlern zusammen. Ist das auch für Sie ein Modell?
Wir sind grundsätzlich offen für Gespräche in jede Richtung. Aber am Ende muss das Modell zu unserer Marke und zum Kundenerlebnis passen. Ich denke, dass wir schon heute ein sehr gutes Angebot haben. So lassen sich schon viele Kunden per „Click & Collect“ ihre Bestellungen in unsere Filialen liefern, um sie dort abzuholen.

Das bieten ja schon viele Modehändler an …
… ja, aber wir werden ab Herbst noch „Click & Reserve“ einführen. Die Kunden können also ein Teil, das sie online in einem unserer Häuser sehen, reservieren und später dort abholen.

Herr Blecker, seit Sie vor zwei Jahren den Chefposten übernommen haben, wandelt sich das Unternehmen sehr stark. Wie schaffen Sie es, das hohe Tempo beizubehalten?
Wichtig ist es, die vielen Ideen, die es im Unternehmen gibt, zu entdecken und zu fördern. Vergangene Woche haben wir zum Beispiel unseren ersten Breuninger-Thinktank veranstaltet mit rund 100 Mitarbeitern aus dem ganzen Unternehmen. Da kamen super Ideen für die Zukunft heraus.

Aber was wird aus den Super-Ideen?
Wir müssen mehr als früher einfach vieles ausprobieren. Wir brauchen eine Unternehmenskultur, die es erlaubt, Fehler machen zu dürfen. Das gilt für alle Mitarbeiter. Wir stehen ja jeden Morgen auf, um Tore zu schießen, nicht um sie zu verhindern. Handel ist ein Mannschaftssport.

Herr Blecker, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Christophe Cuvillier ist sich sicher: Der stationäre Handel kann mit dem Online-Handel mithalten. Dennoch weiß er, dass Einkaufszentren digitaler werden müssen.

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