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Hotelvergleichsportal Trivago spart sich profitabel – doch der Umsatz sinkt weiter

Das Hotelvergleichsportal schreibt wieder schwarze Zahlen, obwohl die Geschäfte rückläufig sind. Möglich machen das die drastisch gesenkten Werbeausgaben.
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„Das tut uns allen gut, nach außen zeigen zu können: Trivago ist ein profitables Unternehmen.“ Quelle: Reuters
Rolf Schrömgens

„Das tut uns allen gut, nach außen zeigen zu können: Trivago ist ein profitables Unternehmen.“

(Foto: Reuters)

Der jährliche Betriebsausflug „Trivago on tour“ ist legendär. In den Vorjahren amüsierten sich hunderte Mitarbeiter auf Firmenkosten auf Ibiza oder einem Kreuzfahrtschiff in Warnemünde. In diesem Jahr jedoch war Sparen angesagt: mit einem Survival Camp in den Wäldern von Weeze.

Ein Parcours aus Luftburgen, Barrikaden mit Holzwänden und Autoreifen war zu bewältigen. Die Mitarbeiter mussten alles geben und sogar durch den Schlamm robben. Übernachtet wurde nach der Party spartanisch in Zelten.

Das Survival Camp war sinnbildlich, denn Trivago steckt erstmals seit der Gründung 2005 knietief in der Krise. Nicht nur am Betriebsausflug wird gespart – vor allem bei den TV-Spots, die den Düsseldorfer Hotelvergleich weltweit bekannt gemacht haben. Im dritten Quartal schraubte Trivago seine Marketingausgaben drastisch um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Das Sparen trägt nun erste Früchte. Nach herben Verlusten ist Trivago im dritten Quartal erstmals wieder profitabel. Der Nettogewinn lag bei 10 Millionen Euro, nach einem Verlust von 7,7 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Rolf Schrömgens, Mitgründer und CEO von Trivago, zeigt sich im Gespräch mit dem Handelsblatt erleichtert. „Das tut uns allen gut, nach außen zeigen zu können: Trivago ist ein profitables Unternehmen.“

Auch die Anleger freute die Nachricht: Der Aktienkurs von Trivago, seit 2016 an der Nasdaq gelistet, stieg steil um bis zu 26 Prozent auf 6,25 Dollar. Zu Hochzeiten im Sommer 2017 lag der Kurs allerdings bei 24 Dollar. Analysten gehen überwiegend davon aus, dass Trivago das Schlimmste überstanden hat. Die meisten raten zu „Halten“. Das durchschnittliche Kursziel für die nächsten zwölf Monate liegt bei 8,75 Dollar.

Trotz der schwarzen Zahlen gibt es für Trivago allerdings noch keine Entwarnung: Denn der Umsatz ist weiter im Sinkflug. Wie von Analysten erwartet, brach dieser um zwölf Prozent auf 254 Millionen Euro ein. Vor allem auch in den USA ist das Geschäft zurückgegangen. Damit dürfte es in diesem Jahr schwierig werden, die magische Milliarde-Euro-Umsatzschwelle zu erreichen, die 2017 erstmals durchbrochen wurde. „In den nächsten Quartalen geht bei uns Marge vor Wachstum“, sagt Schrömgens. „Danach wollen wir wieder Fahrt aufnehmen.“

Die Einschnitte beim Marketing hatten spürbare Konsequenzen: Es kommen weniger Nutzer auf die Webseite, um auf eines der 2,5 Millionen angebotenen Hotels und Ferienunterkünfte zu klicken. Trivagos Geschäftsmodell beruht auf der Weiterleitung an Hotelvermittler wie Booking oder Expedia. Das US-Reiseportal Expedia hält seit 2013 rund 60 Prozent an Trivago. Booking und Expedia haben zudem ihre Werbegelder auf dem Auktions-Marktplatz von Trivago seit Monaten zurückgefahren.

Analysten hatten stets kritisiert, dass Trivago zu stark auf die beiden Hotelportale angewiesen sei. Beide Portale generieren inzwischen zwar etwas weniger, aber immer noch etwa 76 Prozent des Umsatzes von Trivago. „Wir wollen die hohen Abhängigkeiten von Booking und Expedia abbauen. Das geht aber nicht von heute auf morgen“, so Schrömgens.

Trivago versucht nun, durch zusätzliche Angebote für Nutzer und Buchungsanbieter attraktiver zu werden. Das Angebot an alternativen Unterkünften wie Ferienhäuser und private Apartments etwa von HomeAway ist auf über eine Million gestiegen. Die Ansprüche der Menschen haben sich geändert. „Ich übernachte gerne im Hotel“, so Schrömgens. „Aber wenn ich mit Freunden ein paar Tage unterwegs bin, mieten wir auch mal ein Apartment.“

Hoffnungen setzt der CEO zudem auf die gerade runderneuerte Trivago-App „Dort sind die Nutzer viel aktiver als davor“, sagt er. Auch bei Google Hotel, seit acht Jahren ein direkter Wettbewerber, ist Trivago inzwischen vertreten und kann so Nutzer auf sein Portal ziehen. „Da hat Google inzwischen seine Politik geändert“, so Schrömgens.

Allerdings bleiben die Zeiten für Trivago unsicher. Denn von verschiedenen Seiten droht Ungemach. Die australische Wettbewerbsbehörde hat die Düsseldorfer im September vor dem Federal Court verklagt. Der Vorwurf: Die Preisvergleiche für Hotels auf der Webseite und in den TV-Spots seien irreführend. Trivago habe sich dabei als „unparteiischer und objektiver Preisvergleichsdienst“ dargestellt, der Verbrauchern helfe, den günstigsten Preis für ein Hotelzimmer zu finden. Tatsächlich aber habe Trivago auf seiner Webseite die Angebote priorisiert, die den höchsten Preis je Klick zahlen. Trivago streitet das ab. Im Falle einer Verurteilung drohen hohe Geldbußen.

Auch in Großbritannien ist Trivago im Visier der Wettbewerbshüter. Die CMA prüft seit Herbst 2017, ob Hotelportale Verbraucher möglicherweise in die Irre führen. Betroffen von den Untersuchungen sind neben Trivago etwa auch Buchungsportale wie Booking und Expedia.

Wegen der britischen Untersuchungen hatten in den USA mutmaßlich geschädigte Anleger zum Jahreswechsel eine Sammelklage gegen Trivago eingereicht. Angeblich habe Trivago im Börsenprospekt zum Börsengang im Dezember 2016 nicht auf kritische Verkaufspraktiken hingewiesen. Anleger hätten dadurch Verluste erlitten.

All diese Unwägbarkeiten haben den rund 1550 Mitarbeitern von Trivago nicht die Feierlaune verdorben. Im Weezer Wald tanzten sie bis in den Morgen. Doch Gründer Rolf Schrömgens hat seine Leute nicht von ungefähr auf ungemütlichere Zeiten eingestimmt. Die klare Botschaft aus dem Survival Camp: Wir müssen kämpfen.

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