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Indus Holding regelt das Controlling und die Finanzierung Ein Pool für Mittelständler ohne eigenen familiären Nachfolger

„Wir erwarten in den nächsten Jahren dramatische Umwälzungen, da viele Unternehmer die Altersgrenze erreichen“, resümiert Helmut Ruwisch, Vorstandsvorsitzender der Indus Holding AG in Bergisch Gladbach. Bei 700 000 deutschen Unternehmen – so Schätzungen über die demographische Entwicklung – steht die Nachfolgeregelung an.
  • Ruth Vierbuchen

HB BERGISCH GLADBACH. Hier hat die Indus Beteiligungsholding ihr Geschäftsfeld. Das von Winfried Kill, dem heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden, vor 30 Jahren aufgebaute Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, erfolgreiche mittelständische Nischenanbieter – Hidden Champions – mit Nachfolgeproblemen zu übernehmen. An 41 Firmen ist Indus (Umsatz 2003: 706 Mill. Euro) beteiligt; dazu gehören Automobilzulieferer, Firmen der Bauindustrie, des Maschinenbaus und der Konsumgüterindustrie.

Bei ihrer Übernahmestrategie hat sich die im S-Dax notierte Gesellschaft mit starken Ambitionen auf den M-Dax auf eine Größe festgelegt: auf Mittelständler mit 15 bis 70 Mill. Euro Umsatz. Große Firmen mit mehr als 100 Mill. Euro Umsatz überlässt Indus den Private-Equity- Firmen, Handwerksbetriebe sind zu klein. Zwar gibt es laut Ruwisch in diesem Segment eine Fülle von interessanten Unternehmen, „aber der Markt ist nicht transparent. Niemand hat einen Überblick“, beschreibt er das Problem. Dass der Unternehmenspatriarch meist im Stillen über seine Nachfolgeregelung nachdenkt, ist für Dietrich Reinhardt, Partner der I.M.C. International Executive Search & HR Solutions GmbH in Düsseldorf, verständlich. Geht es für den mittelständischen Firmengründer doch um die Zukunft seines Lebenswerks.

Mittelständler „sind schnell, innovativ und besitzen eine spezifische, häufig an Einzelpersonen orientierte Unternehmenskultur“, erklärt Reinhardt weiter. Weil an den motorischen Kräften des „Patron“ meist der Erfolg des Unternehmens hänge, seien das Unternehmen und seine Reputation aus Sicht der Geschäftspartner und der Kreditinstitute stark mit der Persönlichkeit an der Spitze verknüpft, erklärt Reinhardt die Brisanz, die mit der Nachfolgeregelung verbunden ist.

Dessen ist sich das 13-köpfige Team der Indus Holding AG bewusst. „Wir führen Lebenswerke fort“, greift Ruwisch den Faden auf. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger konzentriert sich deshalb auf den Typ „Unternehmer vor Ort“, nicht auf den Typ „Manager“. Der geeignete Nachfolger, der einvernehmlich von allen vier Indus- Vorständen akzeptiert werden muss, muss über Intuition verfügen, das gesamte Arbeitsspektrum abdecken und sich mit dem Unternehmen identifizieren. Dafür erhält der „Geschäftsführer mit unternehmerischer Eigenverantwortung“ große Freiheit. „Er muss so handeln wie der Unternehmer vor Ort, nur dass er keine Kapitalbeteiligung hat“, erklärt Ruwisch.

Den unternehmerischen Anreiz schafft „eine sehr hohe Ertragsbeteiligung“ in Prozent vom operativen Ergebnis. „Den richtigen Nachfolger-Unternehmer für einen Mittelständler zu finden, dauert manchmal ein bis zwei Jahre“, so Ruwischs Erfahrung. Das ist die schwierigste und wichtigste Aufgabe, da geben wir uns viel Mühe.“

Die Nachfolgeregelung im Rahmen einer Holding-Beteiligung hat laut Reinhardt den Vorteil, dass der neue Mann an der Spitze in der Anfangsphase kontrolliert wird. Das Risiko, in dieser Zeit zu scheitern, sei in einem Verbund viel kleiner. Ein Mittelständler, der die Nachfolge allein regele, könne nur auf seine Entscheidungskraft vertrauen.

Erheblich erleichtert werde der Übergang, so betont Ruwisch, wenn der Altunternehmer noch zwei bis drei Jahre mit einem Beratervertrag und möglichst mit einer Restbeteiligung im Unternehmen bleibe. „Diese Regelung halte ich für gut“, fügt Reinhardt hinzu. „Das ist eine intelligente Lösung.“ Denn der Alteigentümer habe viele Verbindungen und Kontakte, die er an seinen Nachfolger weitergeben müsse und die er in der Übergangszeit noch weiter pflegen könne.

Klare Vorstellungen hat der Indus-Vorstand auch, wenn es um das Profil der Übernahmekandidaten geht. Das mittelständische Unternehmen muss sich in einer Nische bewegen, seit Jahren profitabel arbeiten und in der Nische eine breite Abnehmerschaft haben – es darf also keine Abhängigkeit von nur zwei Abnehmern bestehen. Last not least: Der Kandidat muss sich im produzierenden Gewerbe bewegen – Modeunternehmen mit saisonalen Schwankungen oder Internet-Portale sind ausgeschlossen.

Welche Vorteile hat ein Unternehmen – außer der Nachfolgeregelung – unter das Dach der Indus Holding zu schlüpfen? Eigentümer von Hidden Champions seien keine Fachleute, wenn es um Finanzierungs-, Controlling-, Steuer- und Rechtsfragen gehe, erklärt Ruwisch. Diese Aufgaben nimmt das Indus-Team ihnen ab. Als börsennotiertes Unternehmen verschaffe Indus ihnen zudem Zugang zu Finanzierungsstrukturen und -konditionen, die für Mittelständler allein nicht erreichbar wären.

Den Vorteil sieht auch Reinhardt: Dadurch würden dem Mittelständler alle Arbeiten abgenommen, die nicht zum eigentlichen Geschäftszweck gehörten. „Gerade in diesem Bereich haben Mittelständler ihre Schwachstellen.“ Sie könnten keinen guten Controller oder Finanzmanager bezahlen. Eine Holding dagegen, die die Aufgabe gebündelt in einem Pool übernehme, könne sich Spezialisten leisten.

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