Ingpuls Diese drei Gründer produzieren Metallteile, die ein Gedächtnis haben

Ingpuls entwickelt Metallteile, die nach einer Verformung ihre Ursprungsform annehmen. Vor allem die Autobranche ist an der Technik interessiert.
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Burkhard Maaß, André Kortmann und Christian Großmann, (v.l.) Quelle: Ingpuls
Ingpuls-Gründer

Burkhard Maaß, André Kortmann und Christian Großmann, (v.l.)

BochumEigentlich steht vor der Gründung die Idee eines neuen Unternehmens fest. Nicht so im Falle von Ingpuls und seinen Gründern Christian Großmann, André Kortmann und Burkhard Maaß. Sie hatten ihren ersten Auftrag in der Tasche, bevor sie sich Gedanken über das Unternehmen an sich machten.

Der erste Auftrag – eine Prüfmaschine für Zahnbürsten – unterscheidet sich dann doch noch sehr von dem, was die drei heute herstellen. Ingpuls entwickelt und produziert Metallteile auf Basis von Formgedächtnislegierungen, kurz FGL.

Die Faszination für FGL teilen die drei bereits seit ihrem Studium. Der Professor verbog damals eine Büroklammer, erhitzte sie und wie durch Zauberhand ging sie wieder in ihre ursprüngliche Form zurück. Auch heute ist die Begeisterung ungebrochen: „Wenn wir eine Aufgabe haben, neue Legierungen herzustellen oder neue Prozessketten zu implementieren und am Ende erfolgreich sind“, sagt Maaß, „dann ist es immer wieder faszinierend, was wir mit dem Gelernten alles erreichen können.“

Eingesetzt werden können Teile aus FGL in allen möglichen Bereichen. So sorgen sie in Wasserkochern dafür, dass diese von allein ausgehen, oder dass eine Kaffeemaschine erst ab einer bestimmten Temperatur das heiße Wasser durchlässt. Das größte Anwendungsgebiet ist bisher die Medizintechnik.

Ingpuls aber geht deutlich weiter: „Neben automotiven Anwendungen oder Hausgeräten haben wir auch schon an Entwicklungen im Rahmen der Veterinärmedizin, der Satellitentechnik oder auch in Smartphones mitgewirkt“, sagt Finanzvorstand Kortmann.

Am Anfang hatten die drei promovierten Wissenschaftler von der Ruhr-Universität Bochum Unternehmen im Bereich FGL beraten. „Nach und nach kamen diese Firmen auf uns zu und fragten: Könnt ihr uns vielleicht auch in der Produktentwicklung unterstützen?“, erinnert sich Maaß, „So entwickelten wir uns vom Beratungsunternehmen zum Engineeringdienstleister.“

Da die drei Ingpuls-Gründer auf dem Markt kein passendes Material für ihre Ideen fanden, stellten sie eigene Werkstoffe her – allerdings noch mit den Anlagen des Instituts. So begannen sie, maßgeschneiderte Formgedächtnislegierungen zu entwickeln, zu verkaufen und in Produkte des Kunden zu integrieren.

Erster Großauftrag von einem Autozulieferer

Das lief so gut, dass ein Autozulieferer 2014 mit einem ersten Großauftrag auf Ingpuls zukam. An den Anlagen der Universität konnten die Gründer diesen Bedarf aber nicht stemmen, sodass sie sich innerhalb kürzester Zeit um den Bau einer Produktionsanlage kümmern mussten. „In der Automobilindustrie nicht zu liefern war keine Option“, erzählt Kortmann.

Mittlerweile produziert Ingpuls rund 1,5 Millionen FGL-Serienteile pro Jahr, der Umsatz lag 2017 bei knapp zwei Millionen Euro. „In diesem Jahr werden wir den Umsatz planmäßig geringfügig steigern“, sagt Finanzvorstand Kortmann. In den nächsten drei bis vier Jahren will Ingpuls Umsatz und Mitarbeiterzahl von derzeit 30 Beschäftigten sowie die Produktionsmenge verdoppeln.

„Unser Ziel ist es, größter FGL-Produzent weltweit zu werden und die Technologie in allen möglichen Industrien flächendeckend zu etablieren“, meint Maaß ambitioniert. Derzeit liegen bei dem Bochumer Start-up Bestellungen in Höhe von zwölf bis 14 Millionen Teilen vor. Die Aufträge reichen bis ins Jahr 2030 hinein.

Anfragen für potenzielle Aufträge gäbe es laut Gründer Großmann im Umfang von rund 90 bis 95 Millionen Teilen. Ingpuls hat einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten, erklärt Philipp Krooß vom Institut für Werkstofftechnik der Universität Kassel. Denn diese produzierten „weitestgehend lediglich Legierungen und keine problemorientierten individuellen FGL-Konzepte wie Ingpuls“.

Allerdings glaubt Klaus Neuking, Akademischer Oberrat am Lehrstuhl Werkstoffwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, dass sich der steigende Bedarf an FGL erst langsam entwickeln werde. Denn der Einsatz der Legierungen verlange nach einer anderen Herangehensweise bei der Konstruktion. „Dazu müsste diese Möglichkeit der breiten Masse von Ingenieurinnen und Ingenieuren schon im Studium nähergebracht werden“, meint er. So weit ist es aber noch nicht.

Positiv wirke sich jedoch aus, sagt Philipp Krooß von der Universität Kassel, dass bei weiterer Forschung auch die Preise sinken könnten. Dadurch könne in der Folge die Absatzmenge steigen. Das Familienunternehmen Federn Brand aus Anröchte vertraut auf das Potenzial von Ingpuls und hat sich nach vorheriger Kooperation in diesem Jahr an dem Unternehmen mit einer Minderheit beteiligt. Viele Kunden schätzten, dass es nun einen deutschen Produzenten gebe, der sich um viele Anwendungsbereiche kümmert.

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