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Insolventer Radbauer Ringen um Mifa

Zwei Interessenten wollen den Fahrradherstellers aus Sangerhausen aus der Insolvenz retten. Doch die Gespräche sind langwierig. Die neue millionenteure Werkshalle spielt im Insolvenzdrama eine entscheidende Rolle.
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Der insolvente Radbauer aus Sangerhausen hatte erst im Januar eine neue Werkshalle bezogen. Quelle: dpa
Produktion bei Mifa

Der insolvente Radbauer aus Sangerhausen hatte erst im Januar eine neue Werkshalle bezogen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Verhandlungen über die Zukunft des insolventen Radbauers Mifa aus Sangerhausen gehen in die heiße Phase. Nachdem unter anderem der indische Fahrradhersteller Hero Cycles abgewunken hatte, sind zwei Interessenten übrig, die den Geschäftsbetrieb der Kultmarke Mifa weiterführen wollen: neben dem bisherigen Eigentümer, der Unternehmerfamilie von Nathusius, ein Interessent aus der deutschen Fahrradbranche. Dieser will Sangerhausen offenbar zu einem E-Bike-Standort ausbauen, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen. Bis dato war Mifa im Massengeschäft stark und belieferte vor allem Discounter.

Die Verhandlungen gestalten sich allerdings als schwierig. Will der externe Interessent zum Zuge kommen, ist dieser auf eine Einigung mit der Ex-Eigentümer-Familie von Mifa angewiesen. Es geht um die rund 17 Millionen Euro teure nagelneue Werkshalle, die erst im Januar fertig wurde: Diese gehört nicht Mifa, sondern Familie von Nathusius. Heinrich von Nathusius zeigt sich grundsätzlich gesprächsbereit. Der Ex-Mifa-Chef hat Insolvenzverwalter Lucas Flöther angeboten, die neue Mifa-Halle an potenzielle Interessenten zu verkaufen, sagte er dem Handelsblatt. Seine Bedingung lautet jedoch: Die Anschaffungskosten für die Halle müssen gedeckt sein.

Diese Traditionsfirmen gingen insolvent
Beate Uhse (2017)
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Der Erotik-Händler Beate Uhse setzte auf falsche Strategien und verschlief Trends. Die Folge: 18 Jahre nach seinem Börsengang im Jahr 1999 beantragte das Unternehmen im Dezember 2017 Insolvenz in Eigenregie. Parallel läuft nun der Verkaufsprozess. Beate Uhse wurde 1946 von der früheren Luftwaffenpilotin Beate Rotermund-Uhse gegründet, 1962 eröffnete ihr Unternehmen in Flensburg den ersten Sexshop der Welt.

(Foto: dpa)
Air Berlin (2017)
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Selten wurde eine Insolvenz so intensiv öffentlich ausgebreitet wie bei Air Berlin. Seit sich die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft im August 2017 für zahlungsunfähig erklärte, verschwand der Konzern nicht mehr aus den Schlagzeilen. Die Firmenpleite war wohl die spektakulärste des Jahres 2017, dabei kam sie nicht mal überraschend: Es galt als sicher, dass Air Berlin das Jahr nicht in seiner bisherigen Form überleben würde. Die roten Schokoherzen der 1978 gegründeten Fluggesellschaft sind jetzt Sammlerstücke.

(Foto: dpa)
Solarworld (2017)
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Die 1988 gegründete Solarworld AG musste nach sechs verlustreichen Jahren im Mai 2017 Insolvenz anmelden. Der Gründer und Chef des Photovoltaikkonzerns, Frank Asbeck, kaufte einige Monate später die beiden deutschen Fabriken und mehrere Tochtergesellschaften im Ausland. Investoren aus Katar unterstützen Asbeck bei dieser Teilrettung.

(Foto: dpa)
Alno (2017)
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Für die 410 Mitarbeiter des insolventen Küchenherstellers Alno gab es Ende des Jahres 2017 doch noch eine gute Nachricht. Finanzinvestor River Rock kaufte den Konzern für 20 Millionen Euro und will den Betrieb, der schon längst eingestellt war, weiterlaufen lassen. Damit können fast alle Mitarbeiter mit dem Erhalt ihres Arbeitsplatzes rechnen – obwohl sie zuvor nach Hause geschickt worden waren. Lange Zeit war kein Käufer in Sicht. Alno wurde 1927 als Schreinerei in Wangen bei Göppingen gegründet, der Name stammt von Gründer Albert Nothdurft.

(Foto: dpa)
Deutsche Touring (2017)
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Die fast 70 Jahre alte Deutsche Touring musste im April 2017 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit den Gang zum Amtsgericht antreten. Das 1948 gegründete Unternehmen wollte sich neu aufstellen, um auch künftig in der von einem aggressiven Preiswettbewerb gekennzeichneten Branche bestehen zu können. Der Fernreisebus-Anbieter aus Eschborn bei Frankfurt betreibt nach eigenen Angaben 260 Linien und Zubringerstrecken in 34 europäischen Ländern. Im August 2017 übernahm der langjährige Partner CroatiaBus/Globtour den Geschäftsbetrieb und führt den Linienverkehr fort.

(Foto: Eurolines)
Mifa (2014 und 2017)
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Der Fahrradhersteller Mifa aus Sachsen-Anhalt meldete im September 2014 Insolvenz in Eigenverwaltung an. Im Dezember 2014 übernahm die Unternehmerfamilie Nathusius den Fahrradhersteller. Im Dezember 2016 wurde ein neues Werk in Sangerhausen eröffnet. Doch schon im Januar 2017 musste Mifa überraschend erneut Insolvenz anmelden. Nach dem Verkauf an den Unternehmer Stefan Zubcic nahm das Unternehmen unter dem neuen Namen Sachsenring Bike Manufaktur im August 2017 die Produktion wieder auf.

(Foto: dpa)
Sinn-Leffers (2008 und 2016)
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Die Modekette Sinn-Leffers hat im September 2016 erneut Insolvenzantrag gestellt. Die beiden traditionsreichen Modehändler Sinn und Leffers hatten 1997 fusioniert, von 2001 bis 2005 gehörte das Unternehmen zum Essener Karstadt-Quelle-Konzern, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen wurde. 2008 ging Sinn-Leffers schon einmal in die Insolvenz, bei der rund die Hälfte der Filialen geschlossen wurde. 2013 übernahm der Textilunternehmer Gerhard Wöhrl die Kette. Im Juli 2017 wurde das zweite Insolvenzverfahren aufgehoben.

(Foto: ap)

Die neue Mifa-Halle bereitet Familie von Nathusius auch in anderer Hinsicht Kopfschmerzen. Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt hatte für den Bau Fördergelder gegeben, um Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region zu sichern. Doch seit der überraschenden Insolvenz im Januar musste Insolvenzverwalter Lucas Flöther die Mifa-Belegschaft zweimal drastisch kürzen - weil notwendige Teile nicht mehr vorfinanziert werden konnten und ein Großauftrag platzte. Von rund 520 Mitarbeitern sind nur noch etwa 130 übrig geblieben.

Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt fordert deshalb von Familie von Nathusius gezahlte Fördermittel für die neue Mifa-Halle in Höhe von rund 900.000 Euro zurück. Dies bestätigte Heinrich von Nathusius dem Handelsblatt. Dagegen wehrt er sich: „Wir haben Widerspruch gegen einen Bescheid der Investitionsbank auf Rückzahlung von Fördermitteln eingelegt.“ Der 73-Jährige ehemalige Mifa-Geschäftsführer steht unter Druck. Die Staatsanwaltschaft Halle prüft, ob eine mutmaßliche Insolvenzverschleppung vorliegt. Eine entsprechende Strafanzeige war Ende April eingegangen.

Die meisten Gläubiger tendieren offenbar für einen Neuanfang mit dem erfahrenen Investor aus der Fahrradbranche, ist aus unternehmensnahen Kreisen zu hören. Heinrich von Nathusius, der mit seiner Familie Mifa 2015 aus der Insolvenz kaufte, ist branchenfremd. Der frühere Stahlmanager hatte sich zwar nach der Wende als Retter des Gelenkwellenherstellers Ifa in Haldensleben einen Namen gemacht. In Sachsen-Anhalt war die Hoffnung groß, dass er auch Mifa retten könne. Doch Heinrich von Nathusius hatte sich damit finanziell überhoben. Im Januar kam es überraschend erneut zur Insolvenz. Dabei hat von Nathusius Gläubiger und Belegschaft mehr als einmal verprellt. So platzte zunächst ein wichtiger Massekredit der Familie. Dadurch wurde die angestrebte Insolvenz in Eigenverwaltung unmöglich und die Rettung von Mifa schwieriger.

Insolvenzverwalter Flöther, der sich zu Details der Verhandlungen nicht äußern will, bemüht sich intensiv um die Rettung von Mifa. Ein Lagerverkauf, den er initiiert hatte, spielte Ende April mehr als eine Million Euro ein. So kann die Produktion von Altaufträgen weitergehen. Doch die Zeit drängt.

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