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Interview mit Michael Hermanns Experte über drohende Insolvenzen: „Nach einer ersten droht eine zweite und vielleicht dritte Welle“

Michael Hermanns von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Buth & Hermanns über bedrohte Branchen, das Risiko für kleinere Firmen und Kassenstürze.
27.09.2020 - 09:55 Uhr Kommentieren
Auch diese Modekette musste in die Insolvenz gehen. Quelle: dpa
Esprit-Schild in Köln

Auch diese Modekette musste in die Insolvenz gehen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Herr Herrmanns, erleben wir ab dem 1. Oktober eine Insolvenzwelle in Deutschland?
Ja und nein. Nein, weil viele Unternehmen zehn Jahre lang eine starke Entwicklung erlebt haben, deren Ergebnis mehr Eigenkapital und Liquidität ist. Ja, weil jetzt scharfgeschaltet wird: Zahlungsunfähige Unternehmen, und das betraf in der Vergangenheit über 95 Prozent aller Insolvenzanträge, müssen dies ab Oktober melden. Damit geraten einige Geschäftsführer nun unter Zeitdruck, denn bisher wurde ja mit März 2021 kalkuliert.

Danach kehrt wieder Normalität ein?
So schnell wird es nicht gehen. Nach einer ersten Welle durch die gesetzliche Verschärfung zum 1.10. droht eine zweite und vielleicht dritte Welle. Dann nämlich, wenn überschuldete Firmen bis zum Ende des Jahres ihre Finanzpläne für 2021 erstellen, die nicht aufgehen. Nur bei einer positiven Fortbestehungsprognose müssen sie für 12 Monate keinen Insolvenzantrag stellen. Doch die wird bei längst nicht allen gut ausgehen.

Welche Branchen trifft es besonders?
Gastronomie, Beherbergung, Event-Management, Autozulieferer und Anlagenbauer. Aber auch Pharma und Chemie bleiben nicht außen vor. In vielen Werken konnten und können beispielsweise Anlagenrevisionen nicht planmäßig durchgeführt werden, wodurch Mehrkosten durch Abstandsregeln und Hygienekonzepte entstehen.

Welche Unternehmensgrößen trifft es stärksten?
Kleinere und Kleinstfirmen. Denn diese verfügen nicht wie viele Mittelständler über ausreichende Rücklagen. Gastronomie- oder Reisebusbetriebe beispielsweise haben während des Lockdowns keine Umsätze erwirtschaftet und mussten die fixen Betriebskosten weiter decken. Staatliche Hilfen wurden zwar rasch gewährt, reichen aber meist nicht aus.

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    Was müssen finanziell angeschlagene Unternehmen jetzt tun, um liquide zu bleiben?
    Auf jeden Fall zügig handeln. Einen Kassensturz vornehmen und die Frage beantworten: Bin ich zahlungsunfähig und damit insolvent? In diesem Fall kann ich unter anderem mit dem Verkauf von Vorräten oder weiterer Kurzarbeit die laufenden Kosten senken. Ein Schutzschirmverfahren kann auch helfen, weil der Staat hier die Löhne für drei Monate übernimmt. Das alles geht meist nicht ohne fachlichen Rat. Dieser bringt zudem so lange Aufschub für einen Insolvenzantrag, bis der externe Berater zu einem Ergebnis kommt.

    Wer hilft zu prüfen, ob ein Insolvenzantrag notwendig ist?
    Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, die in jedem Fall Expertise in Insolvenzrecht und Sanierung haben müssen.

    Was passiert, wenn ich insolvent bin, dies aber nicht weiß und melde?
    Unwissen schützt nicht vor Strafe. Von Unternehmen wird Grundwissen verlangt. Insolvenzverschleppung kann richtig teuer werden: Jeden Tag, den ich später Insolvenz anmelde, habe ich Schadensersatz gegenüber dem Insolvenzverwalter zu leisten. Und zwar in der Höhe, in der ich noch Geschäfte mit Lieferanten gemacht habe. Neben dem Insolvenzverschleppungsschaden können noch strafrechtliche Konsequenzen drohen.

    Gibt es Lehren aus der Finanzkrise 2009?
    Wenn Sie den Münchener Finanzskandal ausklammern, haben wir mit der Bafin heute eine bessere Bankenaufsicht als vor zehn Jahren. Vor allem aber hat der Staat viel besser als damals und sehr rasch und umfassend geholfen. Auf der anderen Seite haben die Unternehmen weniger Gewinne in den guten Jahren ausgeschüttet und damit mehr Eigenkapital gebildet als damals. All das hilft, um sich der jetzigen Krise, die viel größer ist als 2009, entgegenzustemmen.

    Mehr: Stichtag 1. Oktober: Experten erwarten erste Pleitewelle

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