Interview mit Uli Hoeneß „Ich bin die Lokomotive“

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Der Wunsch nach Kontinuität
Geht es nach den Plänen von Uli Hoeneß, ist die Allianz.-Arena in fünf bis sieben Jahren komplett abbezahlt. Quelle: dapd

Geht es nach den Plänen von Uli Hoeneß, ist die Allianz.-Arena in fünf bis sieben Jahren komplett abbezahlt.

(Foto: dapd)

Handelsblatt: Wer ist wichtiger für den Erfolg eines Fußball-Unternehmens? Die kaufmännische Leitung oder die sportliche, also der Trainer?

Hoeneß: Eindeutig der Trainer. Weil sich oft erst durch den sportlichen Erfolg auch neue wirtschaftliche Perspektiven auftun.

Handelsblatt: Erfolgreiche Konzerne wie Siemens mit Peter Löscher oder Volkswagen mit Martin Winterkorn zeichnet aus, dass sie in der Führung Kontinuität zeigen. Beim FC Bayern hat das, was die sportliche Leitung angeht, zuletzt nie funktioniert. Felix Magath, Jürgen Klinsmann, Louis van Gaal - fast jede Spielzeit kam ein neuer Trainer. Was ist schief gelaufen?

Hoeneß: Ich habe einen Traum für Bayern München. Ich wünsche mir, einen Trainer zu haben, der fünf, sechs, sieben Jahre am Ball bleibt. Einen Trainer, der sich um die Mannschaft kümmert, und wir im Management und Aufsichtsrat können uns darauf konzentrieren, dass das Geld da ist, dass das Ambiente passt. Ausschlaggebend dafür ist, dass ein Trainer nach zwei, drei, vier Jahren der Mannschaft noch etwas zu sagen hat, man sich gegenseitig noch respektiert. Wenn das nicht mehr gegeben ist, und das war zuletzt leider häufig so, dann musst du als Manager was tun.

Handelsblatt: Ja, aber Sie wussten doch, um die, sagen wir mal, charakterlichen Eigenheiten der Trainer Klinsmann, Magath und van Gaal ...

Hoeneß: Ja, das Risiko war uns bewusst. Bei Magath und van Gaal hatten wir ja zumindest sportlichen Erfolg. Aber die Charaktere waren nicht so, dass man darauf hätte eine Ära begründen können. Und das hätten wir antizipieren können. Das war ein Fehler.

Handelsblatt: Wie wichtig ist es, dass Sie im Aufsichtsrat des Vereins Manager wie Rupert Stadler von Audi und Herbert Hainer von Adidas haben?

Hoeneß: Unser Aufsichtsrat ist ja besetzt wie bei kaum einem Dax-Konzern, und darauf bin ich stolz und glücklich. Etwas Besseres als mit Stadler und Hainer zu arbeiten, kann einem gar nicht passieren. Wir besprechen die Lage des Clubs, diskutieren über Spieler und Manager, über neue Geschäfte in Fernost, all das ...

Handelsblatt: Es lässt sich ja nicht immer alles ausdiskutieren ... Gab es Situationen, wo Sie selbst sagen würden, da habe ich als Führungskraft versagt?

Hoeneß: Natürlich, habe ich schon Fehlentscheidungen getroffen. Das Wichtigste ist dabei, dass man Fehler zugibt. Das Schlimmste ist, wenn du siehst, du hast einen Fehler gemacht, und auf Teufel komm raus sagst: Augen zu und durch. Obwohl jeder Blinde merkt, dass du einen Fehler gemacht hast, und du machst trotzdem weiter, nur um das Gesicht nicht zu verlieren.

Handelsblatt: Ein Fehler-Beispiel bitte ...

Hoeneß: In der Wurstfabrik habe ich mich mal verzockt. Ich habe auf Kontrakt viel Fleisch gekauft. Da habe ich gemeint, die Preise sind ziemlich tief, und habe ordentlich zugelangt. Doch das war erst der Anfang. Die Preise sind weiter gefallen.

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