Investor Point Nine Capital Start-ups winkt neuer Geldregen

6Wunderkinder hat mit dem Verkauf an Microsoft vorgelegt. Jetzt können Start-ups auf mehr frisches Geld hoffen. Der Berliner Wagniskapitalgeber Point Nine Capital legt einen neuen, 55 Millionen Euro schweren Fonds auf.
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Die jungen Unternehmen können nun auf noch mehr Finanzierung durch Wagniskapitalgeber hoffen. Quelle: dpa
Start-up-Hochburg Berlin

Die jungen Unternehmen können nun auf noch mehr Finanzierung durch Wagniskapitalgeber hoffen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfNoch ist nicht klar, wie viel Geld Microsoft auf den Tisch der 6 Wunderkinder legen wird. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ sollen es 100 bis 200 Millionen Dollar sein. Und seit Mittwoch verkündet die Wagniskapitalgesellschaft Point Nine Capital, dass sie mit ihrem dritten Fonds erneut 55 Millionen Euro in Start-ups investieren will. Allerdings will der Kapitalgeber mit Sitz in Berlin nicht nur in der deutschen Hauptstadt, sondern in ganz Europa und auch in Nordamerika nach spannenden Geschäftsideen suchen, erklärt Mitgründer Christoph Janz.

Mit dem dritten Fonds verwaltet Point Nine Capital nun insgesamt 100 Millionen Euro. Bislang investierte der 2011 von Christoph Janz und Pawel Chudzinski gegründete Frühphasen-Investor in mehrere Startups. darunter auch in die französische Buchungsplattform für Dienstleister StarOfService und dem Cloud-basierten Flottenmanagementsystem Automile aus Schweden. Zuvor investierten die Gründer von Point Nine Capital bereits in die Unternehmen Zendesk, Westwing, Delivery Hero, Vend, Clio, Kreditech und Fyber.

Der dritte Fonds der Wagniskapitalgeber soll in rund 40 Startups zwischen 100.000 Euro und 1 Million Euro investieren. Es gebe einfach nicht so viele Geldgeber, die hierzulande in den frühen Phasen investieren, erklärt Janz. „Wir investieren am Anfang in der Regel zwischen 500.000 Euro und einer Million, über die Lebenszeit eines Startups dann manchmal auch mehrere Millionen.“ In der vergangenen Woche hatte der Suchtechnologie-Spezialist Algolia 18 Millionen Dollar vom Risikokapitalgeber Accel in London bekommen, „da haben wir auch wieder mitgemacht“, ergänzt Janz.

Diese Start-ups krallten sich US-Konzerne
Der neuste Deal
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Nun könnte es für sie und ihre Chefs so weit sein: Das Berliner Start-Up 6Wunderkinder, das für seine To-do-Listen-App „Wunderlist“ als erste Berliner Gründung Geld von dem berühmten US-Risikokapitalgeber Sequoia Capital bekam, wird von Microsoft übernommen. Zuvor hatte das Wall Street Journal berichtet, der US-Konzern lege 100 bis 200 Millionen US-Dollar für die Wunderkinder auf den Tisch.

Wunderlist bringt Mega-Exit ein
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Das junge Unternehmen begeistert mit seiner To-do-Liste und anderen Angeboten mehr als sechs Millionen Menschen weltweit – und nun offenbar auch die Entscheider bei Microsoft. US-Medien taxierten den Wert der Firma Ende 2013 auf 60 bis 65 Millionen Dollar, die App-Schmiede selbst veröffentlicht keine Unternehmenszahlen, die eine Bewertung zuließen. 6Wunderkinder ist eines der bekanntesten Start-ups der Berliner Gründerszene, doch bei weitem nicht das erste deutsche Jungunternehmen, bei dem US-Konzerne zugreifen. Die Übernahmelust der Amerikaner geht quer durch alle Branchen, wobei fast alle Übernahmen der vergangenen Jahre im Bereich Onlinedienstleistungen liefen. Und noch etwas fällt auf: Häufig übernahmen die Konzerne kleine Kopien ihrer eigenen Geschäftsmodelle – offenbar machten die deutschen Raubkopien ihre Sache meist äußerst gut.

1999: Urknall des Samwer-Universums
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Wenig überraschend, dass sie zu den Ersten gehörten: Die Samwer-Brüder um Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Start-up-Inkubators Rocket Internet. Noch lange bevor Rocket Internet die Kopie von Internetunternehmen professionalisierte und zu einem grundlegenden Geschäftsmodell machte, gründeten die Samwer-Brüder 1999 das Internetauktionshaus Alando. Schon im Mai des gleichen Jahres verkauften sie das Unternehmen für 43 Millionen Dollar an Ebay, just den US-Konzern, den sie kopiert hatten.

2004: Jamba lässt die Kassen klingeln
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Nur einige Jahre nach dem Alando-Deal konnten die Samwer-Brüder wieder einen erfolgreichen Exit, also eine Übernahme durch einen größeren Konzern, landen. Die Samwers hatten im Jahr nach dem Alando-Verkauf den Klingelton- und Mobilanwendungsanbieter Jamba gegründet. Das Unternehmen,“ das zwischenzeitlich wegen Abonnementverkäufen an Minderjährige in die Kritik geraten war, reizte 2004 den US-Konzern VeriSign. Stolze 273 Millionen US-Dollar legte der Konzern damals auf den Tisch, doch da Oliver und Marc Samwer bis 2005 nicht aus dem Konzern ausstiegen und die Verkaufserlöse an verschiedene Beteiligungsfirmen ausgeschüttet wurde, nahmen die beiden Gründer sogar noch mehr Geld ein.

Mai 2010: Der City-Deal
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Oliver Samwer (Mitte), hier mit seinem Finanzchef Peter Kimpel und Rocket Internet-Manager Alexander Kudlich, lockte die US-Konzerne weiter mit seinen Kopien: Unter dem Rocket Internet-Dach entstand etwa das Gutschein-Portal CityDeal, das den US-Konzern Groupon imitierte. Entweder es ärgerte die große Konkurrenz – oder es beeindruckte sie. Jedenfalls griff Groupon im Mai 2010 für umgerechnet 125,4 Millionen Euro zu und zog das deutsche Start-Up in den eigenen Rennstall.

Dezember 2010: Ebay schlägt erneut zu
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John Donahoe bescherte den Gründern des Berliner Markenbewertungsportals brands4friends Freude. 150 Millionen Euro zahlte der Ebay-CEO, um die Plattform mit der großen Konsum-Community zu übernehmen. Dabei hatten Analysten das Unternehmen kurz vor dem Deal nur mit 100 Millionen Euro bewertet. Doch Ebay dürfte damals zunehmend unter Druck geraten sein, da Akteure wie Amazon im Bereich der Shopping-Communities ebenfalls aktiv geworden waren. brands4friends, das zuvor durch buchhalterische Fehler in finanzielle Bedrängnis geraten war, stand nach dem Deal wieder auf sicheren Füßen.

April 2011: Make a Big Point
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Sie waren schon eine Größe im Gamingbereich, mehrere Investoren waren bei Big Point aus Hamburg bereits vor 2011 mit dreistelligen Millionensummen eingestiegen. Doch 2011 kam mit 350 Millionen US-Dollar die große Übernahme durch die US-Investoren Summit Partners und TA Associates, wobei der Gründer Heiko Hubertz weiterhin Anteile behielt. Der Onlinespieleentwickler erwirtschaftete nach eigenen Angaben zur Zeit der Übernahme dreistellige Millionenumsätze, der Gewinn lag 2009 bei zwölf Millionen Euro.

Er beobachtet, dass die internationalen Investoren seit einiger Zeit immer genauer auf Berlin schauen. „Und der Exit von 6Wunderkinder könnte diese Entwicklung bekräftigen.“ Viele US-Risikokapitalgeber schauen aus den USA auf Deutschland und unterhalten auch in Berlin keine eigenen Niederlassungen, daher spiele Point Nine Capital, wie Janz beschreibt, schon mal die Rolle des Erstinvestors für die Amerikaner: „Wir haben gute Kontakte zu ihnen und investieren auch gemeinsam, wir haben aber keine exklusive Beziehung zu einem Kapitalgeber.“

Die wichtigsten Geldgeber für Point Nine Capital sind Horsley Bridge Partners, Sapphire Ventures, Flossbach von Storch und Vintage Investment Partners.

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