Kapitalbeschaffung Crowdfunding in Europa boomt

Alternative Finanzierungsformen für Jung-Unternehmen boomen in Europa. Im vergangen Jahr wurden fast drei Milliarden Euro über Crowdfunding & Co. eingesammelt. Grund dafür ist vor allem die vergangene Finanzkrise.
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Der Markt in Europa für alternative Finanzierungen durch Crwodfunding & Co boomt. Quelle: dpa
Innerhalb von zwei Jahren versechsfacht

Der Markt in Europa für alternative Finanzierungen durch Crwodfunding & Co boomt.

(Foto: dpa)

StuttgartKapital aus dem Netz oder vom Nachbarn: Kleine Unternehmen, Start-ups oder Privatleute bekommen in Europa immer häufiger Geld über alternative Finanzierungsformen. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young und des Center for Alternative Finance der Universität Cambridge hervor.

Demnach sammelten Unternehmen in Europa im vergangenen Jahr 2,96 Milliarden Euro über alternative Finanzierungswege jenseits von Bankkrediten ein. Der Markt hat sich damit innerhalb von zwei Jahren versechsfacht.

Wie das Netz Träume finanziert
Kaffeemaschine
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Perfekte Kaffeemaschine

Rund 1500 Nutzer der Crowdfunding-Plattform Kickstarter war eine Espresso-Maschine mit moderner Steuerung und zu einem günstigen Preis eine Spende wert. Insgesamt sagten die Nutzer rund 370.000 Dollar Anschubfinanzierung zu, obwohl die Initiatoren ursprünglich nur 20.000 Dollar einsammeln wollten. „Konsistenz bei Druck und Temperatur ist der Schlüssel zu einem guten Espresso“, schreiben die Projekt-Initiatoren. „Und genau das wird unsere Maschine euch liefern – zu einem Preis der unter jeder anderen Maschine auf dem Markt liegt“.

Link: PID-Controlled Espresso Machine

Cineskates
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Rollerskates für Kameras

Digitalkameras auf flexibel einstellbaren Rollen, die an Rollerskates erinnern – das ist die verrückte Idee eines Teams aus Texas. Der Sinn: Das Stativ auf Rollen ermöglicht flüssige Aufnahmen in beliebiger Bewegungsrichtung, die an professionelle Film-Effekte erinnern. Am besten wird das im Video der Machter auf der Projektseite deutlich. Mit dem dort vorgestellten Prototypen sammelte das Start-Up rund eine halbe Millionen Dollar über das Internet ein – 20.000 Dollar war das Ziel.

Link: CineSkates Camera Sliders

Twine
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Das Internet der Dinge

Das Internet der Dinge wird von Netzenthusiasten schon lange vorhergesagt. Die Vision geht davon aus, dass irgendwann alle Bestandteile unseres Alltags mit dem Internet verbunden sind: Der Kühlschrank hat genauso eine IP-Adresse wie der Toaster und die Waschmaschine. Das Kickstarter-Projekt Twine will helfen diesen Nerd-Traum zu realisieren – und beliebige Dinge via Internet zu vernetzen. „Twine ist der einfachste Weg, Objekte in deinem Leben zum simsen, twittern oder e-mailen zu bringen“, versprechen die Macher.

Dafür haben die Initiatoren eine kleine türkise Box entwickelt. Sie funkt via WLAN und wird mit zwei AAA-Batterien betrieben. Die Einrichtung funktioniert einfach per Webinterface. Auf Nicht-Nerds mag das Projekt skurril wirken – doch die Macher der Boxen sammelten mehr als 550.000 Dollar von fast 4000 Unterstützern ein. Sie selbst schätzten den Bedarf für die Anschubfinanzierung auf nur 35.000 Dollar.

 

Link: Twine - Listen to your world, talk to the Internet

Printrbot
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3D-Drucker für alle

3D-Drucker üben eine besondere Faszination aus. Das Projekt Makerbot beispielsweise fasziniert schon seit Jahren Technik-Freaks mit der Möglichkeit, Gegenstände zu drucken. Ein solches Gerät kostet jedoch mehrere tausend Euro. Das Projekt Printrbot will den bislang einfachsten und kleinsten 3D-Drucker schaffen. Wer mindestens 500 Dollar spendete, wurde ein Printrbot zum Zusammenbau versprochen. Der Drucker soll innerhalb weniger Stunden zusammengebaut sein. Mehr als 1.800 Unterstützern war die Projektverwirklichung insgesamt über 830.000 Dollar wert.

Link: Printrbot - Your First 3D Printer

Lautsprecher
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Unsichtbare Lautsprecher

Auch die Initiatoren des Kickstarter-Projekts Hidden Radio & Bluetooth Speaker setzen auf Einfachheit: Kabellose Lautsprecher-Boxen mit Radio und dem denkbar einfachsten Design. Die kleinen Lautsprecher lassen sich kabellos via Bluetooth betreiben und sind durch ihr schlichtes Design geradezu „unsichtbar“ – oder zumindest nicht direkt als Lautsprecher zu erkennen. Eher wirken die kleinen abgerundeten Mini-Lautsprecher wie umgestülpte Tassen oder der Deckel einer Thermoskanne. Um einen Lautsprecher anzuschalten, muss lediglich die Hülle nach oben gezogen werden. Das simple Design der Lautsprecher kommt an: Rund 5.300 Unterstützern sind die „unsichtbaren Lautsprecher“ insgesamt mehr als 938.000 Dollar wert.

Link: Hidden Radio & BlueTooth Speaker

iPod Watch
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iPod am Handgelenk

Das Kickstarter-Porjekt TikTok und LunaTik sammelte im Dezember 2010 mit einer sehr einfachen Idee sehr viel Geld: Die Produktion von Armbändern für Apples iPod nano, um ihn am Handgelenk zu tragen. Die Initiatoren des Projekts waren nicht die ersten, die auf die Idee kamen den kleinen quadratischen iPod in eine Armbanduhr zu verwandeln – doch ihr Vorschlag war der professionellste und sah besonders schick aus.

Die Macher sammelten fast eine Millionen Dollar. Mehr als 942.000 Dollar sagten mehr als 13.500 Unterstützer zu. Ab 25 Dollar sicherten sich die Unterstützer ein kostenloses Exemplar des Gadgets, das später für 35 Dollar verkauft wurde. Die zahlreichen Versuche aus dem Netz, den iPad nano in eine Armbanduhr zu verwandeln, hat Apple inspiriert. Inzwischen  bietet der iPod-Hersteller selbst ein Armband für den iPod nano für 25 Euro an.

Link: TikTok+LunaTik Multi-Touch Watch Kits

Comic
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Comic-Auferstehung

Nicht nur Nerds kommen auf Kickstarter zum Zuge – unter den erfolgreichsten Crowdfundern aller Zeiten befindet sich auch ein Comic-Zeichner. Rich Burlew verkauft Comics auf Papier seit 2005. Rund 58.000 Dollar wollte er via Kickstarter sammeln,  um den älteren Comic-Band „The Order of the Stick: War and XPs“ wieder in den Druck zu bringen. Die Fans des Comic-Zeichners ließen sich nicht lumpen – am Ende kamen mehr als 1,25 Millionen Dollar von 15.000 Unterstützern zusammen.

Link: The Order of the Stick Reprint Drive

Besonders beliebt seien Direktdarlehen von Privatpersonen und die Schwarmfinanzierung, das sogenannte Crowdfunding, im Internet. Für die Studie wurden Daten von Branchenverbänden und Online-Plattformen für alternative Finanzierungen ausgewertet.

„Das ist ein gutes Signal für junge Firmen“, erklärte Christopher Schmitz, Partner bei Ernst & Young. „Die Finanzierungsmöglichkeiten für gute Ideen und Projekte erweitern sich, sie sind nicht mehr allein auf den Bankkredit oder Risikokapitalgeber angewiesen.“ Der Studie zufolge sind die neuen Möglichkeiten, an Kapital zu kommen, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen interessant.

Der Löwenanteil alternativer Finanzierungen entfällt mit einem Volumen von 2,34 Milliarden Euro auf Großbritannien, gefolgt von Frankreich (154 Millionen Euro) und Deutschland (140 Millionen Euro).

Das Crowdfunding & Co in Großbritannien so beliebt sind, hat Gründe. „Nach der Finanzkrise musste sich die Wirtschaft dort schnell nach alternativen Geldquellen umsehen, weil der traditionell starke Bankenstandort hart getroffen wurde“, erklärte Schmitz. Zudem seien die gesetzlichen Regeln in Großbritannien weniger streng.

  • dpa
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