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Kappus Wie der größte Hersteller von Festseifen in die Insolvenz gerutscht ist

Minimale Margen und der Trend zu Flüssigseife haben die Traditionsfirma Kappus in die Pleite geführt. Jetzt schließt der Stammsitz – der Rest steht zum Verkauf.
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Die Nachfrage nach Festseife in den letzten Jahrzehnten rapide gesunken. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Kappus

Die Nachfrage nach Festseife in den letzten Jahrzehnten rapide gesunken.

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

DüsseldorfDie ein oder andere Träne floss, als Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko die Belegschaft des Seifenherstellers M. Kappus darauf einstimmte, dass der Stammsitz in Offenbach schließen muss. Die Enttäuschung der rund 70 Mitarbeiter war groß. Schließlich „schaffen“ die meisten schon sehr lange bei dem Familienunternehmen mit 170-jähriger Geschichte.

Die Aufträge hätten aber bei Weitem nicht ausgereicht, um den Standort auszulasten, sagte Danko. Am Freitag nun besiegelten die Kappus-Gläubiger das Aus des Offenbacher Werks.

Ende September hatte Westeuropas größter Hersteller von Festseifen Insolvenz angemeldet – zunächst in Eigenverwaltung. Das Familienunternehmen Kappus machte zuletzt 80 Millionen Euro Umsatz. Rund 350 Mitarbeiter produzieren in Werken in Krefeld, Riesa, Heitersheim und Offenbach 70.000 Tonnen Seife im Jahr. Von Deutschland aus werden 60 Länder beliefert.

Doch der Marktführer mit Patricia Kappus-Becker und ihrem Vater Wolfgang an der Spitze geriet in finanzielle Schieflage. „Die Familie hat die Firma nicht zukunftsfest gemacht“, kritisiert Aman Yoseph von der IG Bergbau, Chemie, Energie Rhein-Main (BCE).

Die Gründe für die Insolvenz sind vielfältig: So ist die Nachfrage nach Festseife in den letzten Jahrzehnten rapide gesunken. In den Siebzigerjahren waren Seifen wie Fa oder CD („An meine Haut lasse ich nur Wasser und CD“) beliebt und bekannt aus der Fernsehwerbung. Alles Marken, die von Kappus produziert werden. Heute aber benutzen die meisten Flüssigseife und Duschgel. Nur noch fünf Stück Seife kauft jeder Deutsche pro Jahr.

Im Jahr 2018 betrug der Umsatz mit Seifen (auch Flüssigseifen) und Syndets 354 Millionen Euro, schätzt der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW). Flüssigseifen haben inzwischen einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Hier dominieren ganz andere Hersteller wie Otto Cosmetic aus Groß-Rohrheim, Dreiturm aus Steinau oder Mann & Schröder aus Siegelsbach. Schließlich braucht es zur Herstellung andere Maschinen als für Festseife.

Familie Kappus ist auf den Trend zu Flüssigseifen erst spät aufgesprungen – auch aus der Überzeugung, dass der Kunde mit Festseifen hygienischere und umweltfreundlichere Produkte für weniger Geld bekommt.

Johann Martin Kappus gründete 1848 in Offenbach am Main die M. Kappus Feinseifen & Parfümeriefabrik. Damals galt Seife noch als Luxusprodukt. Die Firma überstand Kriege und Wirtschaftskrisen. In der Nachkriegszeit gab es noch rund 200 Seifenfabrikanten in Deutschland.

Die großen Konsumgüterhersteller haben ihre Seifenproduktion lange schon aufgegeben und an Auftragsfertiger wie Kappus ausgelagert – viele auch ins kostengünstigere Ausland. In Polen etwa betreibt der indische Mischkonzern VVF ein großes Werk, in der Türkei fertigen Hersteller wie Evyap oder Dalan.

Die Massenproduktion von Festseife hierzulande ist immer unrentabler geworden. „Der Preisdruck ist enorm. Unsere Margen sind extrem niedrig“, sagte Geschäftsführerin Patricia Kappus-Becker schon vor drei Jahren dem Handelsblatt. „Wir sind froh, wenn wir einen Cent pro Seife übrig haben, die im Handel 30 bis 35 Cent im Günstigsegment kostet.“

„Die Verbraucher schauen bei Seife extrem auf den Preis, die Marke spielt eine untergeordnete Rolle“, bestätigt Jörg Funder, Professor für Handelsmanagement in Worms. Kappus fertigt als Massenhersteller vor allem auch für Handelsketten wie Lidl und Drogeriemärkte. Bei Eigenmarken sahne aber der Handel die Margen ab, nicht die Hersteller, so Funder. „Der Handel drückt Lieferanten von Handelsmarken im Bietermarathon knallhart im Preis.“

Der Seifenmarkt gehöre zu den sogenannten Red-Ocean-Branchen, in denen blutige Preiskriege laufen.

Die Strategie der Familie Kappus, Wettbewerber in Deutschland sukzessive aufzukaufen, um mehr Marktmacht zu gewinnen, ging nicht auf. Nach der Wende hatte Kappus das ehemals größte Seifenwerk der DDR in Riesa übernommen, 2005 von Henkel die Dreiring-Werke in Krefeld.

2016 erst wurde Konkurrent Hirtler in Heitersheim zugekauft, der vor allem für die Beiersdorf-Marke Nivea fertigt. Damit hat sich Kappus wohl finanziell überhoben. „Die Familie hat Standorte zugekauft, aber es gab keine Synergien etwa durch gemeinsamen Einkauf oder Vertrieb“, kritisiert Yoseph von der IG BCE.

Der Betrieb in Krefeld, Riesa und Heitersheim geht indes weiter. Denn Insolvenzverwalter Danko konnte ganz erhebliche Preiserhöhungen mit den Kunden aushandeln. Zu noch größeren Zugeständnissen seien diese aber nicht bereit. „Derzeit verhandeln wir mit mehreren Interessenten, die die Standorte im Paket oder einzeln übernehmen wollen“, teilte Danko mit. Es soll sich um strategische Investoren und Finanzinvestoren aus dem In- und Ausland handeln.

„Weil das Umweltbewusstsein steigt, haben Stückseifen, die viel weniger Verpackungsmüll als Flüssigseifen verursachen, wieder eine Chance bei Verbrauchern“, glaubt Gewerkschafter Yoseph. Branchenkenner sehen nach einer Sanierung ebenfalls gute Überlebenschancen für die Seifenwerke. Auch wenn Kappus in Offenbach dann Geschichte ist.

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