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Kettler-Insolvenzverfahren eröffnet Etappensieg für den Kettcar-Hersteller

Kettler ist auf Kurs in Richtung Sanierung: Das Amtsgericht Arnsberg eröffnet das Insolvenzverfahren. Der Plan von Gründer-Tochter Karin Kettler kann nun umgesetzt werden. Nimmt Kettler noch die Kurve?
01.09.2015 - 15:51 Uhr Kommentieren
Bei Kettler ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Quelle: dpa
Kettcar-Rennen

Bei Kettler ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Drei Monate nachdem Karin Kettler den Antrag auf Insolvenz in Eigenregie gestellt hat, ist das Insolvenzverfahren an diesem Dienstag vom zuständigen Amtsgericht Arnsberg eröffnet worden. Damit kann der Sanierungsplan umgesetzt werden.

Dieser sieht vor, dass „weiterhin vorwiegend in Deutschland gefertigt wird, einzelne Teile zugekauft werden und die Komplexität des Sortiments und der Produktion reduziert“ werden, sagte der Generalbevollmächtigte der Heinz Kettler GmbH & Co KG, Christian Krause dem Handelsblatt. „Die vier Geschäftsfelder Fahrrad, Gartenmöbel, Fitnessgeräte und Kindergeräte bleiben erhalten.“ Die Gläubiger sollen vollständig befriedigt werden, außerdem beinhaltet der Sanierungsplan ein Verfahren in Rekordzeit und eine Landesbürgschaft.

Anfang Juni hatte Karin Kettler erklärt, mit dem Antrag auf Insolvenz in Eigenregie das Unternehmen vor einem Übernahmeversuch durch einen Finanzinvestor retten zu wollen. Nach Handelsblatt-Informationen wird die Tochter des Unternehmensgründers Heinz Kettler als Gesellschafterin weiterhin die Geschicke des Unternehmens begleiten. Die Eigenverwaltung wird demnach mit dem Sachwalter Christoph Schulte-Kaubrügger von White & Case fortgeführt.

Die Lage ist ernst bei Kettler. Der Insolvenzantrag war der bislang letzte Schritt in einer unglücklichen Reihe von Ereignissen, wie sie in Familienunternehmen vorkommen. Heinz Kettler hatte geniale Ideen, das berühmte Kettcar, das erste Aluminium-Fahrrad, der Heimtrainer. Doch sein Sohn als geplanter Nachfolger war bei einem Autounfall früh gestorben, die Familie entzweit. Bereits zu Lebzeiten des Firmenchefs war Kettler nicht mehr so gut aufgestellt, erzählen Kenner des Unternehmens.

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    Auch in der Branche galt Kettler zuletzt nicht mehr als innovativ. Nach dem Tode des Firmengründers übernahm seine Tochter Karin 2005 das Unternehmen. Die promovierte Biologin führte Kettler zunächst aus der Ferne aus dem Saarland heraus, wo bis Ende 2012 auch Karins Mutter, die geschiedene Frau von Heinz Kettler, lebte.

    Seitdem sei Karin Kettler häufiger in der Firmenzentrale gewesen, erzählen Mitarbeiter. Kettler beschäftigt insgesamt 1.100 Mitarbeiter in Deutschland.

    Diese Traditionsfirmen gingen insolvent
    Beate Uhse (2017)
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    Der Erotik-Händler Beate Uhse setzte auf falsche Strategien und verschlief Trends. Die Folge: 18 Jahre nach seinem Börsengang im Jahr 1999 beantragte das Unternehmen im Dezember 2017 Insolvenz in Eigenregie. Parallel läuft nun der Verkaufsprozess. Beate Uhse wurde 1946 von der früheren Luftwaffenpilotin Beate Rotermund-Uhse gegründet, 1962 eröffnete ihr Unternehmen in Flensburg den ersten Sexshop der Welt.

    (Foto: dpa)
    Air Berlin (2017)
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    Selten wurde eine Insolvenz so intensiv öffentlich ausgebreitet wie bei Air Berlin. Seit sich die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft im August 2017 für zahlungsunfähig erklärte, verschwand der Konzern nicht mehr aus den Schlagzeilen. Die Firmenpleite war wohl die spektakulärste des Jahres 2017, dabei kam sie nicht mal überraschend: Es galt als sicher, dass Air Berlin das Jahr nicht in seiner bisherigen Form überleben würde. Die roten Schokoherzen der 1978 gegründeten Fluggesellschaft sind jetzt Sammlerstücke.

    (Foto: dpa)
    Solarworld (2017)
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    Die 1988 gegründete Solarworld AG musste nach sechs verlustreichen Jahren im Mai 2017 Insolvenz anmelden. Der Gründer und Chef des Photovoltaikkonzerns, Frank Asbeck, kaufte einige Monate später die beiden deutschen Fabriken und mehrere Tochtergesellschaften im Ausland. Investoren aus Katar unterstützen Asbeck bei dieser Teilrettung.

    (Foto: dpa)
    Alno (2017)
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    Für die 410 Mitarbeiter des insolventen Küchenherstellers Alno gab es Ende des Jahres 2017 doch noch eine gute Nachricht. Finanzinvestor River Rock kaufte den Konzern für 20 Millionen Euro und will den Betrieb, der schon längst eingestellt war, weiterlaufen lassen. Damit können fast alle Mitarbeiter mit dem Erhalt ihres Arbeitsplatzes rechnen – obwohl sie zuvor nach Hause geschickt worden waren. Lange Zeit war kein Käufer in Sicht. Alno wurde 1927 als Schreinerei in Wangen bei Göppingen gegründet, der Name stammt von Gründer Albert Nothdurft.

    (Foto: dpa)
    Deutsche Touring (2017)
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    Die fast 70 Jahre alte Deutsche Touring musste im April 2017 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit den Gang zum Amtsgericht antreten. Das 1948 gegründete Unternehmen wollte sich neu aufstellen, um auch künftig in der von einem aggressiven Preiswettbewerb gekennzeichneten Branche bestehen zu können. Der Fernreisebus-Anbieter aus Eschborn bei Frankfurt betreibt nach eigenen Angaben 260 Linien und Zubringerstrecken in 34 europäischen Ländern. Im August 2017 übernahm der langjährige Partner CroatiaBus/Globtour den Geschäftsbetrieb und führt den Linienverkehr fort.

    (Foto: Eurolines)
    Mifa (2014 und 2017)
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    Der Fahrradhersteller Mifa aus Sachsen-Anhalt meldete im September 2014 Insolvenz in Eigenverwaltung an. Im Dezember 2014 übernahm die Unternehmerfamilie Nathusius den Fahrradhersteller. Im Dezember 2016 wurde ein neues Werk in Sangerhausen eröffnet. Doch schon im Januar 2017 musste Mifa überraschend erneut Insolvenz anmelden. Nach dem Verkauf an den Unternehmer Stefan Zubcic nahm das Unternehmen unter dem neuen Namen Sachsenring Bike Manufaktur im August 2017 die Produktion wieder auf.

    (Foto: dpa)
    Sinn-Leffers (2008 und 2016)
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    Die Modekette Sinn-Leffers hat im September 2016 erneut Insolvenzantrag gestellt. Die beiden traditionsreichen Modehändler Sinn und Leffers hatten 1997 fusioniert, von 2001 bis 2005 gehörte das Unternehmen zum Essener Karstadt-Quelle-Konzern, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen wurde. 2008 ging Sinn-Leffers schon einmal in die Insolvenz, bei der rund die Hälfte der Filialen geschlossen wurde. 2013 übernahm der Textilunternehmer Gerhard Wöhrl die Kette. Im Juli 2017 wurde das zweite Insolvenzverfahren aufgehoben.

    (Foto: ap)
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