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Kritik an Preisangaben Australische Wettbewerbshüter verklagen deutsches Hotelportal Trivago

Der Düsseldorfer Hotelsuche droht Ungemach aus Australien. Der Vorwurf: Die Preisvergleiche seien irreführend. Trivago streitet das ab.
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Der Chef des Vergleichsportals muss sich gegen die Vorwürfe der australischen Wettbewerbsbehörde wehren. Quelle: Reuters
Trivago-Chef Rolf Schrömgens

Der Chef des Vergleichsportals muss sich gegen die Vorwürfe der australischen Wettbewerbsbehörde wehren.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDie unerfreulichen Nachrichten für Trivago reißen nicht ab. Der Umsatz sinkt, die Verluste steigen, der Aktienkurs ist im Keller. Nun hat Ende August die australische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde ACCC Klage gegen das Vergleichsportal für Hotelpreise eingereicht.

Vor dem Federal Court beschuldigen die Wettbewerbshüter Trivago, das australische Verbraucherschutzrecht zu verletzen. Das Hotelportal habe auf seiner Webseite und in TV-Spots irreführende Hotelpreise präsentiert – mindestens seit Dezember 2013.

Trivago habe sich dabei als „unparteiischer und objektiver Preisvergleichsdienst“ dargestellt, der Verbrauchern helfe, den günstigsten Preis für ein Hotelzimmer zu finden. Tatsächlich aber habe Trivago auf seiner Webseite die Angebote priorisiert, die den höchsten Preis je Klick zahlen. Trivago erwecke den irreführenden Eindruck, dass es sich bei besonders hervorgehobenen Angeboten auch um den besten Deal handele, so der Vorwurf der ACCC.

Expedia ist Mehrheitseigner von Trivago

Trivago sammelt auf seiner Webseite Angebote für 1,8 Millionen Hotels weltweit von rund 400 Online-Buchungsseiten. Dazu zählen etwa Expedia, das rund 60 Prozent der Anteile von Trivago hält, Booking.com oder Hotels.com sowie Webseiten von Hotels. Ein Angebot wird dabei auf der Trivago-Seite in grün hervorgehoben. Um diesen Platz können Anbieter in einer Online-Auktion gegeneinander bieten. Wer am meisten zahlt, bekommt den grün markierten Platz. Trivago verdient, wenn ein Nutzer darauf klickt und an die Buchungsseite weiterleitet.

Die australischen Wettbewerbshüter werfen Trivago zudem vor, häufig den Preis eines Standardzimmers mit dem eines Luxuszimmers zu vergleichen. Das habe Verbraucher in die Irre geführt, die vermeintlich günstige Standardzimmer gebucht hätten.

„Weil es keinen echten Preisvergleich gab, haben viele Verbraucher zu viel bezahlt“, wirft ACCC-Chef Rod Sims Trivago vor. Anderen Hotels wiederum sei dadurch möglicherweise Geschäft entgangen. Nach Untersuchungen der australischen Behörde klicken die Verbraucher überwiegend das Angebot für ein Hotelzimmer an, das am prominentesten auf der Trivago-Seite präsentiert wird.

Trivago reagierte mit Unverständnis auf die Klage: „Wir sind enttäuscht vom Weg, den ACCC gewählt hat, und werden unsere Interessen vehement verteidigen“, hieß es auf Anfrage des Handelsblatts. Zum jetzigen Zeitpunkt will Trivago nicht weiter Stellung nehmen zu den Vorwürfen der australischen Wettbewerbshüter.

Gezahlte Vergütung fließt in Algorithmus ein

Die Hotelsuche verweist auf ihre Webseite, wo den Verbrauchern die Funktion und der Algorithmus der Trivago-Seite genau erklärt werde. Dort heißt es zur Auswahl unter anderem: „Außerdem berücksichtigen wir die Höhe der Vergütung, die Buchungsseiten an uns zahlen, wenn ein User bei uns auf ihr Angebot klickt.“

Die kritisierten TV-Spots in Australien, die mehr als 400.000 Mal ausgestrahlt wurden, hat Trivago jedenfalls im April eingestellt. Nach australischem Recht können für Irreführung und Täuschung von Verbrauchern Geldbußen bis zu einer Million australische Dollar (rund 600.000 Euro) je Fall verhängt werden, so der Sender ABC. Für Trivago könnte es bei einer Verurteilung also teuer werden.

Die australische Wettbewerbsbehörde beäugt neben Trivago auch andere Vergleichsportale zunehmend mit Argwohn. „Wir sind besorgt über Plattformen, die den Eindruck erwecken, dass ihre Dienste den Verbrauchern helfen, wenngleich das Ranking darauf basiert, welcher Anbieter der Plattform am meisten zahlt“, kritisiert Sims.

Auch in Großbritannien ist Trivago im Visier der Wettbewerbshüter. Die CMA prüft seit Herbst 2017, ob Hotelportale Verbraucher möglicherweise in die Irre führen. Betroffen von den Untersuchungen sind neben Trivago unter anderem auch die Buchungsportale wie Booking, Expedia und Hotels.com. Anders als andere Portale wurde Trivago bisher nicht zu Veränderungen auf seinem Portal aufgefordert.

Wegen der britischen Untersuchungen hatten in den USA mutmaßlich geschädigte Anleger zum Jahreswechsel eine Sammelklage gegen Trivago eingereicht. Angeblich habe Trivago im Börsenprospekt zum Börsengang im Dezember 2016 nicht auf kritische Verkaufspraktiken hingewiesen. Anleger hätten dadurch Verluste erlitten. Der Kurs von Trivago liegt derzeit bei etwas vier Dollar. Zu Hochzeiten lag der Kurs bei 24 Dollar. Die Prozessvertreter von Trivago fordern die Einstellung des Verfahrens. Eine Entscheidung des New Yorker Gerichts steht noch aus.

Das Jahr 2018 ist für Trivago also weiter mit Unwägbarkeiten behaftet. Die vorsorgliche Warnung an die Investoren im Quartalsbericht: „Der Ausgang dieser Angelegenheiten könnte erhebliche negative Auswirkungen auf unser Geschäft, die finanzielle Lage oder Ergebnisse haben.“

Um die steht es derzeit ohnehin nicht allzu gut. Im ersten Halbjahr brach der Umsatz von Trivago im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf 494 Millionen Euro ein. Gab es im Vorjahreszeitraum noch einen kleinen Gewinn von 4,3 Millionen Euro, so stand nun unterm Strich ein Nettoverlust von 42,5 Millionen Euro. Trivago spart nun an Werbung und sucht stabilere Einnahmequellen. „Für das zweite Halbjahr sind wir aber sehr zuversichtlich, dass unsere neue Strategie greift“, ist Trivago-Chef Rolf Schrömgens überzeugt.

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