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Küchenindustrie Wie Alno nach der Pleite als „Neue Alno“ das Comeback versucht

Auf der Ordermesse in Ostwestfalen wagte der Küchenhersteller als „Neue Alno“ seine erste Präsentation nach der Pleite. Es lief besser als erwartet, doch die Skepsis bleibt.
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Ein Werbegag aus Seifen-Schaum und Helium. Quelle: Neue Alno
Fliegendes Alno-„A“

Ein Werbegag aus Seifen-Schaum und Helium.

(Foto: Neue Alno)

Löhne Der neue Showroom des Küchenherstellers Alno war auf der Ordermesse in Löhne leicht zu finden: Ein eckiges „A“ nach dem anderen schickten die Pfullendorfer vor ihrem neuen Showroom in Ostwestfalen in den blauen Himmel. Jedes sah genau so aus wie das „A“ im Schriftzug von Alno. Ein Werbegag aus Seifen-Schaum und Helium, der vor allem eines symbolisieren sollte: „Wir sind wieder da.“

Mit allem, was marketingtechnisch dazu gehört, präsentierte sich der neu erstandene Küchenhersteller erstmals nach einer krachenden Insolvenz im vergangenen Jahr wieder auf einer Messe. Verbrannte Erde hatte die insolvente Alno bei vielen Händlern hinterlassen, über Monate war gar nichts mehr geliefert worden. Zuvor hatten die Küchen schon ohne Schranktüren oder Griffe das Werksgelände verlassen, weil kein Geld mehr da war.

Doch die Marke des einstigen deutschen Marktführers zieht immer noch: Rund 2500 Besucher seien in den sechs Tagen im neuen Showroom von Alno aufgetaucht, deutlich mehr als erwartet, teilte Geschäftsführer Thomas Kresser dem Handelsblatt mit. Aus dem Inland und Ausland sei dabei auch geordert worden, Einzelorders hätten teilweise sechsstellige Höhen erreicht. Der Neustart ließ alle hoffen, die nach dem desaströsen Jahr 2017 nun auf das Wunder einer Fortführung setzen. Ein Selbstläufer aber ist es noch lange nicht.

Alno war im Juli 2017 insolvent gegangen, nachdem der Küchenhersteller über Jahre rote Zahlen geschrieben hatte. Die Lieferschwierigkeiten und der monatelange Produktionsausfall hatten wiederum Küchenstudios in Existenznöte getrieben und ihre Einkaufsverbände viel Geld gekostet.

Erst zum Jahresende sprang der Investor Riverrock aus Großbritannien ein und kaufte das Kerngeschäft von Alno für 20 Millionen Euro. Zuvor hatte Riverrock bereits einen Massekredit über sechs Millionen Euro gegeben. An Riverrock ist auch der Unternehmer Roland Berger beteiligt.

Über Umsatzziele schweigen sich die neuen Eigentümer noch aus. 2016 hatte Alno mit mehr als 2000 Mitarbeitern noch knapp 500 Millionen Euro erzielt, nun trauen Branchenkreise dem als „Neue Alno“ von alten Schulden befreiten Küchenhersteller im besten Fall 40 bis 60 Millionen Euro zu.

In Pfullendorf sind nur noch 320 Mitarbeiter übrig geblieben. Getrennt hat man sich von der Küchenmarke Pino, der Hersteller Wellmann, der ebenfalls zu Alno gehörte, musste dicht machen. Auch an der Börse ist die Neue Alno nicht mehr vertreten. Alno kocht unter Riverrock auf ganz kleiner Flamme. Der ehemalige Marktführer fängt als Mittelständler neu an und firmiert nun wieder als GmbH. Riverrock dürfte eine weitere zweistellige Millionensumme in die Hand nehmen, um Alno zu sanieren und profitabel zu machen.

Bis Ende 2019 gibt sich der Investor Zeit, dann sollen Gewinne fließen, bestätigte Kresser. Er ist zum Geschäftsführer aufgerückt, nachdem Andreas Sandmann, der schon bei der früheren Alno im Führungsteam war, das Unternehmen Anfang Juli überraschend verlassen hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte im Zusammenhang mit der Alno-Insolvenz auch gegen den im Einzelhandel geschätzten Vertriebsmann Ermittlungen aufgenommen, berichtete das „Manager Magazin“. Sandmann betonte, er sei aus persönlichen Gründen gegangen.

Dunkle Töne oder Curry sind jetzt in. Quelle: Neue Alno
Küche von Alno

Dunkle Töne oder Curry sind jetzt in.

(Foto: Neue Alno)

Im kleinen Löhne interessierte die Besuchergruppen aus Fernost oder Katar die traurige Vorgeschichte weniger. Sie studierten lieber das neue im Modeton grau gehaltene Innenleben der Küchen, prüften die Fronten in Holzstruktur oder Glas. Dunkle Töne oder Curry sind jetzt in. Künftig will Alno rund 60 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielen. 40 Prozent sollen aus dem Inland kommen, schätzt Geschäftsführer Kresser. „Im Ausland sind die Margen höher“, erläuterte er, auch sei die Insolvenz dort meist kein größeres Thema gewesen.

Viel Vertrauen ist zerstört

Ganz anders für Uwe Reimers, der in Deutschland über Jahre drei reine Alno-Küchenstudios betrieb. Er ist infolge der Alno-Insolvenz selbst mit 40 Mitarbeitern in die Insolvenz geschlittert, weil er keine Lieferungen mehr bekam. Schließlich fand er neue Hersteller, die in der Lage waren, die von den Kunden bestellten Küchen im Alno-Stil zu liefern. Diesen Lieferanten will er auch künftig treu bleiben.

Vor wenigen Wochen hat Reimers die Insolvenz hinter sich gelassen. Bis heute hilft Reimers noch den Kunden, fehlende Teile aus unvollständig gelieferten Alno-Küchen zu beschaffen. Die Marke schätzt Reimers nach wie vor, aber er würde künftig allenfalls ein paar Alno-Küchen zu seinem Verkaufsprogramm hinzunehmen. „Wir Händler haben unter der Insolvenz am schwersten gelitten“, sagte er, „nie mehr würde ich mich voll auf Alno einlassen.“

Auch die neue Preisgestaltung kommt im Einzelhandel nicht immer gut an. Über viele Jahre hatte Alno Einkaufsverbände mit hohen Rabatten verwöhnt. „Dabei wusste keiner genau, was die Küchen in der Herstellung kosten“, so Kresser. Alles werde völlig neu durchgerechnet. Man wolle künftig profitabel sein, dazu gehörten auch den Kosten entsprechende Preise. In der Folge hat der größte Einkaufsverband MHK Alno nicht mehr gelistet. Alno arbeitet nun mit der Verbundgruppe „Der Kreis“ aus Leonberg zusammen.

Viel Vertrauen ist zerstört. Deswegen war wohl auch Riverrock Gesellschafter Jason Carley persönlich aus London nach Löhne gereist um drei Tage lang mit potenziellen Geschäftspartnern zu reden. „Das Geschäft neu aufzubauen braucht Zeit“, sagte Carley dem Handelsblatt. Keinesfalls wolle man hier schnell einsteigen und gleich wieder aussteigen.

Vertrauensbildend dürfte auch wirken, dass Alno den neuen Showroom in Löhne gleich für fünf Jahre gemietet hat. „Fünf bis sieben Jahre“, habe man sich für das Engagement als Zeithorizont gegeben, es gebe also keinen Zeitdruck, erläutern die neuen Herren.

Gerne erwähnt Carley auch, dass er für sich und seine Familie selbst eine neue Alno-Küche gekauft hat. „Zum vollen Preis. Das war man bei Alno gar nicht mehr gewohnt“.

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