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Kupfer, Zink, Aluminium Mittelstand bangt um Rohstoff-Nachschub

Ob Kupfer, Zink oder Aluminium: Wichtige Industriemetalle werden immer teurer. Deutsche Mittelständler sehen bereits ihre Versorgung mit Rohstoffen in Gefahr. Verantwortlich für den Preisboom ist vor allem ein Land.
5 Kommentare
Lastwagen in einer Kupfermine in Chile. Quelle: Getty Images
Bergbau

Lastwagen in einer Kupfermine in Chile.

(Foto: Getty Images)

Frankfurt, Düsseldorf Kupfer ist allgegenwärtig. Ohne das rötliche Metall gäbe es keinen Strom, keine Smartphones und keine Computer. In jedem Pkw werden im Schnitt 25 Kilogramm Kupfer verbaut. Der Rohstoff steckt in Maschinen ebenso wie in Konsumgütern und eignet sich wegen seiner guten Leitfähigkeit ideal, um elektrische Energie zu transportieren. Im Zuge der Digitalisierung wird das Metall immer begehrter.

Die Folge: Die Preise für Kupfer explodieren. Seit Jahresbeginn verteuerte sich das wichtigste Industriemetall der Welt um rund ein Fünftel. Der Preis für eine Tonne Kupfer kletterte beständig von etwa 5.500 auf zuletzt mehr als 7.000 Dollar. Auch andere Rohstoffe wie Aluminium oder Zink werden spürbar teurer. Der Grund: Die Nachfrage übersteigt schon heute mitunter das Angebot.

Deutsche Unternehmen beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Immer mehr heimische Firmen befürchten Versorgungsprobleme und noch weiter steigende Rohstoffkosten. Das zeigt eine Studie der Kölner Einkaufsberatung Inverto gemeinsam mit dem Handelsblatt. Dabei wurden Geschäftsführer, Vorstände und Einkaufsleiter in Europa zum aktuellen Status ihres Rohstoffmanagements befragt.

Das Ergebnis: Drei Viertel der Befragten sehen aktuell und zukünftig ihre Versorgung mit Industrierohstoffen in Gefahr. Schlimmer noch: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer erwartet Engpässe und Preisschübe aufgrund drohendender Handelsbarrieren.

„Klar ist: Wann immer der Markt eingeschränkt wird, drohen zumindest kurzfristig Verwerfungen“, sagt Roland Rechtsteiner. Der Rohstoffexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman glaubt, dass es bei einigen Rohstoffen in Folge von Protektionismus lokal zu Preisausschlägen „nach unten wie nach oben“ kommen kann. Erdöl, der meist gehandelte Rohstoff der Welt, sei hingegen seit einigen Jahren extrem resistent gegen politische Krisen. „Weder der arabische Frühling noch zuletzt die Katar-Krise haben zu Versorgungsengpässen oder rasant steigenden Preisen geführt“, erklärt Rechtsteiner.

Preise für Metalle ziehen an, Erdöl bleibt stabil
Platz 19: Erdgas
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Der Verbraucher merkt es meist erst viel später – wenn überhaupt. Doch die Gaspreise sind seit Anfang des Jahres um 24,92 Prozent gesunken, laut „Thomson Reuters/Jeffries CRB Index“ (RJ/CRB-Index). Der Index umfasst 19 verschiedene Rohstoff-Futures, die an Warenterminbörsen gehandelt werden, und gilt als Indikator für die zukünftige Entwicklung der Inflation oder die Kostenentwicklung in der Industrie.

(Foto: dpa)
Platz 18: Orangensaft
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Gut für Gesundheitsbewusste: Der Orangensaft entwickelt sich zum Preisschlager. Seit Jahresbeginn haben die Preise um 15,93 Prozent nachgegeben.

(Foto: Picture Alliance)
Platz 17: Kakao
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Gefallen sind auch die Preise für um 9,17 Prozent seit Januar 2017.

(Foto: dpa)
Platz 16: Heizöl
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Nicht nur Erdgas, auch das Heizöl wird günstiger. Der Preis fällt um 4,99 Prozent seit Januar 2017.

(Foto: dpa)
Platz 15: Lebendrind
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So neugierig das Rind auch schaut, sein Wert an der Börse sinkt: Um 1,2 Prozent fielen die Erträge für Lebendrind seit Beginn des Jahres.

(Foto: dpa)
Platz 14: Zucker
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Süße Sünde, günstige Sünde: Der Zuckerpreis ist kaum merklich gesunken. Derzeit liegt er 0,41 Prozent unter dem Wert für Januar.

(Foto: dpa)
Platz 13: Benzin
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Um einen winzigen Tropfen sinkt der Benzin Preis um 0,22 Prozent im Vergleich zum Januar. Doch in Anbetracht der hohen Inflation rechnen Analysten mit einem zukünftigen Preisanstieg.

(Foto: dpa)

Unabhängig von den Risiken durch geopolitische Konflikte geht Rechtsteiner aber davon aus, dass es gerade bei Metallen wie Kupfer oder Kobalt, die im Zuge der Digitalisierung und Elektrifizierung stark nachgefragt werden, „früher oder später zu Versorgungsengpässen kommen kann“. Bei einzelnen Rohstoffen droht bereits binnen der nächsten Monaten ein Angebotsdefizit.

Noch in diesem Jahr könnte es etwa zu einem Engpass bei Aluminium kommen. Die maßgebliche Ursache dafür ist in Fernost zu finden: Die Chinesen gehören zu den größten Aluminium-Produzenten der Welt. Ein Großteil des Rohstoffs wird mithilfe von Kohle geschmolzen. Über den Winter unterzieht sich das Land aber aus Furcht vor Umweltverschmutzungen einer Rosskur und schränkt die Aluminium-Produktion seiner Werke drastisch ein. Insgesamt könnte das weltweite Angebot um sechs Prozent sinken – und den Aluminium-Markt ins Defizit drücken.

Angebotslücken lassen sich nur langsam schließen


Eine Entwicklung, die James Butterfill, Head of Research beim Fondshaus ETF Securities, auch für den Kupfermarkt prognostiziert: „In den kommenden Jahren erkennen wir bei Kupfer ein Angebotsdefizit“, erklärt Butterfill. Die Rohstoff-Analysten der australischen Bank Macquarie sehen das ebenso. Spätestens 2021 klaffe eine große Lücke gegenüber der erwarteten Nachfrage. „Dann wird der Markt den großen Mangel an Investments in den vergangenen Jahren deutlich zu spüren bekommen“, sagt Alon Olsha, Metall-Analyst von Macquarie. Der Preis für eine Tonne könnte dann auf weit mehr als 7.500 Dollar nach oben schießen.

Riesentrucks und Eisenerz
Eisenerz in Australien
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Das isolierte Wüstengebiet Pilbara in Westaustralien hat eines der reichsten Eisenerzvorkommen der Welt, im Boden liegen Reserven von kaum messbarem Ausmaß. Hier befindet sich unter anderem...

(Foto: Urs Wälterlin)
Mount Whaleback
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...die Grube Mount Whaleback von BHP Billiton. Sie ist eine der größten Eisenerzminen der Welt. Und spürt wie alle Minen Australiens das Ende des Bergbaubooms.

(Foto: Urs Wälterlin)
Es muss gespart werden
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Tausende Bergbaukumpel mussten in den letzten Monaten ihren Helm nehmen. Mit 6,4 Milliarden Dollar fuhr BHP Billiton in diesem Jahr den größten Verlust seiner jüngeren Geschichte ein. Im Boomjahr 2011 machte der Konzern noch einen Rekordgewinn von 23,6 Milliarden Dollar. Noch bis vor kurzem wurden Arbeiter mit Fabelgehältern und Luxuspaketen in die öde Leere der Erzgebiete gelockt.

(Foto: Urs Wälterlin)
Gigantomanie aller Orten
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Trotz zahlreicher Sparmaßnahmen gilt jedoch weiterhin: Alles ist groß in einer australischen Eisenerzmine – und teuer. Dieser Reifen eines „Dump Trucks“ kostet rund 200.000 Euro.

(Foto: Urs Wälterlin)
Monster auf Rädern
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Ein „Dump Truck“: Das ist ein Lastwagen mit bis zu 400 Tonnen Fassungsvermögen, größer als ein Einfamilienhaus. Wer ein solches Monstrum fahren kann, der konnte bisher mit einem Jahresgehalt von 100.000 Euro rechnen. Tag und Nacht transportieren die Laster Erz...

(Foto: Urs Wälterlin)
Vom Lader aufs Fließband
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...zur Fließbandanlage. Das Eisenerz, orangefarbener Staub wenn es aus der Erde kommt, wird von dort auf Züge verladen.

(Foto: Urs Wälterlin)
Rabiate Methoden
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Um das Abgraben des Erzes zu erleichtern, wird der Boden gesprengt.

(Foto: Urs Wälterlin)

Dass die Sorgen vieler Unternehmen vor einer Knappheit bei einzelnen Metallen ernst zu nehmen sind, zeigt auch der Markt für Zink. Das Metall wird vor allem dazu genutzt, Eisen und Stahl rostfrei zu machen. Schon seit einigen Monaten ist der Zinkmarkt im Defizit und wird wohl auch bis 2020 noch in diesem Status verharren. Entsprechend viel kostet das Metall bereits. Seit Jahresbeginn schoss der Preis für eine Tonne Zink um ein Viertel in die Höhe – auf zuletzt 3.200 Dollar.

Das Problem ist: Sobald eine Knappheit bei Industriemetalle besteht, dauert es meist einige Jahre bis die Rohstoffindustrie die Angebotslücke wieder schließen kann. Denn Minen werden nicht von heute auf morgen gebaut. Zudem sind dafür teils Hunderte Millionen Dollar nötig. Rohstoffriesen wie BHP Billiton, Rio Tinto oder Vale wägen daher sehr genau ab, ob es sich wirklich für sie lohnt, in neue Kapazitäten zu investieren.

Der Blick der Konzerne bei ihren Investitionsentscheidungen richtet sich dabei vor allem auf ein Land: China. Das Wohl und Wehe des gesamten Rohstoffmarkts hängt maßgeblich von der Volksrepublik ab. „Mehr als die Hälfte der Nachfrage bei den Industriemetallen stammen aus China“, erklärt Butterfill von ETF Securities. Dass das Land auch künftig metallhungrig bleibt, davon ist der Brite überzeugt.

Nachdem in den vergangenen Jahren die Infrastruktur im Osten des Landes ausgebaut wurde, komme nun unter der „Belt and Road“-Strategie der Westen dran. Dafür wollen die Chinesen die alte Seidenstraße zur Seidenautobahn ausbauen. Dafür würde eine immense Menge Metalle gebraucht. Auch künftig wird das Land also weiter für den größten Nachfrageanteil stehen.

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5 Kommentare zu "Kupfer, Zink, Aluminium: Mittelstand bangt um Rohstoff-Nachschub"

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  • @Sergio Puntila, 02.11.2017, 12:35 Uhr

    "vlt noch mal einen bürgerkrieg anzetteln (...) ?"

    Zynischer Gedanke, aber leider gar nicht so abwegig.

    Trotzdem: Besser nicht.

  • vlt noch mal einen bürgerkrieg anzetteln damits stimmt das mit den quartalszahlen?

    richtig lecker sowas...

  • ... das wichtigste Industriemetall der Welt.....
    ---------------

    Das wichtigste Industriemetall ist Stahl. Werte Herren Streit und Hubik, Sie meinen sicherlich mit Kupfer das wichtigste NE-Metall.

    Es gab immer wieder seit der Koerakrise Zeiten der Haussee und Baissee im NE-Metallbereich, wie Hoger Narrog an einem Beispiel unten aufgezeigt hat.

  • @ Holger Narrog

    Wenn man keine nennenswerten Rohstoffe (mehr) besitzt, dann kann nur noch das HUMANKAPITAL eines Landes Wohlstand generieren. (Bezeichnenderweise ist gerade dieser Begriff von linken Ökonomie-Deppen vor einigen jahren zum "Unwort des Jahres" gewählt worden).
    Hier zehrt Deutschland jedoch von der Substanz, die zudem immer stärker wegbröckelt (bzw. in Länder abwandert, wo es bessere Zukunftsperspektiven gibt, insbesondere auch niedrigere Besteuerung der Leistungsträger und weniger staatliche Eingriffe, Regulierungen und Einschränkungen der Freiheit).
    Ein Staat mit ähnlicher Rohstoffarmut wie Deutschland aber hervorragendem Humankapital ist etwa Südkorea. Aber statt einern Blick nach Asien zu werfen, wie es dort läuft, wollen die Öko-Deutschen viel lieber die Welt missionieren. ;-)
    Wie gesagt, die Substanz ist irgendwann aufgebraucht...

  • In Deutschland werden kaum Rohstoffe abgebaut und so ist Deutschland auf den Weltmarkt angewiesen. Selbst wenn man jedoch mehr eigene Vorkommen nutzen würde, so würden die Minenunternehmen (Gewinn) und Staat (Steuern, Abgaben) dafür sorgen, dass die Mittelständler nicht weniger bezahlen als auf dem Weltmarkt bezahlt wird.

    Der Kupferpreis schwankt und lag vor 2011 so hoch (>8000$/to), dass man in Sachsen ein in 3000m Tiefe gelegenes Vorkommen zu erschliessen gedachte, vor 1 1/2 Jahren lag dieser bei 4500$/to. Minen wurden stillgelegt, Investitionen gestrichen. Einen generellen Kupfermangel sehe ich nicht.

    In Deutschland steht die destruktive Ökoreligion dem Bergbau immer mehr im Weg. Aus ökoreligiösen Gründen verzichtet man auf den Abbau bekannter, wirtschaftlicher Uranvorkommen. Man verzichtet auf den Abbau von Öl und Gas (Fracking) Der Abbau der wirtschaftlich sehr attraktiven Braunkohle wird massiv behindert (Ökoreligion, Klimaschwindel).

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