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Lars Hinrichs Das zweite Leben des Xing-Gründers

Lars Hinrichs will Gründer mit Ideen fördern. Dazu hat er eine "Firmen- Manufaktur" gestartet, die auf langfristigen Erfolg baut. "Hack Fwd" heißt die Investment-Firma, für die der Xing-Gründer noch Geldgeber sucht.
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Lars Hinrichs:

Lars Hinrichs: "Wir werden viele Firmen haben, die mit einem kleinen Team ein Millionen-Publikum glücklich machen."

HAMBURG. Das Klinkergebäude mit den gediegenen Bauplastiken lässt erahnen: Die Stadtbäckerei am Gänsemarkt ist eine Hamburger Institution, ihre Tradition reicht bis ins 17. Jahrhundert. Wenig passend scheint da der Nachbar eine Hausnummer weiter. Xing, das Business-Netzwerk für Kontakte im Internet, hat hier einige Etagen belegt. Und doch - es gibt eine Verbindung. Schöpfer von Xing ist Lars Hinrichs, Urgroßenkel eines der Gründer der Bäckerei.

Über einen Makler habe er die Räume von den Familienangehörigen gemietet, zu marktüblichen Konditionen, beteuert Hinrichs. Er habe sich nicht helfen lassen wollen, sondern aus eigener Kraft Xing zum Erfolg führen wollen.

Das hindert den Hamburger nicht daran, jetzt seinerseits Gründer zu unterstützen, in deren Adern weniger Unternehmerblut fließt. Hack Fwd (sprich: "Hack Forward") nennt Hinrichs seine neue Firma, die er nach dem Verkauf seines Xing-Aktienpakets an den Burda-Verlag für 48 Mio. Euro gegründet hat. Seit Juni ist die Investment-Firma aktiv.

Hack Fwd soll Menschen mit Ideen, die eine Internet-Firma tragen können, den Start als Unternehmer ermöglichen. "Wir wollen die besten europäischen Programmierer aus ihren Tagesjobs befreien", sagt Hinrichs. Die Idee: Hack Fwd zahlt Gründern ein Jahr lang ihr Gehalt weiter. Dafür bauen die eine Firma auf, an der Hack Fwd 27 Prozent bekommt, drei Prozent stehen für Partner bereit.

Zudem bietet Hack Fwd Zugang zu Experten - mit im Board sind der Hamburger Internet-Unternehmer Stefan Richter und der Star-Office-Entwickler und Ex-Yahoo-Manager Marco Börries. Daneben kümmert sich Hack Fwd um den Verwaltungskram. Weil die Gründer satte 30 Prozent von ihrer Firma abgeben müssen, sei das Angebot eher für unerfahrene Gründer ohne eigenes Kapital und Netzwerk interessant, heißt es in der Venture-Capital-Branche.

Hinrichs braucht noch Geldgeber

"Er ist mit seinem Konzept unique", sagt Andreas Thümmler, Gründer von Corporate Finance Partners. Die Beratungsfirma mit angeschlossenem Risikokapitalfonds hat schon den Verkauf von Hinrichs Xing-Anteilen an den Burda-Verlag gedeichselt. Thümmler lobt das standardisierte Vorgehen, mit dem Hinrichs potenzielle Gründer in der Frühphase entdecken und fördern will. So gibt es die Beteiligungsverträge in Formularform zum Download auf der Website. Thümmler will die Idee seinen 150 Investoren aus dem Internet-Sektor empfehlen.

Solche Geldgeber braucht Hinrichs. Wieviel Mittel bislang bereitstehen, will er nicht sagen; die Fonds, mit denen er in Kontakt ist, prüfen noch. Allerdings sind erstmal geringe Summen nötig: Maximal 91 000 bis 191 000 Euro bietet Hack Fwd den Gründern. Zehn Monate hat Hinrichs an dem Konzept gefeilt. Sich Zeit zu nehmen, das ist eine Lehre aus seiner Zeit bei Xing. "Xing wäre vielleicht noch viel größer geworden, wenn wir uns die Zeit genommen hätten, uns genau zu überlegen, mit welchem Angebot wir rausgehen", sagt er. Viel Aufwand hat er in die üppige Hack-Fwd-Website gesteckt.

Eine "gute PR-Strategie" bescheinigt denn auch ein Venture-Capital-Insider Hack Fwd. Ein Lob, bei dem allerdings die Skepsis durchklingt, inwieweit Hinrichs sein eigenes Modell durchsetzen kann. Auch Finanzierungsexperte Thümmler sagt: "Ob es funktioniert und ob man damit viel Geld verdient, wird sich erst nach Jahren zeigen."

Risiko: eine ordentliche Abwicklung

Bisher hat Hack Fwd erst vier Investments vorzuweisen, eines davon in eine Idee des Board-Mitglieds Richter. Sie weist die Richtung: Ein Zusatzprogramm für Googles internetbasierten Kalender soll die Büroorganisation erleichtern. Der Vorteil solcher Ideen: Der Vertrieb läuft über die gängigen App-Stores, etwa von Google und Apple, auf den gängigen Geräten. Anders als die Samwer-Brüder, die Stars unter den deutschen Start-up-Financiers, will Hinrichs keine Kopien von US-Vorbildern stützen. Er will langfristig beteiligt bleiben, nicht schnell verkaufen.

Allerdings weiß er um das Risiko solcher frühen Investments. "Am häufigsten wird eine Lernerfahrung dabei herauskommen", sagt er und meint: eine ordentliche Abwicklung. Firmen mit großer Zukunft will er hingegen bei der zweiten Finanzierungsrunde helfen.

Hinrichs verspricht mehr als Geld: Verständnis für die Technikbegeisterten. So steht in seinem neuen Büro an der Hamburger Bleichenbrücke ein Segway. 2003 hat er sich das Gefährt zugelegt - und will damit der erste Besitzer in Deutschland gewesen sein. Gekauft hat er allerdings gleich drei: zwei zum Weiterverkauf in Europa, um den eigenen damit zu finanzieren. Hinrichs weiß, wie er neue Technik zu Geld macht.

FINANZIERUNG FÜR INTERNET-GRÜNDER

Nach dem Platzen der Internet-Blase hatten Gründer es schwer, an Geld zu kommen. Seit 2005 hilft der Hight-Tech Gründerfonds, den das Bundeswirtschaftsministerium zusammen mit der Wirtschaft betreibt, mit Geld und Know-how. Dazu kommen einige private Investoren: Etwa die Samwer-Brüder in Berlin, die mit dem Klingelton-Anbieter Jamba zu Geld gekommen sind. In unmittelbarer Nähe zu Lars Hinrichs Büro in Hamburg haben zudem der ehemalige Gruner + Jahr-Chef Bernd Kundrun und der Sony-Music-Chef Rolf Schmidt-Holtz im Mai 2010 ihren Start-up-Investor Hanse Ventures ins Leben gerufen. Auch sie wollen Gründer in der Frühphase unterstützen. Solche Initiativen beleben die Internet-Szene: "Inzwischen ist nicht mehr die Seed-Finanzierung die eigentliche Schwierigkeit, sondern die Anschlussfinanzierung", meint Kurt Müller vom Bundesverband der Kapitalbeteiligungsgesellschaften.

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1 Kommentar zu "Lars Hinrichs: Das zweite Leben des Xing-Gründers"

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  • Hinrichs begibt sich auf neue Pfade. Und hat durchaus eine interessante idee. Die Unternehmensbeteiligung von 27 Prozent ist jedoch eine Hausnummer.

    Wenn Hinrichs ein gutes Team um sich aufbaut, das in der Lage ist, Geschäftsideen im iT-bereich und Potentiale von Softwareentwicklern einzuschätzen, hat Hack Fwd eine hohe Erfolgschance.

    Viel Erfolg Herr Hinrichs!

    Oliver Müller-Marc
    9pt Unternehmensberatung

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