Medizin-Start-ups im Pitch Von E-Rollatoren und smarten OP-Handschuhen

Innovative Gründer mischen die Gesundheitsbranche auf. Auf einem Pitch in Essen kämpfen zehn um die Gunst und das Kapital von Business-Angels. Vor so einigen Start-ups sollten sich Medizinkonzerne in Acht nehmen.
Sonovum aus Leipzig, Finalist in der Kategorie Start-ups des Innovationspreises der deutschen Wirtschaft, ermöglicht mit der Akustocerebrografie erstmalig die nicht-invasive Echtzeit-Beobachtung biochemischer Zustände und Veränderungen des Hirngewebes. Gegründet wurde Sonovum 2011 von Miroslaw Wrobel, Rafael Salzberger und Konrad Sell. Quelle: Sonovum
Echtzeit-Gehirndiagnose per Ultraschall

Sonovum aus Leipzig, Finalist in der Kategorie Start-ups des Innovationspreises der deutschen Wirtschaft, ermöglicht mit der Akustocerebrografie erstmalig die nicht-invasive Echtzeit-Beobachtung biochemischer Zustände und Veränderungen des Hirngewebes. Gegründet wurde Sonovum 2011 von Miroslaw Wrobel, Rafael Salzberger und Konrad Sell.

(Foto: Sonovum)

Essen Die Location für den Pitch ist passend gewählt. Die Gründer von zehn Medizin-Start-ups kämpfen in einem nüchternen Hörsaal des Elisabeth Krankenhauses in Essen um die Gunst von Business-Angels. So sieht die „Höhle der Löwen“ für Gründer im realen Leben aus – fernab des TV-Glamours. Genau sieben Minuten hat jedes Start-ups Zeit, seine Geschäftsidee zu präsentieren. Danach können interessierte Investoren fünf Minuten Fragen stellen.

Die Gründer sind sichtlich nervös – schließlich geht es um viel: Geld und Mentoren, um ihr Start-up zum Fliegen zu bringen. Denn Business-Angel helfen mit zwei Flügeln: Kapital und Know-how. Veranstalter ist die Business Angel Agentur Ruhr (BAAR), eine der ältesten Verbände dieser Art in Deutschland.

Grund zur Nervosität haben nicht nur die Gründer – es sind vor allem die etablierten Pharmaunternehmen. Denn sie fürchten nach einer Umfrage nicht etwa ihre direkten Wettbewerber, sondern Start-ups am allermeisten als Konkurrenz. Der Gesundheitsmarkt befindet sich derzeit komplett im Umbruch.

Smarte Medizin-Start-ups
Der intelligente E-Rollator
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Der Rollator mit Elektroantrieb macht das Bergauf- und Bergabfahren bequemer und kann Hindernisse wie Bordsteinkanten leichter überwinden. Außerdem gibt es einen GPS-Notruf und Beleuchtung. Die Firma Emovements aus Stuttgart wurde 2013 von Matthias Geertsema, Max Keßler und Benjamin Rudolph gegründet.

Schutz gegen den „Baby-Schiefschädel“
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45 Prozent aller Babys haben laut Studien einen schiefen Schädel. Das patentierte Ringkissen Babyshell soll dies lindern und vermeiden. Entwickelt von der Ärztin Susanne Kluba wurde das Start-up Kluba Medical 2015 in Düsseldorf gegründet. Mitgründerinnen sind Nicole Klingen und Kathrin Elges.

Die Anti-Tinnitus-App
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Der Duisburger HNO-Arzt Dr. Uso Walter hat mit seinem Team verschiedene Online-Therapien für Patienten mit chronischem Tinnitus entwickelt. Die Firma Mynoise wurde 2013 gegründet und plant demnächst auch eine Trainings-App gegen Schwerhörigkeit.

Helpsy
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Helpsy entwickelt ein Portal für psychologische Beratung per Videokonferenz. Das Start-up aus Essen wurde 2015 von Alexander Pevzner, Sergei Minkov und Martin Poiesz gegründet. 

Echtzeit-Gehirndiagnose per Ultraschall
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Sonovum aus Leipzig, Finalist in der Kategorie Start-ups des Innovationspreises der deutschen Wirtschaft, ermöglicht mit der Akustocerebrografie erstmalig die nicht-invasive Echtzeit-Beobachtung biochemischer Zustände und Veränderungen des Hirngewebes. Gegründet wurde Sonovum 2011 von Miroslaw Wrobel, Rafael Salzberger und Konrad Sell.

Diabetes-Berater als App für die Hosentasche
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Das Start-up Jommi hat bereits einen Broteinheiten-Rechner als App auf den Markt gebracht. Nun soll der Diabetes-Coach folgen, der die Daten der Patienten analysiert und Bewegung und Ernährung individuell managt. Gegründet wurde Jommi von Paul Dziwoki und Tim Poklekowski in Düsseldorf.

Intelligente chirurgische Handschuhe
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sMarterials entwickelt sicherheitsoptimierte, chirurgische Handschuhe. Sie sollen durch ihre hohe Schnitt- und Stichfestigkeit vor infektiösen Nadelstichverletzungen schützen. Die Gründer Martin Bothe, Nikolaus Mirtschin und Michael Schneiker kommen aus Berlin.

Den Anfang beim Pitch macht Sonovum . Das Leipziger Start-up hat ein Stirnband entwickelt, das das Gehirn in Echtzeit per Ultraschall überwachen kann. „So lässt sich schnell eine Diagnose stellen – ohne OP und ohne Strahlenbelastung und dazu zu einem Bruchteil der Kosten von Computertomograph oder MRT“, wirbt Vertriebsleiter Konrad Sell. Die Business-Angels fragen kritisch nach Wettbewerbern. „Die gibt es, aber die messen nur den Zustand des Hirngewebes, nicht die Dynamik“, sagt Sell. Für bis zu zwei Millionen Euro Investment bietet Sonovum bis zu 17 Prozent der Anteile.

Emovements aus Stuttgart hat einen intelligenten E-Rollator entwickelt. Der Elektroantrieb macht das Bergauf- und Bergabfahren bequemer und kann Hindernisse wie Bordsteinkanten leichter überwinden. GPS-Notruf und Beleuchtung gehören zur Grundausstattung. „600.000 Deutsche kaufen im Jahr einen Rollator. Tendenz steigend“, sagt Ingenieur Max Keßler und wirft ein Bild an die Wand, auf dem sich ein Affe vom Urmenschen zum Homo Erectus und am Ende zum Rollator-Fahrer entwickelt. Gelächter im Saal.

Für 1700 Euro wollen die drei Gründer den smarten Rollator im Laden vertreiben. „Bei Aldi gibt es welche ab 65 Euro, unser einziger Konkurrent bietet Ähnliches, aber für bis zu 7.500 Euro. Viel zu teuer.“ Die Investoren fragen nach Lebenszeit des Akkus, Marge und Vertriebspartnern. Keßler pariert alle Fragen und sagt dann: „Ich lade Sie gerne zu einer Testfahrt ein. Der Rollator steht draußen.“

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