Meindl-Schuhe Meindl: Nicht ohne meine Fachhändler

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Nicht nur die großen Sportkonzerne wie Adidas und Puma haben in den vergangenen Jahren verstärkt auf eigene Läden gesetzt, auch Wettbewerber in der Outdoor-Branche bauen Ladenketten auf. Der Wanderschuh-Hersteller Lowa etwa hat sich mit Schöffel, einem Spezialisten für wetterfeste Bekleidung, verbündet. Gemeinsam betreiben die Hersteller eine Reihe von Geschäften in deutschen Großstädten. Der Alpin-Spezialist Salewa, der ebenfalls Stiefel anbietet, ist vor allem in den Bergen mit seinen Läden vertreten.

Neben den - in wirtschaftlich normalen Zeiten - höheren Margen haben die eigenen Shops noch einen weiteren Vorteil: Dort lässt sich das gesamte Sortiment einer Firma zeigen. Das hätte Meindl natürlich auch gerne und arbeitet deshalb eng mit seinen Händlern zusammen, um sie von der Ware zu überzeugen.

Nach Ansicht von Experten geht Meindl den richtigen Weg. "Die Kunden verlangen nun mal nach professioneller Beratung beim Kauf", sagt Hartmut Heinrich von der Hamburger Unternehmensberatung Vivaldi Partners. Ein Fabrikverkauf sei angesichts der Hochpreis-Strategie ohnehin wenig ratsam. Auch von eigenen Läden rät er vehement ab: "Investitionen in Flagshipstores können in schwierigeren Zeiten mittelständische Unternehmen schnell in eine bedrohliche Situation bringen."

Das größte Plus von Meindl gegenüber Händlern und Kunden: die Produktion im malerischen Kirchanschöring, einem Dorf in Sichtweite der bayerischen Alpen in der Nähe von Bad Reichenhall. In den verwinkelten Gebäuden am Ortsrand werden die Stiefel von 250 Mitarbeitern fast komplett in Handarbeit hergestellt. Unter dem Neonlicht der Fabrikhallen sitzen die Näherinnen Seite an Seite mit den Männern, die in der Hitze der Heizgeräte die Sohlen aufkleben. Nur ein paar Meter weiter arbeiten die Designer an den Entwürfen für das nächste Jahr. Es ist eine seit Jahren eingespielte Mannschaft, in der jeder weiß, was er zu tun hat.

Fast jeden Tag führen die Beschäftigten Händler aus ganz Europa durch das Werk. Weil in der Sportbranche der größte Teil des Angebots aus Fernost kommt, ist eine Fabrik hierzulande eine ganz besondere Attraktion. Zudem soll der Besuch eine Verkaufshilfe liefern. "Die einheimische Produktion lässt sich auch als Argument den Kunden gegenüber einsetzen", ist Lukas Meindl überzeugt. Ganz ohne eine günstigere Produktion im Ausland kommt aber auch Meindl nicht aus. In Ungarn und Slowenien werden weniger aufwendige Bergstiefel, leichte Freizeitschuhe in China hergestellt.

Meindl verkauft im Jahr rund eine Mio. Paar Schuhe und kommt damit auf einen Umsatz von etwa 60 Mio. Euro. Der zum Tecnica-Konzern gehörende Rivale Lowa erreicht mit rund 1,8 Mio. Paar 107 Mio. Euro. Dritter im Bund der deutschen Wanderschuhproduzenten ist Hanwag mit dem schwedischen Konzern Fenix Outdoor im Rücken.

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