Merkel und Familienunternehmen Mittelständler wünschen sich „mehr Kante“

Die deutschen Mittelständler hadern mit der Kanzlerin. Das zeigt sich beim Aufeinandertreffen in Berlin. „Gar nicht einverstanden“ sind sie mit der Erbschaftssteuer – und auch in Europa müsse Merkel anders auftreten.
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Die Kanzlerin musste sich in Berlin Kritik vom Mittelstand anhören. Quelle: dpa
Angela Merkel bei den Familienunternehmern

Die Kanzlerin musste sich in Berlin Kritik vom Mittelstand anhören.

(Foto: dpa)

BerlinBrun-Hagen Hennerkes beginnt „mit den Nettigkeiten“: Mit welcher Warmherzigkeit und Herzlichkeit die Kanzlerin den G7-Gipfel gemeistert habe, das nötige Ihm und den deutschen Familienunternehmern sehr großen Respekt ab. Und auch wenn die Stiftung Familienunternehmen, die an diesem Freitag im Hotel Adlon Unternehmer mit einer halben Million Mitarbeitern und 130 Milliarden Euro Jahresumsatz versammelt hat, mit Merkels Griechenland-Politik nicht immer einverstanden sei: Wie die Kanzlerin mit der Ukraine-Krise umgehe und den Minsker-Friedensprozess hartnäckig vorantreibe, das nötige ihm hohen Respekt ab, sagt Hennerkes unter dem Applaus des Publikums.

Dann aber kommt er zu dem Punkt, an dem die versammelten Eigentümer großer Familienunternehmen doch sehr hadern mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und der Kanzlerin: der Erbschaftsteuerreform, für die Schäuble vergangene Woche einen ersten Gesetzentwurf vorgelegt hat, und die schon am 25. Juni das Kabinett beschließen soll. Mit der dort geplanten Bedürfnisprüfung, die Erben von Großunternehmen künftig absolvieren müssen, wenn sie weiter von Erbschaftsteuer verschont werden wollen, hätten die Unternehmer ein großes Problem.

Die Bundesregierung möge sich doch bitte mehr Zeit lassen, das Gesetz zu beschließen, und sich länger mit den Argumenten der Unternehmer gegen das Vorhaben beschäftigen. „Wir sind gar nicht einverstanden, dass gleich drei Richter beim Verfassungsgericht in einem Sondervotum die Verschonung so generell infrage stellen“, sagt Hennerkes.

Doch die große Sorge der Familienunternehmen, sie ist für die Gipfel-Kanzlerin von Elmau nicht das vordringlichste Problem, wie sie in ihrer Rede gleich klarmachen wird. Auch sie beginnt mit Nettigkeiten. Deutschland könne stolz sein auf seine Familienunternehmen, die zum Vorbild in der Welt geworden seien und das Rückgrat der Wirtschaft bildeten. Und sie lobt erst einmal ausführlich alle anderen Tagesordnungspunkte, mit denen sich die Unternehmer auf ihrem zweitägigen Berliner Treffen neben dem Ärgernis Erbschaftsteuer sonst noch beschäftigen: Das Abendessen in der indischen Botschaft zeige, dass sie die Bedeutung dieser großen Volkswirtschaft zu nutzen wüssten. „Da kann etwas in Gang kommen mit der neuen indischen Regierung“, lobt sie und erinnert an den Besuch des Regierungschefs Narendra Modi zur Hannover Messe Industrie.

Und sei schlägt erst einmal den ganz großen Bogen über die gute Konjunktur, die „Herausforderung Digitalisierung“, die Themen Fachkräfte, Zuwanderung und Flüchtlinge, ehe sie sich der Innenpolitik nähert. Auf diesem Feld lobt sie dann zuerst die solide Haushaltspolitik der letzten Jahre, die nun höhere Investitionen ermögliche: ganz ohne Steuererhöhungen, und die kalte Progression in der Einkommensteuer baue die Große Koalition ja nun auch noch ab.

Die zehn größten Familienunternehmen Deutschlands
Die zehn umsatzstärksten Familienunternehmen
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In diesem Haus, Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck, nahm einst die klassische Erfolgsgeschichte eines Familienunternehmens seinen Anfang: Hier hatte die Familie Albrecht einen Tante-Emma-Laden, den die Söhne Theo und Karl Albrecht übernahmen. Sie expandierten und gründeten schließlich die Kette Albrecht-Diskont, kurz: Aldi. Familienunternehmen gelten wahlweise als Wirbelsäule oder Herzstück der deutschen Wirtschaft, 95 Prozent der deutschen Unternehmen sind Familienunternehmen. Doch welche sind am erfolgreichsten? Das Institut für Familienunternehmer hat sich die Umsätze der Firmen angeschaut. Die zehn umsatzstärksten Unternehmen im Ranking.

Platz 10: Heraeus Holding
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Der Grundstein für die Heraeus Holding wurde 1851 in Hanau östlich von Frankfurt am Main gelegt. Dort hat die Holding auch mehr als 160 Jahre später noch ihren Firmensitz. Ihr geistiger Vater war Wilhelm Carl Heraeus, der in der seit 1660 im Familienbesitz befindlichen Einhorn-Apotheke eine einzigartige Methode zur Platinschmelze erfand, welche dem Unternehmen den Weg zum Erfolg ebnete. Heute ist die Holding ein weltweit operierender Technologiekonzern, 2013 mit einem Jahresumsatz von 17,4 Milliarden Euro, circa 13 Milliarden davon macht der Edelmetallhandelsumsatz aus.

Platz 9: Fresenius
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Auch das Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius geht auf eine Apotheke zurück: auf die 1462 gegründete Hirsch-Apotheke, die im 18. Jahrhundert von der Familie Fresenius übernommen wurde. 1912 wurde aus der Apotheke ein Pharmazieunternehmen, das seinen Aufstieg vor allem dem erfolgreichen Vertrieb von Dialyse-Geräten und -Produkten in den 60er Jahren verdankte. 1996 wurde das mittlerweile weltweit größte Dialysegeschäft in das Tochterunternehmen Fresenius Medical Care (selbst Platz 20 im Ranking) ausgelagert. Die Fresenius SE & Co. KGaA weist einen Umsatz von 20,3 Milliarden Euro im Jahr 2013 aus.

Platz 8: Phoenix Pharmahandel
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Die Phoenix Gruppe, der größte Pharmahändler Europas, entstand in den 1990er Jahren. Der berühmte deutsche Unternehmer Adolf Merckle kaufte eine ganze Reihe regionaler Pharmagroßhändler und fasste sie 1994 zur von ihm gegründeten Phoenix Pharmahandel AG zusammen. 21,2 Milliarden Euro erwirtschaftete Phoenix 2013, derzeit versucht man das Geschäft in mehreren europäischen Ländern, beispielsweise in Frankreich und Großbritannien, weiter auszubauen.

Platz 7: Continental
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Deutschlands größter und Europas zweitgrößter Automobilzulieferer hat seinen Ursprung im Konkurs der „Neue Hannoversche Gummiwarenfabrik“, die – von Bankier Moritz Magnus 1869 gekauft und neu aufgestellt – die Basis für den einst reinen Reifenhersteller Continental bildete. In Hannover hat das Unternehmen noch heute seinen Sitz. Zahlreiche Innovationen wie der erste Luftreifen mit Profil ebneten dem Unternehmen, das zur Zeit des Nationalsozialismus auch von Zwangsarbeit profitierte, den Aufstieg. „Conti“ erwirtschaftete 2013 einen Umsatz von 33,3 Milliarden Euro.

Platz 6: Bosch
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Das 1886 von Robert Bosch gegründete Unternehmen entwickelte das erste serienmäßige Antiblockiersystem und war lange der größte Automobilelektronik-Zulieferer der Welt, verlor diese Position allerdings 2012. In automatisierter Verpackungstechnik ist das Unternehmen jedoch weiterhin Weltmarktführer. Mehr als 200.000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2013 einen weltweiten Umsatz von 46,4 Milliarden Euro. Ein Tochterunternehmen von Bosch war die Dreilinden Maschinenbau GmbH, ein Rüstungsbetrieb in Kleinmanchow. Diese zeigte sich für den Arbeitseinsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen verantwortlich.

Platz 5: Aldi
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Sie teilten einst die Republik unter sich auf: Theo und Karl Abrecht, die Gründer von Albrecht-Diskont, kurz Aldi und damit Erfinder des Discounters in Europa. Die Brüder übernahmen 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg den elterlichen Tante-Emma-Laden in Essen und bauten den Betrieb rasch aus. Die Wandlung zum „Discounter“ geschah 1961 aus einer durch die Supermarktkonkurrenz bedingten Unternehmenskrise heraus und stellte sich als größte Innovation des Einzelhandels im 20. Jahrhundert dar. 1960 teilten die Gebrüder Albrecht das Unternehmen schließlich in Aldi Süd (Karl) und Aldi-Nord (Theo) auf. Zusammengenommen machten die Konzerne 2013 einen Umsatz von 62,2 Milliarden Euro. Das sind allerdings nur Schätzzahlen: Aldi ist für seine Verschwiegenheit bezüglich Geschäftszahlen bekannt.

„Sie sehen, wir nähern uns dem Thema Erbschaftsteuer“, rückt sie zur Problemzone vor – um zunächst daran zu erinnern, dass die heutigen Verschonungsregeln für Betriebserben eine Erfindung ihrer ersten Großen Koalition gewesen sind. „Die haben sich bewährt“, sagt Merkel. Nach dem Karlsruher Urteil gehe es nun weiterhin um den Erhalt der Arbeitsplätze – aber auch um Verfassungsfestigkeit: Da möchten doch die Familienunternehmer bitte nicht die Akteure verwechseln: „Die Bedürfnisprüfung hat sich nicht die Politik ausgedacht.“

Die Justiz sei nun einmal unabhängig, und zum Ausgangspunkt, wie er jetzt sei, „können wir nicht zurückkehren“, sagt Merkel. Und schiebt sodann die klare Absage an den Wunsch Hennerkes nach Aufschub des Kabinettsbeschlusses hinterher. „Lassen Sie uns jetzt den Gesetzentwurf beschließen, dann gilt in Bundestag und Bundestag noch immer das Struck‘sche Gesetz, nach dem kein Gesetz so aus dem Parlament herauskommt wie es hineinging.“ Die Familienunternehmer könnten ja auch mit ihren Landesregierungen reden, denn die müssten ja im Bundesrat auch zustimmen, die schwarzen wie die rot-grünen, so Merkel.

Merkel wirbt um Verständnis für die EZB
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1 Kommentar zu "Merkel und Familienunternehmen: Mittelständler wünschen sich „mehr Kante“"

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  • Was interessiert die (Ex?)-Sozialistin der Scheiss-Mittelstand? Der soll zahlen und die Schnauze halten, sonst wird er vollends abgeschafft.

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