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Mifa-Nachfolger Großauftrag von Nextbike: Fahrradbauer Sachsenring mit Zuversicht

Der ostdeutsche Radhersteller hat nach der Pleite wieder einige prestigeträchtige Aufträge. Die Strafzölle auf chinesische E-Bikes geben Rückenwind.
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Nextbike: Fahrradbauer Sachsenring strotzt vor Zuversicht Quelle: Nextbike
Leihfahrräder von Nextbike

Die Sachsenring Bike Manufaktur, hervorgegangen aus der insolventen Mifa, hat einen Großauftrag erhalten. 40.000 Fahrräder werden für das Leipziger Unternehmen Nextbike 2019 in Sangerhausen produziert.

(Foto: Nextbike)

DüsseldorfZwei Insolvenzen in drei Jahren – davon erholen sich nur die wenigsten Unternehmen. Als der Coburger Investor Stefan Zubcic im August 2017 die Reste des traditionsreichen Radbauers Mifa im Südharz übernahm, waren die Auftragsbücher komplett leer. Denn die enttäuschten Kunden glaubten nicht mehr an eine Rettung. Zumal Investor Zubcic branchenfremd ist.

Der ehemalige Automanager machte einen klaren Schnitt und benannte die Mifa in Sachsenring Bike Manufaktur um. Die Namensrechte des Herstellers des DDR-Kultautos Trabant hatte sich Zubcic aus einer anderen Insolvenz gesichert. Nun hat Sachsenring einen Großauftrag des Fahrradverleihers Nextbike erhalten. Das erfuhr das Handelsblatt vorab. 40.000 Fahrräder lässt das Leipziger Unternehmen - nach eigenen Angaben größter Fahrradverleiher Deutschlands und europäischer Marktführer - in diesem Jahr bei Sachsenring fertigen.

„Wir montieren nach wie vor auch Räder in unserer eigenen Produktionsstätte in Leipzig“, so Ralf Kalupner, Geschäftsführer und Gründer von Nextbike. Aber die Nachfrage nach Bike Sharing-Systemen sei immens, so dass Nextbike nun den Großauftrag an Sachsenring vergeben hat. Nextbike ist in mehr als 150 Städten weltweit tätig - von Pittsburgh bis Dubai. Mehr als die Hälfte der Räder, die Sachsenring für Nextbike baut, sind E-Bikes für den deutschen und europäischen Markt.

„Es war knochenhart, überall herumzureisen und das Vertrauen von verprellten Kunden wiederzugewinnen“, erzählt der Chef des Radbauers Sachsenring im Gespräch mit dem Handelsblatt. Doch in diesem Jahr will Zubcic die Wende schaffen. „2019 wird unser Jahr“, ist er überzeugt. Dann sollen 200.000 Räder oder mehr in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) montiert werden.

Zum Vergleich: Zu Hochzeiten der Mifa liefen mehr als 700.000 Räder vom Band – vor allem für Discountketten. „Discounter sind weiter wichtig für die Auslastung unseres Werks, aber werden nie wieder die Dominanz haben wie bei der Mifa“, so Zubcic.

Die ehemalige Mifa will das Billigimage als Massenhersteller abstreifen. Sachsenring Bike setzt deshalb wie immer mehr deutsche Radbauer auf hochwertige Modelle mit Elektroantrieb. In diesem Jahr sollen schon 70 bis 80 Prozent der in Sangerhausen produzierten Räder E-Bikes sein, hofft Zubcic.

„E-Bikes sind der Wachstums- und Innovationstreiber der deutschen Fahrradbranche“, konstatiert Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrieverbands (ZIV). Mehr als jedes fünfte verkaufte Fahrrad hierzulande ist heute ein E-Bike. 2018 dürften es knapp 900.000 elektrisch angetriebene Räder gewesen sein.  

Rückenwind bekommen E-Bike-Hersteller wie Sachsenring auch von den neuen Anti-Dumpingzöllen der EU gegen Importe aus China. Die sind seit Mitte Juli provisorisch in Kraft und wurden Mitte Januar von der EU-Kommission für fünf Jahre bestätigt. Bisher gab es nur EU-Schutzzölle für normale Fahrräder aus China.

Sachsenring profitiert von diesen Strafzöllen. Denn so einige Importeure aus  Europa und chinesische Produzenten suchen Alternativen und lassen jetzt im Südharz fertigen.

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„Es ist das erste Mal, dass es gelingt, Arbeitsplätze aus China zurückzuholen“, freut sich Zubic. Er hofft, dass deutsche E-Bike-Bauer durch die Strafzölle wieder konkurrenzfähig werden. „Durch staatliche Subventionen und Exportförderung in China, gab es bisher keinen fairen Wettbewerb“, bestätigt Siegfried Neuberger vom ZIV.

Auftragsbücher füllen sich wieder

Sachsenring fertigt E-Bikes unter eigenen Marken und für andere Hersteller. Ende September wurde bekannt, dass Sachsenring einen Großauftrag von der Schweizer E-Bike-Firma My Stromer bekommen hat. Die Modelle ST3 und ST5 (Verkaufspreis: 9500 Euro) werden in Sangerhausen gefertigt und in Europa und den USA verkauft. Die Partnerschaft ist auf mehrere Jahre ausgelegt und der größte Einzelauftrag in der Geschichte von Mifa/Sachsenring.

Die Auftragsbücher in Sangerhausen füllen sich langsam wieder. Mit 135 von einst 520 Mitarbeitern war Zubcic 2017 nach der Insolvenz gestartet, nun sind es 180. Zur Jahresmitte sollen es mehr als 200 Beschäftigte sein. Sachsenring baut 19 eigene Marken wie Steppenwolf, Grace und Vaun. 2019 kommen neue, selbst entwickelte Modelle auf den Markt.

Daneben fertigt Sachsenring für andere Marken in Lizenz – wie für Nextbike. Darüber hinaus werden hochwertige Carbonräder etwa für die italienische Edelmarke Pininfarina montiert, die bis zu 6000 Euro kosten. „Wir haben noch freie Kapazitäten“, betont Zubcic.

Auch Lastenräder werden immer beliebter. In Sangerhausen werden solche Räder bereits seit über zehn Jahren entwickelt, gebaut und vertrieben. Lastenräder aus dem Südharz verrichten tausendfach ihren Dienst in der Briefzustellung, im Werksverkehr oder beim Handwerker. Auch dieser Bereich soll ausgebaut werden.

Zudem hat Zubcic neue Vertriebswege eröffnet. Durch den direkten Verkauf von Rädern übers Internet etwa will Sachsenring ein interessantes Preis-Leistungsverhältnis bieten. „Unsere Kunden bestellen heute durchaus Modelle für 5000 Euro im Onlineshop und setzen eine smarte Betreuung voraus“, erklärt Zubcic. Die online bestellten Räder werden von Fachpersonal an die Haustür geliefert, montiert und erklärt.

Auch die Wartung kann auf Kundenwunsch durch die „Flying Doctors“ – die eigene Serviceflotte von Sachsenring – bundesweit stattfinden. Für diesen Vor-Ort-Service von Sachsenring interessierten sich laut Zubcic mittlerweile auch einige Unternehmen aus der Zweiradbranche.

E-Bikes, Carbon- oder Lastenräder liegen nicht nur in Deutschland im Trend. So will sich Sachsenring Bike in Zukunft auch stärker auf Auslandsmärkte ausrichten. „Wir werden da präsent sein, wo unsere Produkte und Dienstleistungen gefragt sind“, sagt der Unternehmer, dem Verhandlungspartner bescheinigen, er wisse genau, was er wolle.

Räder „made in Germany“ haben weltweit schon immer einen guten Ruf. Schließlich wurde das Fahrrad vor gut 200 Jahren von Karl von Drais in Deutschland erfunden. Und seit 112 Jahren werden Räder in Sangerhausen gebaut.

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