Mifa Traditions-Fahrradhersteller ist erneut pleite

Bittere Nachricht für den Fahrradhersteller Mifa: Zweieinhalb Jahre nach der letzten Insolvenz ist das ostdeutsche Traditionsunternehmen erneut pleite. Auch ein neuer Geschäftsführer ist eingesetzt.
Update: 04.01.2017 - 18:52 Uhr Kommentieren
Der Fahrradhersteller aus Sachsen-Anhalt hat erneut Insolvenz eingereicht. Quelle: dpa
Mifa-Produktion in Sangerhausen

Der Fahrradhersteller aus Sachsen-Anhalt hat erneut Insolvenz eingereicht.

(Foto: dpa)

SangerhausenDer ostdeutsche Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen hat kurz nach der Inbetriebnahme eines neuen Werks überraschend erneut Insolvenz beantragt. Die Mifa-Bike GmbH reichte den Antrag am Mittwoch beim Amtsgericht Halle ein, wie ein Gerichtssprecher sagte. Zuerst hatte die „Mitteldeutschen Zeitung“ in Halle darüber berichtet.

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) erklärte in Magdeburg: „Die jetzt angestrebte Insolvenz in Eigenverwaltung kann ein geeigneter Weg sein, Mifa wieder auf wirtschaftlich gesunde Füße zu stellen.“

Die „Mitteldeutschen Fahrradwerke“ hatten im September 2014 Insolvenz anmelden müssen, weil der vorgesehene Einstieg des indischen Konzerns Hero gescheitert war. Wenige Monate später übernahm der Unternehmer Heinrich von Nathusius die Firma. Nun gab er die Position des Geschäftsführers ab. Der Berliner Anwalt Joachim Voigt-Salus hat seit Dienstagabend die Position inne, wie er auf Anfrage bestätigte. Die Familie von Nathusius stehe aber weiter zum Unternehmen, betonte Voigt-Salus.

Mifa blickt auf eine lange Geschichte zurück. Gegründet wurde das Werk vor dem Ersten Weltkrieg. Nach der Umstellung auf Rüstungsgüter im Zweiten Weltkrieg wurde es ein Volkseigener Betrieb (VEB), der nach der Wende an die Treuhand ging. In den 90er-Jahren folgten Privatisierung, Börsengang und der Zukauf kleinerer Hersteller – der Jahresumsatz kletterte auf mehr als 100 Millionen Euro. Hauptinvestor war zeitweise der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer.

Diese Traditionsfirmen gingen insolvent
Beate Uhse (2017)
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Der Erotik-Händler Beate Uhse setzte auf falsche Strategien und verschlief Trends. Die Folge: 18 Jahre nach seinem Börsengang im Jahr 1999 beantragte das Unternehmen im Dezember 2017 Insolvenz in Eigenregie. Parallel läuft nun der Verkaufsprozess. Beate Uhse wurde 1946 von der früheren Luftwaffenpilotin Beate Rotermund-Uhse gegründet, 1962 eröffnete ihr Unternehmen in Flensburg den ersten Sexshop der Welt.

Air Berlin (2017)
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Selten wurde eine Insolvenz so intensiv öffentlich ausgebreitet wie bei Air Berlin. Seit sich die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft im August 2017 für zahlungsunfähig erklärte, verschwand der Konzern nicht mehr aus den Schlagzeilen. Die Firmenpleite war wohl die spektakulärste des Jahres 2017, dabei kam sie nicht mal überraschend: Es galt als sicher, dass Air Berlin das Jahr nicht in seiner bisherigen Form überleben würde. Die roten Schokoherzen der 1978 gegründeten Fluggesellschaft sind jetzt Sammlerstücke.

Solarworld (2017)
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Die 1988 gegründete Solarworld AG musste nach sechs verlustreichen Jahren im Mai 2017 Insolvenz anmelden. Der Gründer und Chef des Photovoltaikkonzerns, Frank Asbeck, kaufte einige Monate später die beiden deutschen Fabriken und mehrere Tochtergesellschaften im Ausland. Investoren aus Katar unterstützen Asbeck bei dieser Teilrettung.

Alno (2017)
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Für die 410 Mitarbeiter des insolventen Küchenherstellers Alno gab es Ende des Jahres 2017 doch noch eine gute Nachricht. Finanzinvestor River Rock kaufte den Konzern für 20 Millionen Euro und will den Betrieb, der schon längst eingestellt war, weiterlaufen lassen. Damit können fast alle Mitarbeiter mit dem Erhalt ihres Arbeitsplatzes rechnen – obwohl sie zuvor nach Hause geschickt worden waren. Lange Zeit war kein Käufer in Sicht. Alno wurde 1927 als Schreinerei in Wangen bei Göppingen gegründet, der Name stammt von Gründer Albert Nothdurft.

Deutsche Touring (2017)
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Die fast 70 Jahre alte Deutsche Touring musste im April 2017 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit den Gang zum Amtsgericht antreten. Das 1948 gegründete Unternehmen wollte sich neu aufstellen, um auch künftig in der von einem aggressiven Preiswettbewerb gekennzeichneten Branche bestehen zu können. Der Fernreisebus-Anbieter aus Eschborn bei Frankfurt betreibt nach eigenen Angaben 260 Linien und Zubringerstrecken in 34 europäischen Ländern. Im August 2017 übernahm der langjährige Partner CroatiaBus/Globtour den Geschäftsbetrieb und führt den Linienverkehr fort.

Mifa (2014 und 2017)
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Der Fahrradhersteller Mifa aus Sachsen-Anhalt meldete im September 2014 Insolvenz in Eigenverwaltung an. Im Dezember 2014 übernahm die Unternehmerfamilie Nathusius den Fahrradhersteller. Im Dezember 2016 wurde ein neues Werk in Sangerhausen eröffnet. Doch schon im Januar 2017 musste Mifa überraschend erneut Insolvenz anmelden. Nach dem Verkauf an den Unternehmer Stefan Zubcic nahm das Unternehmen unter dem neuen Namen Sachsenring Bike Manufaktur im August 2017 die Produktion wieder auf.

Sinn-Leffers (2008 und 2016)
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Die Modekette Sinn-Leffers hat im September 2016 erneut Insolvenzantrag gestellt. Die beiden traditionsreichen Modehändler Sinn und Leffers hatten 1997 fusioniert, von 2001 bis 2005 gehörte das Unternehmen zum Essener Karstadt-Quelle-Konzern, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen wurde. 2008 ging Sinn-Leffers schon einmal in die Insolvenz, bei der rund die Hälfte der Filialen geschlossen wurde. 2013 übernahm der Textilunternehmer Gerhard Wöhrl die Kette. Im Juli 2017 wurde das zweite Insolvenzverfahren aufgehoben.

2014 kam es dann – obwohl die Firma teils weniger als den heutigen Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde zahlte – zur Insolvenz. Denn in den Bilanzen für mehrere Jahre waren Fehler gefunden worden, Millionenverluste taten sich auf. Das Unternehmen war plötzlich überschuldet.

Mifa hat derzeit gut 500 Mitarbeiter und produziert jährlich rund 400.000 Räder. Die Löhne und Gehälter seien über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert, sagte ein Mifa-Sprecher.

Erst im Dezember hatte der Fahrradhersteller ein neues Werk bezogen. Eigentümer Heinrich von Nathusius hatte angekündigt, dass Mifa Anfang Januar komplett im neuen Werk produzieren wolle. Von Nathusius wollte es zum kostengünstigsten Fahrradwerk Europas machen.

Die Landrätin des Landkreises Mansfeld-Südharz, Angelika Klein, zeigte sich überrascht von dem Insolvenzantrag. „Dies kommt zudem sehr überraschend, da zumindest Herr von Nathusius gegenüber dem Landkreis stets kommuniziert hat, dass trotz aller Schwierigkeiten das Unternehmen auf sicheren Füßen steht.“ Und: „Bleibt zu hoffen, dass es durch die angekündigte Restrukturierung des Unternehmens in Eigenregie gelingt, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten.“ Den Geschäftsbetrieb will Mifa nach eigenen Angaben in vollem Umfang fortführen.

  • HB
  • dpa
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