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Mikroelektronik Staatsgeld für die Forschung

Die deutsche Mikroelektronik-Forschung kann sich durchaus international messen. Das liegt vor allem an der staatlichen Unterstützung. In Deutschland werden innovative Unternehmen besonders gefördert. Das begünstigt längerfristige Forschung, doch für große Projekte fehlt oft das Geld.
  • Sarah Roth
Mikroelektronische Innovationen werden in Deutschland staatlich gefördert. Quelle: dpa

Mikroelektronische Innovationen werden in Deutschland staatlich gefördert.

(Foto: dpa)

AUGSBURG. In den 80er Jahren hatte die deutsche Mikroelektronik die Nase im internationalen Wettbewerb vorn: Siemens kaufte sich mit einer Lizenz von Toshiba in die Speicherchipproduktion ein und IBM stellte den weltweit ersten 4-Megabit Chip vor. "Heute bleibt die deutsche Mikroelektronik als durchdringende Basistechnologie in vielen Branchen eher im Hintergrund", sagt Joachim Burghartz, Leiter des Instituts für Mikroelektronik Stuttgart (IMS Chips). In der Basistechnologie heißt es vor allem Forschen und Entwickeln. Und tatsächlich: Die deutsche Mikroelektronik-Forschung kann sich durchaus international messen, etwa mit den USA - trotz des enormen Unterschieds der beiden Forschungslandschaften.

Was in den USA die Wirtschaft übernimmt, regelt in Deutschland vor allem der Staat. Statt Wissenschaftler auf die Suche nach Privatkapitalgebern zu schicken, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Forschungsprojekte mit Steuergeldern. Grundsätzlich ein guter Ansatz, findet Institutsleiter Burghartz. Denn während die Industrie ihre Mittel bei Misserfolg kurzfristig zurückziehen kann, bleibt der Staat einem Projekt meist länger treu. "Allerdings sind die Mittel des Staates oft zu begrenzt für die aufwändigen und teuren Forschungen in der Mikroelektronik", sagt Burghartz, der elf Jahre in den USA gelebt und geforscht hat. Bei der Umsetzung der Forschung in Produkte und Anwendungen hat Deutschland trotzdem die Nase vorn, glaubt der Experte: "Meiner Meinung nach sind wir in Deutschland im Vergleich zur USA insgesamt erfolgreicher darin, wissenschaftliche Entwicklungen in Geld zu wandeln. Es gibt hier nur weniger Leuchttürme."

Den Erfolg bei der Umsetzung deutscher Mikroelektronikforschung rechnet Burghartz dabei vor allem kleinen Einrichtungen zu, wie den Fraunhofer-Instituten oder den Instituten der Innovationsallianz Baden-Württemberg. Deutsche Großforschungszentren wie Max-Planck oder Helmholtz seien oft zu politisch und wenig zugängig für die deutsche Industrie, die vor allem aus kleinen und mittelständischen Unternehmen besteht.

Wie wichtig die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft in der Mikroelektronik aber sein kann, zeigen die USA. Hier kommen Forschungsgelder vor allem aus der Industrie. Die amerikanische Venture Capital-Kultur erlaubt es Forschern, kurzfristig an viel Geld zu kommen. Amerikanischen Unternehmergeist nennt das Gerd Teepe, Direktor des Dresden Design Center der AMD Saxony LLC & Co.KG: "In den USA bekommt ein guter Wissenschaftler schnell viel Geld für sein Projekt - er muss nur einen Unternehmer von seiner Idee überzeugen." Der Nachteil an solchen flexiblen Geldquellen: Die Industrie will für ihr Geld auch etwas sehen. Und zwar in absehbarer Zeit. "Passiert das nicht, kann die Industrie ihr Kapital schnell wieder vom Projekt abziehen", weiß Teepe. Staatliche Förderprogramme ermöglichen deutschen Forschern dagegen kontinuierliche Forschungen, die auch mal mehrere Jahre dauern können. Für die Basisforschung, gerade in der Nanotechnologie, sei diese lückenlose Förderung ein entscheidender Vorteil, sagt der AMD-Experte.

Ein Problem sieht Teepe eher im kleinteiligen Aufbau der deutschen Forschungslandschaft: "Jedes Land oder sogar jede Stadt will ein eigenes Forschungsinstitut einrichten." Die finanzielle Masse für ein Großprojekt in der Mikroelektronik-Forschung sei so kaum mehr zu stemmen. Dazu kommen langwierige Antragsprozeduren, während in Amerika in kurzer Zeit Millionen fließen. "Den administrativen Aufwand müsste man in Deutschland zurückschrauben", kritisiert Teepe das deutsche Forschen nach genauem Plan. Und lobt im gleichen Atemzug: "Abgesehen davon ist die deutsche Forschungslandschaft sehr ideenreich und vielseitig." Dass Deutschland weiterhin im internationalen Innovationswettlauf mithalten kann, steht für Teepe außer Frage.

Joachim Pelka, Leiter der Geschäftsstelle des Fraunhofer-Verbunds Mikroelektronik in Berlin sieht die Lage der deutschen Mikroelektronik-Forschung weniger positiv. Forschungskooperationen zwischen Deutschland und den USA bezeichnet er als "pure Notwehr" gegen die scharfe Konkurrenz aus Asien. Um mithalten zu können, sollte Deutschland lieber die Grundlagenforschung hochhalten, sagt der Experte für Mikroelektronik. Warum die Basisforschung so wichtig ist? "Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik sind strategische Schlüsselindustrien für viele andere Industriezweige von der Automobilherstellung bis hin zur Kommunikationsbranche." Statt solche Grundlagen zu fördern, fragen das BMBF und der Fraunhofer-Verbund aber lieber nach der praktischen Umsetzung, kritisiert Pelka die neue Nähe zur Industrie. Für die Basis bleibt kaum Geld.

Deutsche Universitäten haben ein ähnliches Problem, weiß Joachim Burghartz: "Die meisten staatlichen Mittel gehen an große Forschungseinrichtungen wie Max Planck und Helmholtz - für die Universitäten bleibt nur wenig übrig."

In den USA ist das Werben um Drittmittel aus der Industrie dagegen an Unis üblich. "Professoren sind dort keine Institutsdirektoren, sondern Einzelkämpfer, die sich ganz auf die Lehre, ihre Forschungsarbeit und das Werben der dafür nötigen Mittel konzentrieren können", sagt Burghartz.

Eine Lösung für das finanzielle Dilemma an deutschen Unis versucht man nun in Karlsruhe und Aachen zu finden. Hier sollen Universitäten mit den Helmholtzzentren vor Ort kooperieren, denen mehr Fördermittel zur Verfügung stehen. Der Ansatz sei schon gut, sagt Institutsleiter Burghartz. "Aber inwieweit das zum Erfolg führt, muss sich erst noch zeigen."

Was der deutschen Mikroelektronikforschung noch fehlt, erklärt Gerd Teepe von AMD: "Technoparks und Spin-offs von Universitäten müssen mehr gefördert werden, um das Potenzial der Unis in die Wirtschaft zu verlängern." Das Problem: Auch hier werden nur staatliche Mittel eingesetzt. Und die sind auf lange Sicht zu begrenzt für solche Großprojekte.

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