Mitarbeiterbeteiligungen Wenn die Firma allen gehört

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Bei den geplanten Beteiligungsfonds gibt es noch offene Fragen

Der Verwaltungsaufwand bei der Umsetzung dieser Beteiligungsformen ist größer als etwa bei Belegschaftsaktien. BDI und BDA sehen aber keinen Bedarf, Beteiligungsmodelle für Personenunternehmen zu erleichtern. Es sei sinnvoller, Erfolgsbeteiligungen und Altersvorsorge zu stärken, sagt Reinhard Kudiß vom BDI. Für die Arbeitgeber ist das Thema auch deshalb heikel, weil das Personal je nach Ausgestaltung der Kapitalbeteiligung Einfluss auf betriebliche Entscheidungen gewinnt. Bei der Union Maschinenfabrik in Chemnitz waren die Beschäftigten zehn Jahre lang Alleineigentümer und verfügten über alle Stimmrechte. Auch nach dem Einstieg des Finanzinvestors Nimbus 2006 behielt die Belegschaft über ein Viertel der Anteile und damit die Sperrminorität.

Aus Sicht von Union-Geschäftsführer Kurt Hermans passen die Regierungsvorschläge nicht zum Beteiligungsmodell seiner Firma. Union-Mitarbeiter bekommen die Anteile nicht verbilligt, sondern zahlen den vollen Kaufpreis. Von Steuerfreibeträgen – ob in ihrer aktuellen Höhe oder nach der geplanten Anhebung - haben sie also nichts.

Auch bei den geplanten Beteiligungsfonds gibt es noch offene Fragen. Die Politiker wollen auch Investitionen in spezielle Mitarbeiter-Anlagegesellschaften fördern, damit das Ausfallrisiko der Anlage in ein Unternehmen sinkt. Unter anderem stellt sich aber die Frage, ob diese Fonds ihr Vermögen erfolgreich investieren können, wenn sie mit anderen Finanziers um Anlagemöglichkeiten konkurrieren. Aus Sicht von BDI und BDA fehlt beim Fondskonzept zudem die Bindung der Belegschaft an den Betrieb. Die vorgesehene Risikominderung wäre auch anders möglich gewesen. Waltraud Wolf, Vorstandsvorsitzende des Verbands der Bürgschaftsbanken, hatte ihre Bereitschaft signalisiert, die Mitarbeiterbeteiligungen abzusichern.

Die neuen Modelle werden beim Mittelstand wohl keinen Boom der Mitarbeiterbeteiligung auslösen. Dabei sind solche Modelle in anderen Ländern schon verbreitet. In Großbritannien räumt die Hälfte der Unternehmen ihren Mitarbeitern Beteiligungen ein. In Frankreich bieten sogar 80 Prozent Belegschaftsbeteiligungen an. Dort will die Regierung die Mitarbeiterbeteiligung auch mit Steueranreizen weiter ausbauen. Bis 2010 sollen Firmen 20 Prozent der zusätzlichen Ausschüttungen an die Beschäftigten von der Steuer abziehen können.

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