Mittelständler beliefern das Silicon Valley Auch ein Tesla will lackiert werden

Ein schwäbischer Maschinenbauer schnappt sich seinen größten Auftrag im Silicon Valley – und auch Apple-Chef Tim Cook hat deutsche Lieferanten als „die besten der Welt“ gelobt. US-Technik-Pioniere lieben den Mittelstand.
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Von 30.000 auf 500.000 Stück will Tesla seine Produktionskapazität erhöhen. Eisenmann aus Böblingen liefert dafür Lackiertechnik. Quelle: PR
Auftrag aus USA

Von 30.000 auf 500.000 Stück will Tesla seine Produktionskapazität erhöhen. Eisenmann aus Böblingen liefert dafür Lackiertechnik.

(Foto: PR)

San FranciscoDas Familienunternehmen Eisenmann aus dem württembergischen Böblingen hat nach eigenen Angaben den größten Auftrag seiner Firmengeschichte an Land gezogen. Für einen laut Vorstandschef Matthias von Krauland „dreistelligen Millionenbetrag“ liefert das Unternehmen Lackierstraßen an den Elektroauto-Hersteller Tesla aus dem Silicon Valley. Die zwei Anlagen sind Teil der geplanten Kapazitätsausweitung bei Tesla von 30.000 auf 500.000 Einheiten pro Jahr. Die 174 Lackierroboter in der Anlage kommen von Dürr aus Bietigheim-Bissingen.

Diese Aufträge sind kein Zufall, denn natürlich sind auch US-Technologiepioniere auf zuverlässige Lieferanten angewiesen. Und deutsche Mittelständler können von ihrem Qualitätsruf profitieren und weiter mit wachsenden Ausfuhren in die USA rechnen. Die Managementberatung Bain & Co rechnet in ihrer Studie „Go West“ für Maschinen- und Anlagenbauer ein Wachstum der US-Importe aus Deutschland von 28 Prozent bis 2017 vor. Ein Grund: „Die hiesige Exportstruktur entspricht den Bedürfnissen der zu alter Stärke zurückkehrenden US-Wirtschaft“, so die Berater.

Wie attraktiv deutsche Zulieferer sind, zeigt sich auch in San Francisco. An Pier 17, nahe des Touristen-Highlights Fishermans Wharf, steht eine umgebaute historische Lagerhalle. Der Duft von Schokolade liegt verführerisch in der Luft. Eine süße Mischung aus Kakaomasse, Zucker, Kakaobutter und geheimen Zutaten fließt, wird gewalzt, erhitzt und wieder abgekühlt. Aus einer großen Trommel gießt sich die Rohmasse zur Weiterverarbeitung in Formen, die langsam über eine U-förmige Fertigungsstraße wandern.

Die zehn größten Familienunternehmen Deutschlands
Die zehn umsatzstärksten Familienunternehmen
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In diesem Haus, Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck, nahm einst die klassische Erfolgsgeschichte eines Familienunternehmens seinen Anfang: Hier hatte die Familie Albrecht einen Tante-Emma-Laden, den die Söhne Theo und Karl Albrecht übernahmen. Sie expandierten und gründeten schließlich die Kette Albrecht-Diskont, kurz: Aldi. Familienunternehmen gelten wahlweise als Wirbelsäule oder Herzstück der deutschen Wirtschaft, 95 Prozent der deutschen Unternehmen sind Familienunternehmen. Doch welche sind am erfolgreichsten? Das Institut für Familienunternehmer hat sich die Umsätze der Firmen angeschaut. Die zehn umsatzstärksten Unternehmen im Ranking.

Platz 10: Heraeus Holding
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Der Grundstein für die Heraeus Holding wurde 1851 in Hanau östlich von Frankfurt am Main gelegt. Dort hat die Holding auch mehr als 160 Jahre später noch ihren Firmensitz. Ihr geistiger Vater war Wilhelm Carl Heraeus, der in der seit 1660 im Familienbesitz befindlichen Einhorn-Apotheke eine einzigartige Methode zur Platinschmelze erfand, welche dem Unternehmen den Weg zum Erfolg ebnete. Heute ist die Holding ein weltweit operierender Technologiekonzern, 2013 mit einem Jahresumsatz von 17,4 Milliarden Euro, circa 13 Milliarden davon macht der Edelmetallhandelsumsatz aus.

Platz 9: Fresenius
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Auch das Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius geht auf eine Apotheke zurück: auf die 1462 gegründete Hirsch-Apotheke, die im 18. Jahrhundert von der Familie Fresenius übernommen wurde. 1912 wurde aus der Apotheke ein Pharmazieunternehmen, das seinen Aufstieg vor allem dem erfolgreichen Vertrieb von Dialyse-Geräten und -Produkten in den 60er Jahren verdankte. 1996 wurde das mittlerweile weltweit größte Dialysegeschäft in das Tochterunternehmen Fresenius Medical Care (selbst Platz 20 im Ranking) ausgelagert. Die Fresenius SE & Co. KGaA weist einen Umsatz von 20,3 Milliarden Euro im Jahr 2013 aus.

Platz 8: Phoenix Pharmahandel
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Die Phoenix Gruppe, der größte Pharmahändler Europas, entstand in den 1990er Jahren. Der berühmte deutsche Unternehmer Adolf Merckle kaufte eine ganze Reihe regionaler Pharmagroßhändler und fasste sie 1994 zur von ihm gegründeten Phoenix Pharmahandel AG zusammen. 21,2 Milliarden Euro erwirtschaftete Phoenix 2013, derzeit versucht man das Geschäft in mehreren europäischen Ländern, beispielsweise in Frankreich und Großbritannien, weiter auszubauen.

Platz 7: Continental
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Deutschlands größter und Europas zweitgrößter Automobilzulieferer hat seinen Ursprung im Konkurs der „Neue Hannoversche Gummiwarenfabrik“, die – von Bankier Moritz Magnus 1869 gekauft und neu aufgestellt – die Basis für den einst reinen Reifenhersteller Continental bildete. In Hannover hat das Unternehmen noch heute seinen Sitz. Zahlreiche Innovationen wie der erste Luftreifen mit Profil ebneten dem Unternehmen, das zur Zeit des Nationalsozialismus auch von Zwangsarbeit profitierte, den Aufstieg. „Conti“ erwirtschaftete 2013 einen Umsatz von 33,3 Milliarden Euro.

Platz 6: Bosch
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Das 1886 von Robert Bosch gegründete Unternehmen entwickelte das erste serienmäßige Antiblockiersystem und war lange der größte Automobilelektronik-Zulieferer der Welt, verlor diese Position allerdings 2012. In automatisierter Verpackungstechnik ist das Unternehmen jedoch weiterhin Weltmarktführer. Mehr als 200.000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2013 einen weltweiten Umsatz von 46,4 Milliarden Euro. Ein Tochterunternehmen von Bosch war die Dreilinden Maschinenbau GmbH, ein Rüstungsbetrieb in Kleinmanchow. Diese zeigte sich für den Arbeitseinsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen verantwortlich.

Platz 5: Aldi
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Sie teilten einst die Republik unter sich auf: Theo und Karl Abrecht, die Gründer von Albrecht-Diskont, kurz Aldi und damit Erfinder des Discounters in Europa. Die Brüder übernahmen 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg den elterlichen Tante-Emma-Laden in Essen und bauten den Betrieb rasch aus. Die Wandlung zum „Discounter“ geschah 1961 aus einer durch die Supermarktkonkurrenz bedingten Unternehmenskrise heraus und stellte sich als größte Innovation des Einzelhandels im 20. Jahrhundert dar. 1960 teilten die Gebrüder Albrecht das Unternehmen schließlich in Aldi Süd (Karl) und Aldi-Nord (Theo) auf. Zusammengenommen machten die Konzerne 2013 einen Umsatz von 62,2 Milliarden Euro. Das sind allerdings nur Schätzzahlen: Aldi ist für seine Verschwiegenheit bezüglich Geschäftszahlen bekannt.

Es rasselt und klappert unheimlich, aber am Ende verlassen hochwertige Schokoladenstücke die grauen Maschinen. Hier entsteht bei TCHO Premium-Schokolade für die High-Tech-Elite in San Francisco zu Liebhaberpreisen – und zwar auf deutschen Maschinen. Louis Rosetto und Jane Metcalfe, Gründer des Szenemagazins „Wired“, einer Art Bibel des Silicon Valleys, fanden nach dem Verkauf ihres Unternehmens für 390 Millionen Dollar, dass es Zeit war, der hektischen Technologie-Welt den Rücken zu kehren und etwas Anderes anzufangen.

Durch Zufall erfuhren sie vom Verkauf einer kompletten Schokoladenfabrik in Ostdeutschland, die für kleines Geld zu kaufen war. Noch mit Schokoladenresten überzogen verschifften sie die über 30 Jahre alten Anlagen der VEB Schokoladenfabrik Wernigerode an die Westküste der USA. Das Alter spielte keine Rolle, so Rosetto bei einem Rundgang durch die Halle mit dem besten Blick auf die Bucht, die deutschen Maschinen sind erste Wahl und grundsolide. „Und sie waren echt billig“, schmunzelt er.

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4 Kommentare zu "Mittelständler beliefern das Silicon Valley: Auch ein Tesla will lackiert werden"

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  • Wie auch im Artikel herauszulesen war, geht es um Qualität und Termintreue der deutschen Mittelständler. Bei Qualität spielt der Preis nicht die erste Geige.
    Ich sehe (auch aus Erfahrung) niemand in Europa der das in dieser Breite kann.

    @Anders Denken - Ich vermute mal Sie nehmen ihr profundes Wissen nicht aus praktischer Erfahrung. Und dann auch noch mit geschlossenem Visier arumentieren.

  • Nur ein mieser Vogel schei.. ins eigene Nest.

  • Export-Nostalgie vom Feinsten...Qualität ist immer eingepreist - den Unterscheid machen 10 Jahre Lohndumping zu Lasten der Euro"partner" und nun als Resultat der damit verursachten Eurokrise ein schwacher Euro. Hätten wir Qualitätsjournalismus würde ein Hinweis im Text vorkommen, dass die USA immer nachdrücklicher kritisieren, dass Deutschland einseitig auf Exportüberschüsse zu Lasten der Nachbarn setzt.

  • Bei allem Respekt für ausländische Zulieferer, aber wenn es um eine stabile Qualität und Liefertreue geht, kommt man um deutsche Lieferanten nicht herum. Und oft sind es wirklich die Technologie-Inhaber (Bosch, Conti, Siemens).

    Alles hat seinen Preis, aber selbst den kann man objektivieren, wenn man hierbei Standorte wählt, die einen annehmbaren Preis noch sicherstellen (Ukraine, Nordafrika,....).

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