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Mittelständler Uvex Keine Helmpflicht – und ein Helmhersteller freut sich

Michael Winter führt den größten Radhelm-Hersteller Europas – und freut sich, dass es mit der neuen Koalition keine Helmpflicht geben wird. Denn das Ziel des nachhaltigen Wachstums wäre damit gefährdet.
10 Kommentare
Uvex-Geschäftsführer Michael Winter: Fast drei Viertel des Umsatzes steuert die Arbeitsschutzausrüstung bei.

Uvex-Geschäftsführer Michael Winter: Fast drei Viertel des Umsatzes steuert die Arbeitsschutzausrüstung bei.

DüsseldorfBMX-Helme, Straßenhelme, Rennhelme, Helme für Radakrobaten in der Halfpipe: Die Angebotspalette des größten europäischen Radhelmproduzenten Uvex ist riesig. Doch der fränkische Familienunternehmer Michael Winter ist gegen eine Radhelmpflicht, obwohl das einen Absatzschub bedeuten würde. „Ich bin generell gegen zu viel Regulierung“, sagt der 48-Jährige im Gespräch mit Handelsblatt Online. In den Koalitionsverhandlungen wurde er erhört: „Wir wollen darauf hinwirken, dass deutlich mehr Fahrradfahrer Helm tragen“, heißt es auf Seite 45 des Koalitionsvertrags – von einer Pflicht ist keine Rede.

Es klingt paradox, aber für Uvex ist das gut. Denn ein verpflichtender Kopfschutz für Radler wäre Winters Ziel der ökonomischen Nachhaltigkeit abträglich. Die Einschätzung des Managers stützt sich auf jahrzehntelange Erfahrung. In den 1980er-Jahren hatte eine Helmpflicht für Mofafahrer den Markt für die motorisierten Zweiträder zum Erliegen gebracht – der Helmmarkt sei danach quasi tot gewesen. Eine Abkehr vom Fahrrad befürchtet Winter zwar nicht. Doch er fürchtet sich vor einem kurzfristigen Nachfrageboom einer Helmpflicht. „Ich wachse lieber jährlich mit fünf bis 15 Prozent als drei Jahre mit 50 Prozent, um danach wieder jahrelang auf das normale Marktniveau zu schrumpfen“, so Winter.

Denn die hässlichen Nebenwirkungen einer Sonderkonjunktur hat der Produzent von Arbeitsschutzprodukten und Freizeithelmen schon mitgemacht. Nach dem spektakulären Skiunfall des ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus an Neujahr 2009 verdoppelte sich bei Uvex der Absatz von Skihelmen. Zwei Geschäftsjahre zehrte die Firma davon, die Sportsparte kletterte von 100 auf über 120 Millionen Euro Umsatz, doch danach brach das Geschäft weg. Der Umsatz sackte auf unter 100 Millionen Euro Umsatz und berappelte sich erst im Ende Juni geendeten Geschäftsjahr wieder etwas.

Eine Radhelmpflicht könnte zu einem ähnlichen „Boom and Bust“-Zyklus führen, fürchtet Winter. Das Interesse an Radhelmen wächst auch so. Jeder dritte Fahrradfahrer setzt mittlerweile in Deutschland einen Kopfschutz ein, vor zwei Jahren war es nur jeder vierte Radler. Etwa anderthalb Millionen Sport- und Freizeithelme werden im Jahr in Deutschland verkauft – Uvex gilt mit der Stammmarke und der hauseigenen Marke „Alpina“ als Marktführer in Deutschland. Genaue Statistiken gibt es nicht. Ein weltweit wesentlich größerer Konkurrent ist Easton Bell mit den Marken Giro und Bell.

Im Einzelhandel könnten abseits von Discountern 130 bis über 200 Euro pro Radhelm erzielt werden, so der Einkäufer eines Sportartikel-Anbieters. Denn viele Kunden ersetzten ältere Helme und wissen, worauf sei beim Neukauf achten müssen: Passform, Gewicht und Belüftung stehen oben auf der Anforderungsliste.

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10 Kommentare zu "Mittelständler Uvex: Keine Helmpflicht – und ein Helmhersteller freut sich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Statistische Bundesamt wertet Verkehrszählungen aus. Da Helmträger meist eher wenig Fahrrad fahren fallen sie bei Umfragen stärker ins Gewicht als im realen Verkehr

  • Laut statistischem Bundesamt tragen 10 bis 11% der Fahrradfahrer einen Helm. Laut jüngeren Pressemeldungen trugen rund 60% der schwer oder tödlich verletzten Fahrradfahren einen Helm. Mich macht das nachdenklich...

  • Statistisch gesehen reduziert eine Helmpfich die Sicherheit der Radfahrer, da diese stark von der Präsenz im Straßenverkehr abhängt und absinken würde, wie in Ländern die eine Helmpflich eingeführt haben, zu beobachten war. Sinnvoller wäre da eigentlich eher eine Helmpflicht für Autofahrer, da diese für einen größeren Anteil an Kopfveretzungen verantwortlich sind. Aber den KFZ Produzenten ist der Absatz wohl wichtiger als die Sicherheit, oder warum hat man Ihnen noch nicht solch einen Helm angeboten? http://www.copenhagenize.com/2011/02/australian-call-for-motoring-helmets.html

  • Ein Helmpflicht für Radfahrer wäre meines Erachtens eine deutliches Zeichen an Überregulierung.
    Da ist dann die Helmpflicht für Fußgänger bei Sturm auch nicht mehr weit. Das wäre auch der Gesundheit zuträglich, weil bei Sturm ja ab und zu Dachziegel vom Dach fallen könnten.
    Da das nicht-Tragen von Helmen zunächst Mal niemanden sonst gefährdet - Autofahrer schon gar nicht, sollte das ein persönliche Entscheidung bleiben.
    Ja ich weiß: Bei einem Unfall muß die Solidargemeinschaft für die Kosten der Verletzungen aufkommen. Dennoch.

  • Die Quelle für die Helmtragequote: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/209034/umfrage/umfrage-zur-nutzung-von-fahrradhelmen/ Ihre Handelsblatt Redaktion

  • wichtiger wäre mal die moderne LED fahrradbeleuchtung zu prüfen. Nur wenige radfahrer bemerken, dass die dinger meistens blenden. Und die, die es merken, ignorieren es genauso wie preiserhöhungen um ja noch den kopf fürs zähneputzen frei zu haben. Manche radfahrer sind so im stress, dass die morgen auf dem weg zur arbeit nicht bemerken, dass sie die baumkronen anstrahlen...

  • Fahrradhelm lehne ich ab!

    Aber notfalls setze ich den Wehrmachtshelm auf, den ich für teuer Geld bei ebay errstanden habe.

  • Ich bin zwar auch gegen zuviel Regulierung, aber die Frage nach einer Helmpflicht nur allein oder überhaupt an wirtschaftlichen Aspekten festzumachen, finde ich unverständlich. Es sollte doch in erster Linie um die Sicherheit der Fahrradfahrer gehen und sekundär darum, Kosten im Gesundheitswesen einzusparen. An dritter Stelle stehen für mich die Sorgen der mittelständischen Unternehmen.

  • Interessante und nachvollziehbare Haltung. Eins aber wundert mich: Wie kommen Sie auf eine Helmtragequote von einem Drittel der Radfahrer? Laut den aktuellsten Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) stieg die Helmtragequote in Deutschland im Jahr 2012 auf 13 Prozent (gegenüber 11 Prozent im Vorjahr). Von einem Drittel ist das weit entfernt.

  • Der Banken Freud ist des Unternehmers Leid

    Es tut gut einen bodenständigen Unternehmer zu hören, der auf langfristiges Wachtum anstatt auf Boom und Bust Zyklen setzt. Der kurzfristige Boom nutzt nur den Investmentbanken.

    Leider haben die Banken einen viel zu großen Einfluss auf die Wirtschafts- und Geldpolitik.