Mittelstand Wie Chinesen Arbeitsplätze in Deutschland sichern

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Chinesen kaufen kleinere und mittlere Unternehmen

Deutschland führt unter anderem deshalb in der Gunst der Investoren aus Fernost, weil der hiesige Mittelstand das bietet, wonach die Chinesen suchen: Technisch exzellente Unternehmen, die in ihrer Nische oft Weltmarktführer sind. „Chinesische Unternehmen wollen in der industriellen Hierarchie eine Stufe höher springen“, sagt Margot Schüller, Expertin für die Wirtschaft Chinas am GIGA Institut für Asien-Studien in Hamburg. Bei diesem Ziel, eine größere Wertschöpfung zu erbringen, helfe den chinesischen Investoren der Einstieg bei spezialisierten deutschen Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Autoindustrie oder deren Zulieferbranchen.

Einen solchen Hierarchiesprung stellt etwa die Übernahme des schwäbischen Betonpumpenherstellers Putzmeister durch Sany dar oder der Einstieg des chinesischen Maschinenbauers Weichai Power beim Wiesbadener Gabelstaplerhersteller Kion. Zielten Investoren aus China hierzulande traditionell auf kriselnde Unternehmen, um günstige Kaufgelegenheiten zu nutzen, nehmen sie nun immer häufiger solide und prestigeträchtige Industriechampions ins Visier. Das zeigt auch die Bertelsmann-Studie, laut der im vergangenen Jahr deutlich weniger Unternehmen als zuvor aus der Insolvenz heraus durch einen chinesischen Käufer übernommen wurden.

Der Autozulieferer Kiekert fand nach jahrelanger Umstrukturierung durch Finanzinvestoren endlich Anschluss an einen industriellen Eigentümer aus China. „Wir haben uns bewusst für die Chinesen als Käufer unseres Unternehmens entschieden“, sagt Vorstandsmitglied Kranz. Die Voreigentümer – die angelsächsischen Hedgefonds Blueberry, Silverpoint und Morgan Stanley – haben das einst kriselnde Unternehmen umstrukturiert und dem Kiekert-Management freie Hand bei der Suche nach einem strategisch orientierten Investor gelassen. North Lingyun Industrial bedient weitgehend andere Kunden als Kiekert, so dass sich durch den Zusammenschluss für beide Seiten neue Absatzwege eröffnen.

Bisher fokussierten sich die chinesischen Übernahmen in Deutschland auf das Segment kleiner und mittlerer Unternehmen. Werden die Chinesen hierzulande bald auch dickere Fische an Land ziehen? Danach sieht es noch nicht aus. „Wir gehen davon aus, dass sich das Interesse zunehmend auf kleinere Mittelständler mit 200 bis 500 Mitarbeitern konzentrieren wird“, sagt Richard Stoffelen, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Zwar seien auch größere Transaktionen mit einem Volumen über einer Milliarde Euro vorstellbar, doch die Übernahme eines Dax-Konzerns erscheint laut Stoffelen derzeit unrealistisch.

Sanys Übernahme von Putzmeister gilt als Paradebeispiel
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5 Kommentare zu "Mittelstand: Wie Chinesen Arbeitsplätze in Deutschland sichern"

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  • NUr ein Jahr vor der Übernahme von Putzmeister hat Sany in der Nähe von Köln für einige Zig-Millionen ein Werk zur Montage von Betonmischfahrzeugen erstellt. Hier war laut Vertrag (auch von Merkel unterschrieben) die Einstellung von 600 Mitarbeiten geplant. Nach einigen Eistellungen folgten dann nach der Putzmeister-Übernahme die Entlassungen. Da sollen nun Hafenkräne gebaut werden - 500km von Meer entfernt. Eingestellt wurden für die Produktion eine Menge Zeitarbeiter. Zum Thema "Technologietransfer": Dieses Werk steht in Sichtweite der modernsten Braunkohlekraftwerke der Welt. In China geht alle 2 Tage ein neues Kohlekraftwerk ans Netz. Und in den USA klagt Sany gegen Obama, weil der Sany untersagt hat ein Unternehmen in Sichtweite einer Navy-Basis zu betreiben, wo unbemannte Drohnen getestet werden. Ach ja... Wo sitzen nochmal die meisten Hacker?

  • Mir sind die Chinesen lieber als die angloamerikanischen Abzocker. Meiner Ansicht nach denken die Chinesen langfristig und nicht in Quartalsgewinnen. Wenn sie sich auf kleine und mittlere Unternehmen konzentrieren, so ist das nur logisch. Denn diese sind gerade in Deutschland oft die Knowhow-Träger. Und das läßt sich auch nicht so leicht kopieren. Also ist Kooperation die eleganteste Form der Wissensvermittlung.
    Man sieht dieses Vorgehen übrigens auch in den Entwicklungsländern. Auch dort kooperieren die Chinesen lieber und bieten so einen direkten Kontrast zu den angloamerikanischen Unternehmen mit deren kolonialen Ausbeutermentalität.
    Und wenn sich die deutschen Unternehmen in chinesischem Besitz weiter entwickeln, besteht überhaupt kein Grund, die Kooperation zu beenden.

  • @ Zecke

    Betriebswirte denken nur bis zur eigenen Nasenspitze (falls überhaupt). Übergeordnetes Denken und das Erfassen von einfachen Zusammenhängen gehört nicht zu deren Anforderunsspektrum .

    Die sind wirklich so doof. Kritisch wird es, wenn eine Zeitung, die Wirtschaftskompetenz für sich reklamiert, solche "Studien" einfach unreflektiert nachplappert.

  • ja ja, die Bertelsmann-Stiftung....

    Einfach mal googeln und mit Vorsicht genießen.
    Chinesen sichern durch Übernahmen Arbeitsplätze in Deutschland. Aber hallo! Wie lange? Bis das know-how in China ist. Siehe Transrapid.

  • Chinesen sichern Arbeitsplätze nur solange in Deutschland, bis sie das "Know-how" und "gewußt-wie" im Wissenstransfer aufgezogen haben und zu ihrem igenen Standard normiert und umfunktioniert haben.

    Wie doof muss man eigentlich sein, 1. um so etwas zu beklatschen und 2. sich selbst und seine Zukunftsfähigkeit ins Knie zu schießen.

    An Idiotie nicht mehr zu toppen.

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