Mittelstands-Kolumne Marktplatz Wegen Trump und Osteuropa – Familienunternehmer sind um die EU besorgt

Familienunternehmer haben dank Trump und Osteuropa begriffen, dass ihr Geschäftsmodell nachhaltig mitbedroht ist, wenn die EU bedroht ist.
Kommentieren
Donald Trump lässt die Sorgenfalten der Unternehmer wachsen. Quelle: dpa
US-Präsident

Donald Trump lässt die Sorgenfalten der Unternehmer wachsen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfNoch wissen wir nicht, ob es sich um einen Zufall handelt, dass ausgerechnet in dem Jahr, in dem sich der Geburtstag von Karl Marx zum 200. Mal jährt, erneut ein Gespenst umgeht in Europa, und zwar bei den Familienunternehmern.

Und es hätte gar nicht so vieler prominenter Redner – Olaf Scholz, Bruno Le Maire und in gewisser Weise auch der britische Schatzkanzler Philip Hammond – bedurft, die die Stiftung Familienunternehmen ins Berliner Adlon-Hotel geladen hatte. Gleich drei europäische Finanzminister sowie die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer beschworen den Geist Europas. Und sie taten es sehr eindringlich.

Wie schon zuvor der Vorsitzende des Vorstands der Stiftung, Brun-Hagen Hennerkes. Die Sorge um Europa hat auch bei ihm nahezu alle anderen Wehklagen verdrängt: den Fachkräftemangel, die digitale Herausforderung, die Bürokratielast, die ersten Signale einer möglichen konjunkturellen Abkühlung. Und auch die Unternehmer selbst gaben sich in Berlin besorgt um die EU. Sie alle haben recht.

Den Familienunternehmern wird viel frühzeitiger als anderen Bürgern klar, was der Verlust der Errungenschaften der Europäischen Union bedeuten kann.

Während sich eine zunehmende Zahl von Bürgern noch über Zentralismus und zu wenig nationale Souveränität aufregen, über zu offene Grenzen und zu geschlossene Brüsseler Kreise, haben die Familienunternehmer auch dank des US-Präsidenten Donald Trump, aber auch wegen der Zentrifugalkräfte im Osten Europas längst begriffen, dass ihr Geschäftsmodell nachhaltig mitbedroht ist, wenn die EU bedroht ist.

CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer sagte in ihrer Rede einen Satz, den sie noch viel grundsätzlicher meinte. „Wir müssen alte Gewissheiten neu gründen.“ Das gilt auch für die EU. Malte man sich ein Europa ohne Binnenmarkt, Euro und Freizügigkeit aus, wie liefen dann die Geschäfte, wie liefen sie mit Strafzöllen in den USA?

Es ist wenig verwunderlich, dass die Finanzminister zwar Solidarität in Europa forderten, aber im Saal mit 300 Familienunternehmern eine Transferunion kategorisch ausschlossen, obwohl doch jeder weiß, dass die Grenzen zwischen Solidarität und Transferunion fließender sein werden als gewünscht. Doch was können die Familienunternehmer tun, außer weltweit Geschäfte zu tätigen?

Sie müssen sich als Multiplikatoren, als Verteidiger der EU sehen. Denn Vertrauen in die EU ist ein knappes Gut geworden und sollte deswegen – auf Basis guter Politik und nicht auf Basis kleinlicher Gegenzölle – gemehrt werden. Das wird dem einen oder anderen Unternehmer schwerfallen. Die Familienunternehmer müssen ihre Belegschaften zu Fans des FC Europäische Union machen. Nur dann kann man das Gespenst vom Ende der EU vertreiben.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

Mehr zu: Mittelstands-Kolumne Marktplatz - Wegen Trump und Osteuropa – Familienunternehmer sind um die EU besorgt

0 Kommentare zu "Mittelstands-Kolumne Marktplatz: Wegen Trump und Osteuropa – Familienunternehmer sind um die EU besorgt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%