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Mittelstandsstudie „Wer nicht kooperiert, stirbt“: Familienunternehmen fehlt Innovationskraft für die Nachkrisenzeit

Viele Mittelständler stehen in der Coronakrise vor neuen Herausforderungen. Wer die Digitalisierung zu zaghaft angeht, muss um die Existenz fürchten.
25.05.2020 - 16:58 Uhr Kommentieren
Viele Mittelständer müssen sich nach der Krise neu erfinden. Quelle: dpa
Familienunternehmen

Viele Mittelständer müssen sich nach der Krise neu erfinden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Drei Viertel der deutschen Familienunternehmen beschäftigen sich ständig mit der Verbesserung ihrer Produkte und Prozesse. Aber nur 17 Prozent halten ihre Neuentwicklungen für bahnbrechend. In der Coronakrise, die fast alle Firmen mit einem veränderten Kundenverhalten und neuen Arten der Zusammenarbeit konfrontiert, könnte das für viele Familienunternehmen zum Verhängnis werden.

Zu diesem Resultat kommt eine Studie der WHU Otto Beisheim School of Management, die durch die Beratungsgesellschaft Andersch unterstützt wurde und deren Ergebnisse dem Handelsblatt exklusiv vorliegen. Nadine Kammerlander, Leiterin des Lehrstuhls Familienunternehmen an der private Wirtschaftshochschule mit Sitz in Vallendar und verantwortlich für die Studie, ist besorgt: „Wenn Familienunternehmen es bislang mehr als ein Jahrhundert lang auch ohne bahnbrechende Innovationen geschafft haben, heißt das nicht, dass es in der Zukunft auch noch so sein wird.“

Die Professorin befürchtet, dass durch die jetzt entstandene Krise viele Produkte und Dienstleistungen in der Post-Corona-Zeit vielleicht nicht mehr benötigt werden. Um langfristig am Markt bestehen zu können, bräuchten viele deutsche Unternehmen spürbare Innovationen. Mike Zöller, Partner der auf Restrukturierung spezialisierten Beratungsgesellschaft Andersch, mahnt die Unternehmen, ihr „grundsätzliches Verständnis von Innovationskultur zu überprüfen“.

Es gebe Geschäftsmodelle, die würden auch nach einer Gesundung der Wirtschaft schlicht und einfach nicht zurückkehren. Es werde nur zwei Wege geben, glaubt Zöller: Das Geschäft zu schließen oder es so stark zu verändern, dass es wieder einen Markt finde. „Eine Fortschreibung der Geschichte durch das Erzielen weiterer Effizienz wird nicht mehr ausreichen.“

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    Die Studie, in der knapp 800 Familienunternehmen kurz vor dem Ausbruch der Coronakrise hierzulande befragt wurden, offenbart eine nüchterne Erkenntnis: Nur jede zehnte Firma ist der Meinung, dass ihr Geschäftsmodell die Art und Weise, wie Geschäftsabschlüsse zustande kommen, revolutionieren würde. Hinzu kommt, dass mit fast 90 Prozent zwar viele Unternehmen erkennen, dass neues Wissen gefragt ist, aber weit weniger als die Hälfte sich auch eine Umsetzung des Wissens im Unternehmensalltag zutraut.

    Experten stellen zudem fest, dass die Vorbehalte gegenüber neuen Technologien immer noch sehr stark verbreitet sind in Familienunternehmen, sowohl an der Spitze, als auch in den Belegschaften. Im Ergebnis seien deswegen viele Firmen noch immer schlecht ausgestattet und die Mitarbeiter und die Führung nicht ausreichend vertraut mit neuen Technologien, etwa Cloudlösungen.

    Familienunternehmen, die zu spät auf Digitalisierung gesetzt haben, könnten von der Coronakrise besonders getroffen werden. Quelle: dpa
    Digitalisierung und Industrie 4.0

    Familienunternehmen, die zu spät auf Digitalisierung gesetzt haben, könnten von der Coronakrise besonders getroffen werden.

    (Foto: dpa)

    WHU-Studienleiterin Kammerlander legt mit der Umfrage den Finger in die Wunde, denn Familienunternehmen galten immer als innovativ und anpassungsfähig. Für einige sei das Virus nun der endgültige Weckruf, den es offenbar brauche, sagt sie.

    Auch Uwe Rittmann, Mitglied der Geschäftsführung und Leiter Familienunternehmen bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC sieht es ähnlich. „Die Frage, wer die Digitalisierung im Unternehmen treibt, ist nun beantwortet: ein kleines Virus.“ Viele Familienunternehmen hätten das Thema Digitalisierung unterschätzt, insbesondere was das virtuelle Arbeiten und die digitale Kundenbetreuung beträfe.

    Rittmann gibt sich aber, vor allem wegen der Tugenden der Familienunternehmen wie Entscheidungsfreude, Flexibilität, Pragmatismus und Umsetzungskompetenz optimistisch. Auch weil diese Firmen oft über eine sehr solide Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung verfügen würden und sich gut anpassen könnten.

    Kammerlander sieht dagegen ganz klar die Zukunftsfähigkeit mancher Familienunternehmen gefährdet, weil der Blick auf bisherige Erfolge den Blick nach vorn versperrt habe. US-Studien zeigten, dass Unternehmen, die in der Vergangenheit mit disruptiven Geschäftsmodellen erfolgreich waren, es dadurch nicht automatisch schafften, erneut den Markt mit bahnbrechenden Neuerungen aufzurollen. Der Corona-Weckruf durch dürfte nicht nur die Kundenansprache verändern, sondern müsste in einer zweiten Stufe auch neue Geschäftsmodelle zur Folge haben.

    Kooperationen mit Start-ups

    Ein wichtiger Schritt in die Zukunftsfähigkeit und eine klare Empfehlung der Forscherin ist die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, vor allem mit Start-ups, deren Lebenszweck es sei, bahnbrechende Innovationen zu erzeugen. Kammerlander ist daher der Ansicht: „Wer nicht kooperiert, stirbt.“ Dies sei eine Überlebensfrage. Schließlich sei auch die Krise eine bahnbrechende: „Es ist ein tieferer Einschnitt mit unklarem Verlauf“, prophezeit sie.

    Daher werde es in den kommenden Jahren sehr viel mehr „Varianz“ bei den Familienunternehmen geben. Also mehr solche, denen es gut gehen und mehr solche, denen es schlecht gehen wird. Dabei hält sie auch das Konzept, als Hidden Champion im verborgenen B2B-Geschäft zu glänzen für „gefährlich“ für die Zukunft. Wer innovative Mitarbeiter und Kooperationspartner anziehen wolle, müsse visibler werden, ist sie überzeugt. Kammerlander schaut nicht durchweg pessimistisch auf die Familienunternehmen. Sie sieht ihre Rolle darin, auf Missstände aufmerksam zu machen. Seit mehr als zehn Jahren forscht sie über Familienunternehmen. Sie hat daher durchaus in ihren Studien gesehen, wie innovativ Familienunternehmen bislang waren.

    Aber auch, dass die lange, manchmal jahrhundertelange Geschichte von Familienunternehmen trotzdem „kein Indiz fürs Überleben“ sei. Den Weckruf durch die Coronakrise, den hören zurzeit viele. Und dabei helfe sicherlich etwas, wofür Familienunternehmen durchaus bekannt sind: Erfahrung und schnelle Entscheidungswege.

    Mehr: Deutsche Mittelständler befinden sich in einem Dilemma: Viele misstrauen der Cloud, müssen aber digitaler werden. Die Schwarz-Gruppe will nun eine europäische Alternative anbieten.

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