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Modehändler Mangos Erfolgsrezept ist die Treue

1 200 Shops in 90 Ländern darf Isak Andic, Chef des zweitgrößten spanischen Modehändlers Mango, sein Eigen nennen. Rund 150 werden dieses Jahr hinzukommen, trotz Wirtschaftskrise. Abgesehen von seinen Läden konzentriert der türkischstämmige Unternehmer alles in Barcelona - und umgibt sich nur mit langjährigen Mitstreitern.
Blick auf das Firmen-Logo einer Filiale des spanischen Modehändlers Mango am Berliner Kurfürstendamm. Quelle: Zentralbild

Blick auf das Firmen-Logo einer Filiale des spanischen Modehändlers Mango am Berliner Kurfürstendamm.

BARCELONA. An einem der weißen Großschreibtische in dem gigantischen Hangar-Design-Zentrum von Mango ist immer eine Ecke für den Chef reserviert. Hier, zwischen Designern und Vertriebsleuten, da, wo all die Kleider-, Hosen, Schuh- oder Kettenentwürfe noch einmal selektiert werden, sitzt Isak Andic oft. Dann redet er mit den Mitarbeitern, beobachtet die Abläufe und packt auch selbst mit an. Er ist es, der vor 25 Jahren den ersten Mango-Laden in Barcelona eröffnete - und daraus den zweitgrößten spanischen Modeeinzelhändler machte.

Der türkischstämmige Unternehmer mit dem schmalen Gesicht und der großen Brille würde am liebsten in jedem Land der Welt gleich mehrere Mango-Läden eröffnen. Mit seinen 1 230 Shops in 90 Ländern hat Andic den Erdball auch schon ganz gut im Griff. Doch den gesamten Rest des operativen Geschäfts mit rund 1 600 Mitarbeitern hat er gerne nah bei sich. So liegt Andics Büro mit den orientalischen Holzarbeiten an den Wänden und den fein geschnitzten Holzmöbeln in der Mango-Zentrale nur einen Steinwurf vom Hangar-Design-Zentrum entfernt. Auch eines der Logistikzentren ist hier, ein weiteres nur eine halbe Stunde Autofahrt entfernt. "Mango hat kein einziges Büro oder Lager außerhalb der Provinz von Barcelona", erklärt Expansionsdirektor Isak Halfon. Ein Vorteil: Das spart Kosten.

Der joviale Halfon mit der grau-weißen Haartolle ist wohl derjenige bei Mango, der Isak Andic am längsten begleitet. Halfon kennt Isak und seinen Bruder Nahman - der nicht in die Öffentlichkeit tritt - aus Schulzeiten. Schon seit 34 Jahren nimmt Halfon am Geschäft der Brüder teil. So begann Isak Andic schon als Minderjähriger, importierte Textilien zu verkaufen. Sein erstes Geschäft war der Verkauf von zwei Hemden für damals 900 Peseten - das sind rund zwölf Euro -, die er für die Hälfte erworben hatte, erzählte der Mango-Gründer mal bei einem seiner seltenen Auftritte. Später begann er, selbst nach eigenen Entwürfen zu produzieren.

1983 lernte Isak Andic dann Enric Casi bei der Eröffnung des ersten Mango-Ladens 1984 kennen. Dieser baute als externer Berater die Marke auf und beriet Andic bei den ersten internationalen Schritten. 1996 stieg der Katalane als Geschäftsführer bei Mango ein. Der sympathische 53-Jährige wurde denn auch das Gesicht von Mango: Er vertritt die Firma bei allen möglichen Anlässen und stellt sich - im Gegensatz zu seinem äußerst öffentlichkeitsscheuen Chef - auch immer der Presse.

Diese Gruppe langjähriger Mitstreiter kann sich für den Aufstieg des Unternehmens, das zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro machte, wohl ebenso rühmen wie die Brüder Andic. Überhaupt sitzen in den Führungsetagen fast ausschließlich Menschen, die dem Gründer und dessen älterem Bruder Nahman von Anfang an oder zumindest seit sehr vielen Jahren zur Seite stehen. Es gehört zur Philosophie von Mango, freie Stellen auch in den unteren Rängen mit Leuten aus dem eigenen Haus zu besetzen.

Vielleicht ist deshalb die Atmosphäre hier so locker und familiär. Denn das ist ungewöhnlich für Spanien, wo Firmen üblicherweise sehr patriarchalisch und streng hierarchisch funktionieren. Bei Mango redet jeder mit jedem, alle duzen sich. Vom Chef reden die Mitarbeiter selbstverständlich von "Isak", und Expansionsdirektor Halfon wird mit "Isi" angesprochen. Ein "multinationales Familienunternehmen" nennt Geschäftsführer Enric Casi dieses Unternehmen, das trotz seiner eindrucksvollen internationalen Expansion an den Schalthebeln in Barcelona immer noch so tut, als wäre es ein Kleinunternehmen. "Das hat den Vorteil, dass wir Entscheidungen schnell fällen", erzählt Casi.

An diesem Prinzip soll sich auch in der nächsten großen Expansionsetappe nichts ändern. Bis 2019 will Mango die Zahl der Geschäfte auf 3 000 steigern, vor allem in Asien, den USA und Europa. In diesem Jahr sollen weltweit 150 neue Shops entstehen - trotz Wirtschaftskrise.

Die Krise biete auch Chancen, "man findet mehr Ladenlokale, besseres Humankapital, und die Zinsen sind niedrig", so Expansionsdirektor Halfon. Stärkeren Wind spürt der Modekonzern vor allem in Spanien, das immerhin 22 Prozent des Geschäfts ausmacht. Das wird jedoch durch andere Regionen wie Asien, den Mittleren Osten oder Deutschland ausgeglichen. Der Umsatz soll dieses Jahr um mindestens fünf Prozent steigen und der Gewinn im pessimistischsten Szenario so ausfallen wie im Vorjahr.

Immerhin haben sich die Mango-Strategen für die neue Wachstumsphase mit veränderten Strukturen im Management gerüstet. "Wir hatten zwei Optionen: entweder an die Börse gehen oder die internen Strukturen verändern", erklärt Geschäftsführer Casi. "Die Börse mögen wir nicht besonders, sie folgt Moden, vor einigen Jahren haben wir nach Meinung der Analysten alles schlecht gemacht, jetzt werden wir plötzlich für alles gelobt, weil wir in Mode gekommen sind - wir dagegen versuchen, sehr langfristig zu denken."

So wurde das oberste Management umgebaut: Seit gut einem Jahr wird Mango formell nun von einem achtköpfigen Verwaltungsrat geleitet. Die Brüder öffneten auch das Kapital für minimale Beteiligungen der Verwaltungsratsmitglieder, halten aber selbst weiter 97 Prozent der Anteile. Im Verwaltungsrat stellen die Andics, Casi, Halfon sowie der Kreativdirektor Damián Sanchez die alte Garde dar. Daneben zogen drei Vertreter der nächsten Generation ein, die Mittdreißiger, die aber auch schon viele Jahre hier arbeiten. Casi: "In zehn Jahren ziehen wir uns zurück." Ob zur nächsten Führungsgeneration dann auch ein Mitglied der Familie Andic gehört, ist unsicher. Zwei der drei Kinder von Isak Andic arbeiten im Unternehmen, der älteste Sohn hat sich zum Designer hochgearbeitet. Eine Tochter entwirft Accessoires, auch eine Tochter von Nahman Andic gehört zum Mango-Staff.

Neben den Veränderungen im Management eröffnete Mango vor zwei Jahren das Hangar-Design-Zentrum und im vergangenen Februar ein 24 000 Quadratmeter großes Logistikzentrum. Dort ist von der Krise wenig zu spüren. Lastwagen kommen und fahren, spucken Kisten mit gefalteten Kleidern von den Lieferanten aus China, Vietnam, der Türkei, Indien, Marokko oder in wenigen Fällen auch aus Portugal aus oder nehmen andere Kisten mit auf die Reise in die vielen Mango-Shops weltweit. Im Gegensatz zum spanischen Rivalen Inditex - Zara - produziert Mango seine von eigenen Designern entworfenen Waren nicht selbst und verkauft sie größtenteils über Franchisenehmer. Nur 40 Prozent der Mango-Läden gehören zum Unternehmen. Das Zentrum ist bisher zu 40 Prozent ausgelastet - damit dürfte es für zehn Jahre ausreichen, erwartet Logistikdirektor Ceci Lozano. Und dann soll die neue Logistikstadt eingeweiht werden, für die das Terrain schon gekauft und die Baugenehmigung erteilt ist: in Lliçà - natürlich in der Provinz Barcelona.

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