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Nachfolge-Regelung der Brenninkmeyers „Eine unheimlich kluge Balance“

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Nach Reinhardts Erfahrung drohen bei Familienunternehmen meist zwei Gefahren: „Unfähigkeit“ und „Habgier“. So verlaufe die Nachfolgeregelung in vielen Fällen nach einem Automatismus, das Auswahlverfahren folge dem Zufallsprinzip. Die Konsequenz: Meist kommt nicht der Beste an die Spitze. Eine große Gefahr entsteht auch, wenn Familienmitglieder mehr am Geld als am Fortbestand des Unternehmens interessiert sind. „Normale Familien zerfallen meist in verschiedene Stämme“, beklagt Reinhardt. „Das ist das Schlimmste.“

Dieses Schicksal haben die Brenninkmeyers mit einem geschickten Konzept abgewendet. Wie funktioniert es? „Man hat Unternehmen und Familie getrennt“, analysiert Reinhardt. Familienmitglieder haben zwar die Möglichkeit, im Unternehmen aufzusteigen, haben aber nicht automatisch Anspruch darauf. Zunächst sind sie nur anteilig über die Cofra Holding in der Schweiz, die die Beteiligung an den vier Hauptgeschäftsfeldern der Familie hält, am Vermögen beteiligt (siehe nebenstehenden Artikel). Sie haben aber nicht automatisch „qua Geburt“ direkten Zugriff auf das Unternehmen – und schon gar nicht auf die Chef-Etage.

Wer im Unternehmen aufsteigen will, der muss die normale Ochsentour gehen. Die Familienmitglieder müssen eine umfassende Ausbildung in allen Bereichen der Textilindustrie machen und die C & A-spezifische Unternehmensphilosophie und -strategie verinnerlichen, heißt es in der C & A-Broschüre. Ein Auswahlausschuss, der sich aus erfolgreichen Familienmitgliedern zusammensetzt, entscheidet, ob und wofür der Kandidat geeignet ist. „Somit bestimmen die Erfolgreichen über die Nachfolge in der Familie“, erklärt Reinhardt.

Sehr geschickt ist aus Reinhardts Sicht auch die Regelung der Führungspositionen. Ein Familienmitglied, wie beispielsweise Deutschlandchef Dominic Brenninkmeyer, erhalte treuhänderisch Anteile an der Gesellschaft, die er führe – in diesem Fall der C & A Mode & Co. Gibt er die Führungsposition – beispielsweise aus Altersgründen – auf, dann muss er laut Reinhardt auch die Anteile zurückgeben. Damit wird die ansonsten unweigerlich eintretende Erbfolge ausgehebelt.

Gleichzeitig erhalte der Unternehmenschef eine Gewinnbeteiligung und nehme als Gesellschafter an der Wertsteigerung (Goodwill) teil. „Damit haben wir“, so Reinhardt, „das unternehmerische Element des Familienunternehmers – und nicht den angestellten Geschäftsführer“. Der Charme dieses Konzepts: die Vorteile des inhabergeführten Unternehmertums werden genutzt und die Nachteile vieler Familienunternehmen – die Nachfolgeregelung nach dem Zufallsprinzip – werden ausgeschlossen. „Die Brenninkmeyers halten die Familienmitglieder erst einmal vom Unternehmen fern, wenn sie aber darin tätig sind, dann sind sie Unternehmer“, resümiert Reinhardt.

Um das durchzuhalten, bedarf es „eines guten Familienmanagements und sehr viel Disziplin“, urteilt der Kap1-Berater. „Das ist eine unheimlich kluge Balance zwischen der Rolle als Gesellschafter und als Unternehmensführer.“

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