Nachfolger-Studie Gibt es doch das Unternehmer-Gen?

Lässt sich Unternehmertum vererben? Die aktuelle Generation hat viele Optionen – doch die meisten Nachfolger wollen laut einer aktuellen Studie entweder die Familienfirma führen oder selbst Gründer werden.
Die Unternehmerin ist bereits mit 25 Jahren in die elterliche Firma eingestiegen. Quelle: Dominik Butzmann für Handelsblatt
Lencke Steiner

Die Unternehmerin ist bereits mit 25 Jahren in die elterliche Firma eingestiegen.

(Foto: Dominik Butzmann für Handelsblatt)

DüsseldorfDie Frage, ob es ein Unternehmer-Gen gibt, wird womöglich kein Wissenschaftler exakt beantworten können. Wahrscheinlich aber ist, dass Unternehmerkinder ganz klar anders aufwachsen als ihre Altersgenossen, erklärt Dominique Otten-Pappas. Die 36-Jährige ist heute aktive Beirätin im Familienunternehmen Famos Immobilien. Bereits zu Schulzeiten habe sie mitbekommen, dass wirtschaftliche Krisen im Unternehmen auch immer Existenzkrisen der gesamten Familie sein können: „Da spürt man die Verantwortung sehr deutlich.“ Die Mitschüler hätten dann oft gesagt: „Wie? Ihr habt doch eine große Firma!“ Sie aber hatte auch im Kopf, dass dieses Unternehmen einmal pleite gehen könne.

Eine aktuelle Studie der Zeppelin Universität Friedrichshafen im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen belegt: Keiner von den 315 befragten Töchtern und Söhnen im Alter von 16 bis 40 Jahren hat sich die Entscheidung für oder gegen den Eintritt in das familieneigene Unternehmen leicht gemacht. 70 Prozent der Unternehmerkinder spüren die Verantwortung.

Und sie spüren sie von Anfang an und jeden Tag. Lencke Steiner, bekannt aus der Start-up-Sendung „ Die Höhle der Löwen“ auf Vox, trat schon mit 25 Jahren in die Geschäftsführung des elterlichen Unternehmens W Pack in Bremen ein. Die frühere Bundesvorsitzende der jungen Unternehmer berichtet, dass sie es spannend fand, wenn am Abendbrottisch über die Firma gesprochen wurde. Es wird dann über strategische Entscheidungen, Personalprobleme und auch Bankgeheimnisse gesprochen, erzählen viele Unternehmerkinder.

Zwei Drittel finden, dass sich Nachfolger für das Unternehmen interessieren sollen. Fast ebenso viele sind er Meinung, dass die Nachfolger früh an den Betrieb herangeführt werden sollen. Die Befragten lehnen es aber ebenso deutlich ab, ihre Ausbildung an den Bedürfnissen des Unternehmens auszurichten. Das Motto: Wer klug ist und lernt, was ihm Spaß macht, ist ein Gewinn für das Unternehmen. Wie ernst die Unternehmerkinder das aber selbst umsetzen, ist aus der Studie nicht zu ersehen, denn ebenfalls zwei Drittel haben Betriebswirtschaftslehre studiert. Ein Fach, dass auch bei den Eltern wahrscheinlich an oberster Stelle auf der Wunschliste steht.

Die Zahl der Befragten, die im elterlichen Unternehmen operativ Verantwortung übernehmen wollen, ist laut Studie mit 75 Prozent sehr groß. Das ist deshalb bemerkenswert, weil die Nachfolger von heute auch andere Optionen haben und die Regel „Der älteste Sohn folgt nach“ kein Automatismus mehr ist. Die Jungunternehmer haben oft an den besten Universitäten studiert, Praktika und erste Berufserfahrungen in anderen Unternehmen gesammelt – oft auch in anderen Ländern. Nur 22 Prozent der Befragten haben nicht im Ausland gelebt. In diesem Punkt unterscheiden sich die aktuelle Nachfolgergeneration deutlich von ihren Eltern.

Befragt nach dem Nachfolgermodell ergeben sich Trends: So lehnen 61 Prozent der Befragten die Aussage ab, es dürfe nur einen Nachfolger geben. Fast 60 Prozent sind aber der Meinung, die Kinder sollten Anteile am Unternehmen bekommen, wenn sie operativ eintreten. Gleichzeitig halten es zwei Drittel für wichtig, dass es für Familienmitglieder unterschiedliche Einkommensvereinbarungen geben sollte.

Wer vertritt eigentlich die Familienunternehmer?
Familienunternehmer
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Der Trigema-Chef Wolfgang Grupp ist für viele Deutsche der Inbegriff des Familienunternehmers. Doch wie sind die Unternehmen organisiert? Welche Verbände vertreten ihre Interessen?

Die Familienunternehmer (vormals ASU)
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Bereits Ende September 1949 – zwei Wochen, nachdem Konrad Adenauer zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde, gründete sich die Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer (ASU) auf Initiative ihres ersten Vorsitzenden Adolf Schleussner in Wiesbaden. Seitdem stehen die soziale Marktwirtschaft und unternehmerische Freiheit, Eigenverantwortung und eine sinnvolle Unternehmensbesteuerungen im Fokus der politischen Interessenvertretung. Zwei Monate nach Mauerfall entsteht die ersten Kontaktbörse für DDR-Bürger, später treffen sich in Dresden rund 8500 Interessierte.

Im Mai 2007 benannte sich der ASU um in „Die Familienunternehmer“. Patrick Adenauer, geschäftsführender Gesellschafter der Bauwens-Immobilien-Unternehmensgruppe erklärte das damit, dass der Name von 1949 nicht mehr passend sei, weil es die Abgrenzung zum beauftragten Unternehmer nicht mehr gebe. Die Abgrenzung verlaufe zwischen angestelltem Manager und Unternehmer. Darüber hinaus sei der Begriff Familienunternehmer positiv assoziiert.

Seit 2011 führt Lutz Goebel, geschäftsführende Gesellschafter des Maschinenbau-Dienstleisters Henkelhausen, den Verband mit rund 5000 Mitgliedern. Mitglied kann werden, wer ein Unternehmen führt, dass sich maßgeblich in seinem Besitz befindet. Bei börsennotierten Unternehmen muss das Mitglied über mindestens 25 Prozent der Stimmrechte verfügen. Weitere Voraussetzungen sind, dass die Unternehmen das 40. Lebensjahr vollendet haben, mindestens zehn Mitarbeiter und eine Million Euro Jahresumsatz erwirtschaften.

Bundesverband junger Unternehmer
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Nur ein Jahr nach der großen Schwester ASU gründete sich der Bundesverband junger Unternehmer, in dem sich diejenigen Nachfolger und Gründer treffen, die jünger als 40 Jahre alt sind. Auch die jungen Unternehmen melden sich lautstark zu Wort. Das Thema Generationengerechtigkeit ist ihnen im politischen Diskurs wichtig. Nachdem zwei Frauen, Marie-Christine Ostermann und in den vergangenen drei Jahren Lencke Steiner (Foto), den Verband der Jungen Unternehmer geführt haben, ist seit dem 4. September 2015 wieder ein Mann an der Reihe...

Hubertus Porschen
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Hubertus Porschen (l., mit Lencke Steiner), Jahrgang 1982, ist Geschäftsführer der iConsultants. Insgesamt sind bei den jungen Unternehmern mittlerweile rund 1300 Gründer und Nachfolger organisiert.

Family Business Network
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1989 in Lausanne gegründet, ist das Netzwerk mittlerweile in 60 Ländern aktiv. Seit dem Jahr 2000 auf Initiative vom Berater für Familienunternehmen Peter May (Foto) auch in Deutschland zu Hause. May hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch den großen deutschen Familienunternehmen eine geschützte Plattform zu bieten. Der Präsident des deutschen FBN ist automatisch auch Vizepräsident des Verbandes Die Familienunternehmer und der Präsident der Familienunternehmer ist automatisch auch Vize im FBN...

Patrick Adenauer
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Der Vorstand des FBN wurde zuletzt neu gewählt: Der Vorstand besteht nun aus Patrick Adenauer (Präsident), Prof. Peter May (Geschäftsführender Vorstand) sowie den Familienunternehmern Dr. Friderike Bagel, Lutz Goebel (als Präsident der Familienunternehmer), Jörg Schneider und Mark-Oliver Schreiter, Rafael Kisslinger da Silva, Dr. Dominique Otten-Pappas.

Die Stiftung Familienunternehmen
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Im Jahr 2002 gründete der Rechtsanwalt mit dem Spezialgebiet Familienunternehmen, Brun-Hagen Hennerkes die Stiftung Familienunternehmen mit Sitz in München. Familienunternehmer hatten ihn damals aufgefordert, eine Interessenvertretung zu gründen, deren Vorstand Hennerkes bis heute führt. Dort sind zurzeit 400 Stifter organisiert: Familienunternehmen, die im Schnitt mehr als 50 Millionen Euro umsetzen. Die Stiftung will den Austausch zwischen den Familienunternehmen fördern, die öffentliche Wahrnehmung von Familienunternehmen in Politik und Gesellschaft verbessern und gibt viele Studien rund um das Thema Familienunternehmen in Auftrag.

Interessant ist, dass die Unternehmerkinder aber sich gar nicht so einig sind, ob ihre Eltern in Rente gehen sollten, wenn sie selbst die Führung übernehmen. Viele Befragte sehen heute die Zeit des Übergangs als Chance, als Zeit, in der alle Ressourcen genutzt werden sollten, nicht als Zeit der Abgrenzung mit den Eltern. In dieser Zeit sollten neue Geschäftsfelder und internationale Märkte erschlossen werden, sagt eine überragende Mehrheit der Befragten. Eine Mehrheit von 54 Prozent kann sich vorstellen, im Team mit Fremdgeschäftsführern zu arbeiten.

Auf die Frage, wo sich die Befragten an ihrem 40. Geburtstag sehen, antworten 83 Prozent „als Gesellschafter“ und 75 Prozent „als Geschäftsführer“. Aber immerhin sehen sich 39 Prozent dann auch als Gründer eines eigenen Unternehmens. Und auch wenn die Studie wegen der Diversität der deutschen Familienunternehmen und fehlender Daten über Nachfolger nicht repräsentativ sein kann, wird die Zahl doch deutlich höher als der Durchschnitt sein. So hat das Institut für Mittelstandsforschung erhoben, dass die Zahl der Gründungen kontinuierlich abnimmt. Der Grund seien die besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt für eine Festanstellung. Vielleicht gibt es doch das Unternehmer-Gen.

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