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Nachhaltiges Wirtschaften Start-up-Studie: Die meisten befragten Gründer würden Grün wählen

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt bei Gründern rasant an Bedeutung. Immer häufiger entscheiden sie sich für ein grünes Geschäftsmodell – und für grüne Politik.
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Grüne Themen gewinnen in der Start-up-Szene an Bedeutung. Quelle: dpa
Umgeben von Grün

Grüne Themen gewinnen in der Start-up-Szene an Bedeutung.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Ob Kaffeebecher aus Plastik, die sich wiederverwenden lassen, eine Suchmaschine, deren Werbeeinnahmen in das Pflanzen von Bäumen investiert werden, oder ein Onlineshop, der nur nachhaltige Produkte verkauft: Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind Megatrends – und viele Start-ups wollen daraus ein Geschäft machen.

Das spiegelt sich im Deutschen Start-up Monitor (DSM) wider, den der Bundesverband Deutsche Start-ups und die Beratung PwC am Montag in Berlin vorgestellt haben. Knapp 37 Prozent der befragten Unternehmen ordnen ihre Angebote der „Green Economy“ zu – sie leisten also einen Beitrag zu Umwelt-, Ressourcen- oder Klimaschutz. Das sind fast vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Wie genau die Unternehmen das tun, geht aus der Befragung allerdings nicht hervor.

Die wachsende Bedeutung dieser Themen zeigt sich auch im Wahlverhalten. 43,6 Prozent der Befragten geben an, dass sie bei der nächsten Bundestagswahl die Grünen wählen würden, fast doppelt so viele wie im Vorjahr (22,4 Prozent). Dagegen fiel der Zuspruch für die FDP – bei Gründern traditionell stark – um 9,9 Prozent auf 27,7 Prozent. Die CDU/CSU käme unter Gründern nur noch auf 11,7 Prozent, die SPD auf 4,9 Prozent.

Studienautor Tobias Kollmann, Professor für „E-Business und E-Entrepreneurship“ an der Universität Duisburg-Essen, sieht für diese Verschiebung mehrere Gründe. „Die Start-ups sehen eine geschäftliche und ökologische Chance, sich zu positionieren – damit rücken sie an das Themenspektrum der Grünen heran“, sagte er dem Handelsblatt. Das sei nicht zuletzt eine Altersfrage: „Die jungen Gründer nehmen das Thema Umweltbewusstsein ganz anders wahr als die etablierte Industrie.“

Zudem habe im Zeitraum der Befragung während des Europawahlkampfs im Frühjahr die EU-Urheberrechtsreform für Kontroversen gesorgt – etwa ein Passus zur Prüfung von Inhalten, der ohne Uploadfilter kaum einzuhalten sein dürfte. „Die Start-up-Szene war extrem unzufrieden mit der Initiative“, so Kollmann. Das sei vor allem der Großen Koalition angelastet worden. „Das ist ein Warnschuss, dass die etablierten Parteien in diesem stark wachsenden Sektor ihre Klientel verlieren“, ordnet der Wissenschaftler diese Momentaufnahme ein.

Der Studie liegt eine Befragung von knapp 2000 Gründern und leitenden Angestellten in Start-ups zugrunde. Eingeschlossen sind Unternehmen, die jünger als zehn Jahre sind, Wachstum anstreben und innovative Geschäftsmodelle oder Produkte entwickeln wollen. Da die Szene in Deutschland unübersichtlich ist, erheben die Autoren keinen Anspruch auf Repräsentativität. Es handelt sich aber um eine der umfangreichsten Befragungen von Jungunternehmen.

Ökologische Wirkung berücksichtigen

Der Trend zu Grün lässt sich auch an den Erwartungen an die Politik ablesen: Zu den drei wichtigsten Punkten zählen für die Befragten neben dem Bürokratieabbau und der Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung der Einsatz für Umweltschutz und gesellschaftliche Nachhaltigkeit: 38,2 Prozent der Gründer sehen das als Priorität – obwohl andere Politikfelder fürs Geschäft mindestens genauso wichtig sein dürften, zum Beispiel der Breitbandausbau.

Das sind zumindest für einen Teil der Unternehmenslenker offenbar nicht nur Lippenbekenntnisse. Vier von zehn Start-ups (39,3 Prozent) erklären, dass sie die ökologische oder gesellschaftliche Wirkung bei der Unternehmenssteuerung in Form von nachvollziehbaren Kennzahlen berücksichtigen.

„Die Entwicklung zeigt zum einen, dass Ökologie wichtiger wird“, sagte Franziska Teubert, Geschäftsführerin beim Start-up-Verband, dem Handelsblatt. „Zum anderen, dass sich Gründerinnen und Gründer großer gesellschaftlicher Themen annehmen, weil sie da einen Einfluss haben können.“ Die Organisation will daher Nachhaltigkeit und Umweltschutz mehr Raum geben.

Florian Pachaly ist mit seinem Start-up Recup Teil des Booms. Das Unternehmen hat ein Mehrwegsystem für Kaffeebecher entwickelt, das bereits in mehreren deutschen Städten zum Einsatz kommt. „Uns hat der massive Abfall gestört, der jeden Tag in den Universitäten sinnlos entstanden ist“, sagt Pachaly. Ein Alltagsgegenstand, den alle Gesellschaftsschichten nutzen, stehe stellvertretend für das Konsumverhalten.
Die öffentliche Diskussion über Klimawandel und Umweltschutz hilft dem Start-up: „Wir tun uns im Vertrieb leichter, weil das Thema in der breiten Masse angekommen ist“, sagt Pachaly. Auch die Anfragen von Kapitalgebern, die nachhaltige Investments suchen, nähmen zu. Allerdings fürchtet er auch Übertreibungen: „Bei Hypes besteht immer die Gefahr, dass Trittbrettfahrer sie nutzen und Greenwashing betreiben.“
Dass sich die Szene intensiv mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz beschäftigen kann, ist dem stabilen Geschäft zu verdanken: Trotz der konjunkturellen Abkühlung bewertet die Hälfte der Unternehmen die Situation als gut (49,5 Prozent), nur 7,8 Prozent bewerten sie als schlecht. Und der Ausblick ist weiter überwiegend optimistisch.
Schwierigkeiten bereitet den Firmen nach wie vor der Zugang zu Kapital: Zwar erhalten einzelne Unternehmen wie N26 und Get Your Guide Finanzierungsrunden im dreistelligen Millionenbereich, meist sind die Summen jedoch deutlich niedriger. Der Zugang zu externem Kapital sei gewünscht, aber oft schwierig umzusetzen, bilanziert die Studie.

Mehr: Die Billionen-Dollar-Chance: Wie Start-ups den Klimawandel bekämpfen wollen

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