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Onlinehändler Radtaschenpionier gegen Amazon: Ortlieb gibt den Kampf nicht auf

Der Hersteller für Fahrradtaschen will sich vor Gericht gegen den Internetriesen behaupten. Er sieht das Recht an seiner Marke verletzt.
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Ortlieb gibt den Kampf gegen Amazon nicht auf Quelle: Ortlieb
Hartmut Ortlieb

Im Juni musste der Firmenchef schon eine Niederlage gegen Amazon einstecken.

(Foto: Ortlieb)

München Der Radtaschenpionier Hartmut Ortlieb will sich vom Internetkonzern Amazon nicht unterkriegen lassen und zieht immer wieder vor Gericht. Am Donnerstag treffen sich die ungleichen Kontrahenten erneut vor dem Bundesgerichtshof. Ortlieb will verhindern, dass bei der Eingabe der Suchbegriffe „Ortlieb Fahrradtasche“, „Ortlieb Gepäcktasche“ und „Ortlieb Outlet“ in die Google-Suche Anzeigen mit seiner Marke erscheinen.

Diese sind verlinkt auf Angebote auf der Homepage von Amazon – wo neben Ortlieb-Taschen auch Konkurrenzprodukte zu sehen sind. Der Unternehmer wirft den Amerikanern vor, sein Recht an der Marke „Ortlieb“ zu verletzen, und will sie gerichtlich dazu zwingen, mit den Anzeigen aufzuhören.

Eigentlich dürfte es überhaupt keine Ortlieb-Ware bei Amazon geben: Der Franke beliefert den Internetriesen nicht. In seinen Lieferverträgen schließt er zudem aus, dass seine Fachhändler auf Marktplätzen wie Amazon oder Ebay anbieten. Wer die Taschen und Rucksäcke anbieten möchte, muss zahlreiche Bedingungen erfüllen, vor allem eine ordentliche Beratung ist ihm wichtig. Trotzdem finden sich natürlich einige Ortlieb-Angebote bei Amazon.

Ortlieb ärgert, dass Amazon mit seinem guten Namen wirbt, um letztlich in großem Stil die Produkte der Konkurrenz abzusetzen. Vor dem Landgericht in München hat Ortlieb im Januar 2017 gewonnen, ein Jahr später dann auch vor dem Oberlandesgericht München. Die Begründung der Richter: Mit der Verlinkung auch auf Angebote von Produkten anderer Hersteller nutze Amazon die Lotsenfunktion der Marke Ortlieb aus.

Der Gang durch die Instanzen ist mühsam und teuer, doch der gerade Weg hat Hartmut Ortlieb noch nie interessiert. Als sich die Sportindustrie daranmachte, ihre Fabriken nach Asien zu verlegen, gründete er seinen Betrieb vor den Toren von Nürnberg. Zurück von einem verregneten England-Urlaub nähte der junge Mann 1981 seine erste Radtasche – aus einer Lkw-Plane.

Ortlieb fand aber schnell heraus: Wasserdicht sind seine Radtaschen nur, wenn er sie verschweißt. Bei dieser Technik ist der 57-Jährige geblieben und hat damit Generationen von Radenthusiasten überzeugt. Umsatzzahlen hält Ortlieb unter Verschluss. Die Erlöse dürften sich aber auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag summieren.

Die Händler, die einen Vertrag von Ortlieb bekommen haben, sind hochzufrieden. „Es ist eine Ehre für uns, dass wir diese Marke im Portfolio führen dürfen“, betont Philipp Simon, Geschäftsführer von Bike Components, einem Anbieter von Radzubehör und Rädern.

Dass David vor Gericht gegen Goliath gewinnt, ist keineswegs selbstverständlich; das musste Ortlieb erst Anfang Juni feststellen. Da setzte sich Amazon in einem Rechtsstreit um die Suchfunktion auf seiner deutschen Webseite durch.

Demnach darf der Konzern auf seiner Homepage auch die Konkurrenzprodukte anderer Hersteller anzeigen, wenn Internetnutzer nach Ortlieb suchen. Der Entrepreneur wollte durchsetzen, dass bei Amazon-Suchen ausschließlich Ortlieb-Produkte angezeigt werden.

„Wir waren immer davon überzeugt, dass unsere Suchergebnisse kundenfreundlich sind und im Einklang mit europäischem und deutschem Recht stehen“, erklärte nach dem Urteil ein Amazon-Sprecher. Am Donnerstag nun muss Ortlieb im jüngsten Fall den für das Markenrecht zuständigen I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs überzeugen.

Mehr: Gegen die Übermacht von Amazon kommen inzwischen auch kleinere Onlinehändler kaum noch an. Doch es gibt durchaus erfolgreiche Überlebensstrategien.

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