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Ottakringer Eine Bastion mit Bier und Wasser

Trotz aller ökonomischer Macht der großen Brauereien bleibt noch Platz für mittelständische Betriebe. In Österreich setzt sich die Ottakringer Getränke AG mit auffälliger Werbung und guter Markenführung erfolgreich gegen Übernahmeversuche zur Wehr.
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Der Chef zapft selbst: Siegfied Menz (links) hat seine Marke erfolgreich am Markt platziert. Quelle: Reuters

Der Chef zapft selbst: Siegfied Menz (links) hat seine Marke erfolgreich am Markt platziert.

(Foto: Reuters)

WIEN. Bei Bier und Mineralwasser zählt nach landläufiger Meinung nur die pure Größe. Brauereikonzerne wie Inbev, Heineken und Anheuser Busch dominieren mit ihren Milliarden-Umsätzen weltweit die Märkte. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Trotz aller ökonomischer Macht der Großen bleibt noch Platz für mittelständische Brauer. In Österreich ist einer dieser Anbieter die Ottakringer Getränke AG aus Wien.

Zwischen Bregenz und Wien gibt es einen dominanten Konzern: Heineken aus den Niederlanden. Im Jahr 2003 hat der milliardenschwere Konzern die Brau-Union in Linz gekauft und sich damit auch in der Alpenrepublik mit einem Schlag an die Spitze des Marktes gesetzt. Der Marktanteil von Heineken in Österreich liegt bei gut 50 Prozent.

Alles sah danach aus, dass auch die kleine Ottakringer Brauerei aus Wien in den Fängen des Multis aus den Niederlanden landen würde. Vor zwölf Jahren war ein Familienstamm schwach geworden und hatte seinen Ottakringer-Anteil verkauft. Jeder Biermarkt-Experte in Österreich hatte erwartet, dass damit auf absehbare Zeit auch das Ende der kleinen mittelständischen Brauerei aus Wien eingeläutet war. Doch weit gefehlt, Ende vergangenen Jahres ist das genaue Gegenteil passiert. Den beiden Eigentümer-Familien Wenckheim und Menz, die etwa 75 Prozent der Anteile an dem Unternehmen halten, der Löwenanteil liegt bei Wenckheim, gelang der Gegenschlag. Sie kauften den 13-Prozent-Anteil von Heineken zurück. "Unser Vorstoß war am Ende von Erfolg gekrönt", sagte Ottakringer-Vorstandschef Siegfried Menz.

Heineken musste einsehen, dass der niederländische Konzern gegen die fest geeinte Wiener Familienbastion nicht viel bewirken konnte. "Unser Anteil war letztlich nur eine Finanzbeteiligung. Daran haben wir kein Interesse", sagte Doris Königstorfer von Heineken-Österreich. Mit seinem hohen Marktanteil könne der Konzern den Verlust der kleinen Ottakringer-Beteiligung problemlos verschmerzen. Nach dem Kauf der Linzer Brau-Union habe es mit den beiden Ottakringer-Eigentümerfamilien immer wieder Gespräche gegeben, den Heineken-Anteil an die Wiener Brauerei zurückzugeben. Jetzt habe der Preis gestimmt, "für beide Seiten ist das eine gute Sache", so Königstorfer.

Ottakringer ist mit einem Marktanteil von unter zehn Prozent auf dem kleinen österreichischen Biermarkt zwar nur der drittgrößte Spieler. Die mittelständische Brauerei ist aber durch und durch mit Wien und seinem Umland verbunden, wo die Brauerei nach eigenen Angaben auf einen Marktanteil von etwa 70 Prozent kommt. Allein schon der Name sagt jedem Österreicher, wo das Unternehmen sein Zuhause hat: Ottakring ist einer der bekanntesten Stadtbezirke innerhalb von Wien - vielleicht auch gerade durch das Bier.

Vöslauer Mineralwasser als zweites Standbein des Getränkekonzerns

Für Außenstehende gilt der Biermarkt manchmal als arg verstaubt und schwerfällig. Das Ottakringer-Management hat allerdings bewiesen, dass es auch anders geht: Beinahe jährlich lassen sich die Wiener eine neue Biersorte einfallen, eine ganze Menge Geld wird auch in ausgefallenes Flaschendesign und auffällige Werbung gesteckt. Der Erfolg hat sich eingestellt - die Familiengesellschafter wurden mutig genug, Heineken wieder hinauszudrängen.

Dass Ottakringer die strategische Markenführung wirklich sehr gut versteht, zeigt das andere Standbein der Gruppe, die einen Umsatz von 250 Mio. Euro im Jahr mit 800 Mitarbeitern erzielt. Den Wienern gehört auch Vöslauer Mineralwasser, das im Unterschied zum Ottakringer Bier auch in Deutschland zumindest in größeren Ballungsräumen verkauft wird. Seit 1992 gehört Vöslauer zum Unternehmen und dümpelte damals in Österreich bei einem Marktanteil von 15 Prozent. Heute sind es 40 Prozent.

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