Personalmangel Ausländische Fachkräfte winken ab

Nun wo in vielen Unternehmen der Aufschwung an die Tür klopft, mangelt es immer mehr Unternehmen an Fachkräften. Um Mitarbeiter außerhalb Deutschlands anzuwerben, müssen allerdings zuerst bürokratische Hindernisse überwunden werden - und der Erfolg hält sich noch in Grenzen.
  • Andreas Schulte
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Bürokratische Hindernisse erschweren es Unternehmen, Mitarbeiter außerhalb Deutschlands anzuwerben. Quelle: ap

Bürokratische Hindernisse erschweren es Unternehmen, Mitarbeiter außerhalb Deutschlands anzuwerben.

(Foto: ap)

KÖLN. Die positiven Signale sind deutlich: Die Krise ist in vielen Betrieben abgehakt, die Konjunktur zieht an. Doch uneingeschränkt freuen können sich die Vertreter aus Industrie und Wirtschaft darüber noch nicht. Vielen gelingt es nicht, den neuen Schwung auszunutzen, weil es ihnen an Fachkräften mangelt.

Nach Angaben des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird sich die Zahl der fehlenden Fachkräfte im Jahr 2030 auf 5,5 Mio. summieren. Der Hauptgrund: Die geburtenstarken Jahrgänge kommen ins Rentenalter, zugleich rücken zu wenige qualifizierte Arbeitskräfte nach.

Deutschland solle mehr Fachkräfte aus dem Ausland anwerben, fordern Experten. Doch wie kann das gehen? Gerade der Mittelstand steht vor Problemen. „Aus eigener Kraft kann er im Ausland kaum fündig werden, weil ihm dort die Kenntnis des Personalmarkts fehlt und er die Qualität der Fachkräfte nur schwer beurteilen kann“, sagt Jörn-Axel Meyer, wissenschaftlicher Direktor beim Deutschen Institut für kleine und mittlere Unternehmen (DIKMU).

Diskussion um das Bleiberecht

Delo, ein Hersteller von Industrieklebstoffen mit Sitz in Windach bei München, versucht es dennoch. In Deutschland wirbt man auf Stellenbörsen, Hochschulmessen und mit Headhuntern um Ingenieure und Techniker. Im Ausland sucht Delo ebenfalls – doch bisher vergebens. „Ein Anwerben ausländischer Fachkräfte für unsere deutschen Standorte war bislang nicht erfolgreich“, sagt Geschäftsführerin Sabine Herold. Als Hauptursache vermutet sie das wenig attraktive Bleiberecht für Ausländer. Denn ein Aufenthaltsrecht von fünf Jahren erhält eine Fachkraft nur, wenn sie ein Einkommen von mindestens 66 000 Euro nachweisen kann. Das Wirtschaftsministerium prüft nun, die Grenze auf 42 000 Euro abzusenken. Herold begrüßt den Vorstoß: „Wir brauchen bei der Anwerbung die Unterstützung aus der Politik.“ Doch die Senkung der Einkommensgrenze allein reicht nicht: „Hochqualifizierte Kräfte sollten ein langfristiges Bleiberecht mit Option auf Einbürgerung erhalten“, sagt sie.

Probleme bei der Suche nach Spezialisten aus dem Ausland kennt auch das IT-Unternehmen Intershop aus Jena. „Wir würden gerne mehr mit ihnen arbeiten“, sagt Personalleiter Michael Meng, „aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen wirken beschränkend.“ Deshalb hat das Unternehmen 2007 in der bulgarischen Hauptstadt Sofia einen Standort eröffnet. „So haben wir zumindest Zugang zum Fachkräfteangebot vor Ort“, sagt Meng. Experte Meyer sieht zudem einen Markt für Personaldiensleister: „Größere Mittelständler wären bereit zu zahlen, wenn diese ihre Angebote für die Suche nach ausländischen Arbeitskräften auf sie zuschneiden würden.“

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12 Kommentare zu "Personalmangel: Ausländische Fachkräfte winken ab"

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  • Warum sollte eine hochqualifizierte Fachkraft ausgerechnet nach Deutschland kommen? Damit sie die Hälfte des Jahres für den deutschen Sozialstaat arbeiten darf, der aus allen Nähten platzt. Da gibt es international viel interessantere Alternativen.

  • bei den ingenieuren in Europa hat sich längst rumgesprochen, dass die industrie Deutschlands sie nur 15 Jahre braucht - nach Studium und Praktikum zwischen 33 und 47. Da man in Deutschland keine über 50-Jährige haben will, beginnt dann schon wieder die Entsorgungsphase. So lässt sich keine Lebensplanung für Familie und Zukunft machen. Logisch das da die meisten abwinken

  • bürgerliche Freiheit niedrig - bürokratie übermächtig - Entgelt niedrig - Steuern hoch - Sozialabgaben hoch incl. bad return - Ueberalterung. Noch Fragen warum nach D keiner will?

  • industriespionage ist in DE bald nicht mehr nötig. Die Firmen holen sich die Spione selbst ins Haus, bezahlen sie und übermitteln das Wissen. Nach ein paar Jahren gehen die Leute zurück und nehmen das Know-How mit. Dümmer gehts nicht. Ein paar Quartale gute Zahlen, danach durch die Konkurrenz in den Konkurs getrieben. Ohne motivierte Fachkräfte, die sich mit der Firma identifizieren, ist Hochtechnologie nicht möglich, sondern nur Mittelmaß. Aber die Manager denken nur an den eigenen Geldbeutel, die Firma und die Arbeitssklaven sind nur Mittel zum kurzfristigen Zweck.

  • Diese Einwanderungspolitik soll keinen Fachkräftemangel beheben sondern die Reallohneinbußen weiter absichern helfen.

    bei den Vorständen und Managern gilt: Je knapper, desto teurer. bei den Werschöpfern gilt: Wenn sie knapp werden, dann müssen wir einwandern lassen.

  • Deutschland wird langfristig einen hohen Preis dafür zahlen, dass es seine Techniker verheizt. Die zugewanderten Experten werden hier viel lernen und viele werden mit diesem Wissen wieder nach Asien zurückkehren. Unsere deutschen Firmen werden bald mehr (bestens informierte) ausländische Konkurrenz haben, als sie es sich jetzt vorstellen können.
    Unseren Politikern kann das egal sein; bis dahin haben sie ausgesorgt und sitzen in den Vorständen irgendwelcher global operierender Zeitarbeitskonzerne.

  • Es ist mir ein Rätsel wie jemand über 20 Jahre verlässlich Rechnen will. Deshalb habe ich einige Zweifel an den 5.5 Millionen fehlenden Leuten.

    Dann kommt dazu die neue Grenze von 42000 Euro. Pro Jahr. Mit Weihnachtsgeld sind das lächerliche 3250 Euro brutto pro Monat.
    Das man mit solchen Lohnangeboten keine qualifizierten ingenieure bekommt ist kein Wunder.
    Aber Hauptsache rumheulen...

  • Wenn unsere Regierung die Einkommensgrenze auf 40000 Euro heruntersetzt, werden die ingenieursgehälter in Deutschland stark sinken und zwar nicht nur bei der Zeitarbeit, sondern mittelfristig auch in der Festanstellung!
    Das wird bei Abiturienten sicher nicht die bereitschaft erhöhen, sich ein MiNT-Studium anzutun. Und es wird bei den Technikern zu einer Arbeitslosenrate führen, wie sie bei anderen Akademikern kaum anzutreffen ist.
    ich sehe schon, wie deutsche Unternehmen in einer grossangelegten Werbe-Kampagne ihre HR-Manager mit technischer Unterstützung an die Schulen schicken, um junge Leute zu einem MiNT-Studium zu verleiten. Und, liebe ingenieure, nicht vergessen: wer bei so einer Gelegenheit ein schlechtes Wort verliert, wird gefeuert. Es stehen schliesslich Millionen von asiatischen ingenieuren vor der Tür.
    Die Hauptnutzniesser bei all dem werden die Zeitarbeitsfirmen sein. ich gehe davon aus, dass sie sich bei unseren Politikern angemessen bedanken werden, der beratungsbedarf ist ja gross. Gute Nacht, Deutschland.

  • Dem "Zeitzeugen" muss man ja sowas von Recht geben!

    Hier wird von Seiten der Wirtschaftsbosse versucht, billige Arbeitsmaschinen nach Deutschland einzuschwindeln.

    Nur: im Ausland verdienen die Leute unterm Strich wesentlich mehr.

    Das hat nichts mit bleiberecht zu tun.

    Wenn ich ing. bin, dann will ich 70-80 tEuro/Jahr verdienen - 42 tEuro hat doch jeder Facharbeiter! Dafür habe ich nicht jahrelang studiert und meine privaten belange zurückgestellt.

    Ausserdem gäbe es viele fähigen, motivierte Menschen in Deutschland - nur ohne Schein.

    in den USA brauche ich keinen Schein - selbst wenn ich einen habe, es interessiert keinen - ich komme und zeige was ich kann, wo ich meine Stärken habe und werde dementsprechend eingesetzt und entlohnt.

    Ausland - ich komme!

  • Wir sollten endlich die große Chance begreifen, die eine sinkende bevölkerung für die bRD bietet. ich will nicht, dass die bRD ein Enwanderungsland wird und hier die immobilienpreis hochgetrieben und das schändliche Zubetonieren der Landschaft andauert. Für den Natur- und Landschaftsschutz bietet die sinkende bevölkerung hervorragende neue Ausgangspunkte. Wie wäre es denn, wenn die eine oder andere Firma ins Ausland abwandert anstatt Ausländer ins Land zu holen? Das wäre doch eine prima Alternative!



    der schLandschaftsverbracuht

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