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Recruiting Das Dilemma: Mittelständler müssen sparen – und gleichzeitig Fachkräfte einstellen

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Werden Personaler künftig digital ersetzt?

 Wolframs Erfahrung lautet, dass ein Unternehmen heute nicht mehr mit einer Arbeitgebermarke auskomme. Man müsse für alle Bereiche eine eigene Employer Brand aufbauen und die potenziellen Bewerber dann auch an anderer Stelle wie zum Beispiel in den sozialen Medien abholen. Darum ist Talents Connect sowohl in der Lage Brummifahrer oder Gartenbauer wie auch Big-Data- oder Finanzexperten zu finden.

In Zeiten, in denen sich erstens die Konjunktur eintrübt, man aber zweitens Vordenker im Unternehmen sucht und drittens aus der Erfahrung der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 gelernt hat, dass es sinnvoll ist, mehr Mitarbeiter über eine Krisenzeit hinweg zu halten, kommt noch ein neue Stellschraube hinzu: das interne Recruiting.

Einige größere Familienunternehmen haben sich da schon früh auf den Weg gemacht. Digitalisierung bedeutet für sie vor allem auch eine neue Form der Zusammenarbeit. Doch dafür muss man wissen, wie man das angeht. Angelique Renkhoff-Mücke beispielsweise hat sich schon vor mehr als zwei Jahren die Frage gestellt, welcher Mitarbeiter an welcher Stelle im Unternehmen richtig ist und was der Einzelne für Fähigkeiten braucht, um auch für das Unternehmen Warema, ein Spezialist für Sonnenlicht und Hersteller von Markisen und Jalousien, wertvoll zu sein.

Talente im Unternehmen

Auch Max Viessmann, Chef des gleichnamigen Unternehmens, fragte sich früh, welche speziellen Fähigkeiten es in seiner Firma gibt, die sich gerade vom Heizungshersteller zum Spezialisten für integrierte Klimalösungen entwickelt. Inzwischen gibt es bei Viessmann ein Team namens „People Analytics“. Unter dem Namen ViGrow hat Viessmann ein Talent Management System mithilfe des Partners Talents Connect aufgebaut. „Wir verwenden dafür modernste Technologien, wie sie bisher auch für die Entwicklung von Dating-Plattformen genutzt worden sind“, so Steffen Buch, der globale Personalchef. Bislang ist das System noch in der Testphase, aber später sollen alle 12.000 Mitarbeitenden mit der Plattform arbeiten – sowohl in Produktion und Logistik als auch in der IT.

Viessmann-Kolleginnen und -Kollegen tragen freiwillig ihre Fähigkeiten, Interessen und Kenntnisse in das System ein, ebenso können sie ihre Karriereziele einpflegen. Das System gibt dann sogar noch Tipps, wie man dort hinkommt, erklärt Buch. „Gut ist, dass man durch die Freiwilligkeit keine Probleme mit dem Datenschutz bekommt.“ Und: Durch hohe Transparenz, technische Objektivierungsmöglichkeiten und Barrierefreiheit sei auch der Betriebsrat einverstanden. „ViGrow ist vor allem auch ein Angebot an unsere Mitarbeiter“, stellt Buch klar. Mit diesem System könnten alle an den Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung teilhaben. Klassische Aushänge gibt es allerdings auch bei Viessmann weiterhin.

„Früher hat internes Recruiting in vielen Unternehmen überhaupt nicht stattgefunden, das war die traurige Realität“, konstatiert Wolfram von Talents Connect. Seit zwei Jahren bietet das Start-up internes Recruiting an, mit einer Kombination aus Künstlicher Intelligenz (KI) und Coaching mit regelmäßigen Workshops. „Das lohnt sich erst ab einer Größenordnung von 1.000 Mitarbeitern“, sagt Wolfram. Es sei aber vor allem sinnvoll in konjunkturellen Abschwung-Phasen, wie sie sich jetzt andeuten.

Da liegt die Frage nahe, ob Personaler künftig digital ersetzt würden. Doch Wolfram winkt ab, die Personaler seien immer noch diejenigen, die an den Stellschrauben drehen, beschwichtigt er. „Wir unterstützen mit unserer Software Personalverantwortliche, ihre Aufgaben noch besser zu erfüllen.“ Doch klar ist auch, dass sich manche reine Sachbearbeiter-Position ändern muss.

Der Vorteil: Wenn man das interne Recruiting auch mithilfe von Software und KI entwickelt, steigt zugleich die Transparenz im Unternehmen. „Statt mit dem bislang oft alles entscheidenden Nasenfaktor, werden viele Kenntnisse und Fähigkeiten der Mitarbeiter jetzt neutral bewertet“, erklärt Wolfram. Der Nebeneffekt: Viele Betriebsräte stehen dieser neuen Form der Personalentwicklung sehr aufgeschlossen gegenüber. Für Talents Connect ist das „unser Ritterschlag.“

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