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Rheinland-Pfalz Macht, Geld und wütende Hoteliers

Hotelbetreiber klagen gegen den eigenen Verband. Hat der Präsident sich bereichert? Der bestreitet das.
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Neben dem Bundesverband organisieren 17 Landesverbände die Interessen der Hoteliers und Wirte. Quelle: imago/imagebroker
Hotel Well in Rheinland-Pfalz

Neben dem Bundesverband organisieren 17 Landesverbände die Interessen der Hoteliers und Wirte.

(Foto: imago/imagebroker)

Düsseldorf Was einst als interne Meinungsverschiedenheit begann, zieht nun immer weitere Kreise: Seit Monaten herrscht Unruhe unter den Mitgliedern des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. Grund dafür ist ein Beschluss aus dem Jahr 2018, der dem Verbandspräsidenten Gereon Haumann die Wiederwahl bis ins Jahr 2029 im Voraus sichert – die nächste Wahl hätte erst 2021 angestanden. Dagegen haben 20 Verbandsmitglieder geklagt. Darüber hinaus kritisieren die Kläger, dass Verbandschef Haumann pro Jahr insgesamt rund 330.000 Euro erhalten soll – als Vergütung und Aufwandsentschädigung.

In der letzten Woche beschloss der sogenannte Große Vorstand des Verbands nun den Ausschluss von Kläger und Haumann-Kritiker Matthias Ganter. Dem Gremium gehören neben dem Präsidium die 32 Kreisvorsitzenden an, Ganter selbst konnte an der Sitzung nicht teilnehmen.

Im Dehoga sind deutschlandweit rund 223.000 Unternehmer der Branche organisiert. Neben dem Bundesverband organisieren 17 Landesverbände die Interessen der Hoteliers und Wirte. Der rheinland-pfälzische Verband ist dabei der einzige, in dem der Präsident das Amt hauptberuflich ausführt. Er vertritt rund 4.500 Mitglieder.

Dabei ist die Angelegenheit auch politisch brisant: Haumann ist nicht nur selbst Hotelinhaber, sondern auch Präsident des Landesverbands Rheinland-Pfalz der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT). Auch auf Bundesebene setzt er sich für den Mittelstand ein, ist im Bundesverband aktiv, gilt in Berlin als gut vernetzt. So stellte sich in einer früheren Angelegenheit niemand Geringeres als Julia Klöckner hinter den Unternehmer. Jetzt allerdings stellt sich eine Gruppe Mittelständler durch die Klage gegen ihn.

Amtszeit bis 2029

Die Klage gegen Haumann basiert auf den Beschlüssen auf dem Landesdelegiertentag vom 14. August 2018 und sieht diese als nichtig an, insbesondere „die Verlängerung der Amtszeit von Herrn Haumann auf insgesamt elf Jahre“. Die Verlängerung sei nicht im Einklang mit der Satzung des Verbands geschehen. Die Klage weist zudem auf Unrechtmäßigkeiten im Verfahren der Langzeitwahl hin. Zu dem Zeitpunkt hatte Haumann noch drei Jahre im Amt vor sich.

Doch es geht um weitaus mehr: Besonders für seine Vergütung steht Haumann öffentlich in der Kritik. Bis vor acht Jahren hatte er das Amt noch ehrenamtlich ausgeübt. Laut einer Aufstellung des Hoteliers Markus Schröder, auch Mitglied der Klägergruppe, erhält er heute monatlich 15.000 Euro zuzüglich einer Aufwandsentschädigung von 3.000 Euro. Hinzu kommt, dass Haumann 2016 Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Dehoga Zentrum GmbH wurde, aus der er weitere 5.000 Euro monatlich bezieht. Inklusive Mehrwertsteuer und Arbeitgeberleistungen bekomme Haumann so rund 330.000 Euro jährlich vom Landesverband und der Dehoga Zentrum GmbH, so die Berechnung der Klägergemeinschaft – ein erheblicher Teil der 1,6 Millionen Euro, die der Landesverband jährlich an Gebühren von seinen Mitgliedern einzieht.

Damit ist der Landesverband die Ausnahme. In einem Informationsschreiben an die übrigen Mitglieder des Verbands weisen die Kläger darauf hin, dass „in keinem anderen Landesverband in Deutschland … auch nur annähernd eine ähnlich hohe Vergütung gezahlt“ werde. So zahlen etwa die Verbände Bayern und Baden-Württemberg, die mehr als doppelt so viele Mitglieder haben, lediglich eine Aufwandsentschädigung von rund 2.000 Euro. Haumann führt gemeinsam mit seiner Frau das „Haumann’s Hotel am Park Garni“ in Bad Kreuznach, ein Haus mit 24 Zimmern, in Vollzeit ist er aber Präsident des Landesverbands.

Er hält seine Vergütung für angemessen, zur vorliegenden Berechnung sagte er: „Das stimmt nicht.“ Die Vergütung betrage 15.000 Euro monatlich zuzüglich einer Pauschale für Fahrtkosten. In Haumanns eigener Klarstellung über die Bezüge nennt er die Dehoga Zentrum GmbH nicht. Die Kritik aus dem Verband versteht er nicht: „Für mich ist das alles unerklärlich.“ So betont er stets, dass alle Wahlen und Beschlüsse rechtens gewesen seien, und beruft sich darauf, dass die Delegierten ihn zu jedem Zeitpunkt hätten abwählen können. Um den Konflikt zu lösen, sei nun der Dialog wichtig. „Unsere Hand bleibt ausgestreckt.“

Matthias Ganter, der aus dem Verband ausgeschlossen wurde, findet hingegen: „Herr Haumann hat den Bogen überspannt.“ Der Rauswurf sei unverhältnismäßig, zudem führe Haumann den Verband nicht im Sinne jener kleineren Betriebe, bei denen es ums ökonomische Überleben gehe. Ganter selbst leitet das Romantik Jugendstilhotel Bellevue in Traben-Trarbach an der Mosel. Doch Haumann beteuert, dass Ganter nicht wegen der Klage aus dem Verband entlassen worden war, sondern „weil er bewusst in der Öffentlichkeit gelogen hat, und zwar zum Schaden des Verbands“. Dabei soll es um falsche Angaben über Haumanns Einkommen gegangen sein. Haumann nennt die Klage deshalb „eine Neidkampagne unter dem Deckmäntelchen einer Formsache“. Ganter hält dagegen: „Ich würde niemals diesen Job machen wollen.“ Nach kurzem Überlegen fügt er hinzu: „Früher war das ein regionales Süppchen, doch durch den Rausschmiss wird das bundesweit.“

Unter den Klägern ist man schockiert über den Ausschluss Ganters. Andrea Weber vom Hotel Deutscher Hof in Trier sagt: „Dann hätte man konsequenterweise alle Kläger ausschließen müssen.“ Der Dehoga Bundesverband hält sich aus der Angelegenheit heraus.

Politischer Beigeschmack

Zuletzt stand Haumann Anfang 2017 in der Kritik, weil er auf einer öffentlichen Veranstaltung der CDU/CSU eine Koalition mit der AfD vorgeschlagen haben soll. Später stritt er die Aussage ab, dabei verteidigte ihn Julia Klöckner: „Ich habe mit Gereon Haumann telefoniert. Dabei hat er klargestellt, dass er nicht für eine Koalition mit der AfD geworben hat. Ich kenne Gereon Haumann gut und weiß, dass er in keiner Weise die Positionen der AfD teilt“, hieß es in einer Presseerklärung. Haumann ist stellvertretender Vorsitzender des CDU Stadtverbands Bad Kreuznach – Klöckners Heimatwahlkreis.

Zudem liegt Haumann auch im Zwist mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), zuletzt beim Thema Tarifverträge. So habe der Dehoga Landesverband einen „Horrorkatalog zur Arbeitszeitverlängerung“ vorgelegt, wie die Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung kürzlich berichtete. Laut NGG fordere Haumann Arbeitszeiten von zwölf Stunden pro Tag, an sechs Tagen pro Woche, sowie eine Verkürzung der Ruhezeit auf acht Stunden. „Ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“, meint Alexander Münchow, Landesbezirkssekretär der Gewerkschaft, zu einem Branchenblatt.

Nun setzt der Verband zum nächsten Verfahren an: Der Justiziar des Landesverbands, Rolf Bietmann, kündigte vorige Woche eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Geschäftsführer der IHK Trier, Jan Glockauer, beim Wirtschaftsministerium des Landes an. Glockauer soll Ganter im Streit mit dem Dehoga beraten haben, dafür aber seine dienstliche E-Mail-Adresse gebraucht haben. So soll er angeboten habe, Nachrichten vorzuformulieren, die Ganter dann an Haumann schicken könne. Glockauer selbst äußert sich dazu nicht, vonseiten der IHK heißt es: „Einer möglichen Beschwerde stehen wir gelassen gegenüber.“ Die Beratung von Mitgliedern gehöre „zur ureigenen Aufgabe einer IHK“. Bietmann, der den Dehoga Landesverband auch im Rechtsstreit mit den 20 Hoteliers vertritt, war einmal Kölner Bürgermeister und CDU-Bundestagsabgeordneter. Bis er 2017 über eine Berateraffäre stolperte, galt er als einer der mächtigsten Kölner.

Trotz aller Streitigkeiten hält sich Haumann an der Spitze des Verbands: Vorige Woche sprachen ihm unter dem Motto „Wir wollen mit Haumann in die Zukunft“ 98,6 Prozent der Delegierten das Vertrauen aus. Mit der Klage selbst beschäftigt sich jetzt das Landgericht Bad Kreuznach – entscheiden wird es aber frühestens im August, heißt es dort.

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