Montage von E-Bikes in Sangerhausen

Die Produktion bei Sachsenring nimmt langsam wieder Fahrt auf.

(Foto: dpa)

Sachsenring Bike Manufaktur Ehemalige Mifa kauft insolventes Start-up für E-Bikes

Der insolvenzerprobte ostdeutsche Radbauer verstärkt sich mit einer Firma für abnehmbare Elektroantriebe – und montiert mehr E-Bikes für Chinesen.
Kommentieren

DüsseldorfZwei Insolvenzen in nur drei Jahren hat der traditionsreiche Radbauer aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt überlebt. Die Reste der Mifa übernahm im August 2017 der Coburger Investor Stefan Zubcic, der sich auf insolvente Firmen spezialisiert hat. Er benannte Mifa in Sachsenring Bike Manufaktur um – nach dem früheren Hersteller des DDR-Kultautos Trabant.

Neun Monate später hat der pleiteerfahrene Radbauer nun selbst ein insolventes Unternehmen aufgekauft: das E-Bike Start-up Relo aus Nürnberg. Die von Philipp Nagler gegründete Firma hatte 2016 den ersten abnehmbaren Elektroantrieb für Fahrräder entwickelt. Der wiegt nur rund 3,5 Kilogramm. Nach einer gescheiterten Finanzierungsrunde war der Betrieb mit zuletzt 18 Mitarbeitern vor einem Jahr eingestellt worden.

Relo hält Sachsenring Bike-Chef Zubcic für eine wertvolle Ergänzung mit zusätzlichem Know-how für E-Bike, Antriebe und Akkus. „Eine sehr interessante Nische, die wir mit unserer Organisationsstruktur sicherlich profitabel machen können“, sagte er dem Handelsblatt. Die Übernahme von Relo beweise, dass Autoexperte Zubcic mit seinem Einstieg in die Fahrradbranche Nägel mit Köpfen machen wolle, meint ein Branchenkenner.

Zubcic setzt bei der Sanierung von Sachsenring Bike voll auf den Trend mit Fahrrädern mit Elektroantrieb. Laut Zweirad-Industrieverband (ZIV) war 2017 bereit jedes fünfte in Deutschland verkaufte Rad ein E-Bike – ein Zuwachs von 19 Prozent. In Sangerhausen soll zum Jahresende jedes zweite Rad, das vom Band läuft, ein E-Bike sein.

Nähere Angaben zur Stückzahlen wollte Zubcic allerdings nicht machen. Im Oktober hatte er den Plan, 2018 bis zu 140.000 Räder zu fertigen. Zu Glanzzeiten der Mifa waren es einmal 700.000 Stück im Jahr. Bekannt sind die Marken Steppenwolf, Grace und Vaun.

Immer wichtiger werden für Sachsenring die Lastenräder. Hier hat der Radbauer lange Erfahrungen mit großen Kunden wie der Deutschen Post DHL. „Bei Lastenrädern sehen wir sehr interessante Wachstumschancen in der Kombination mit E-Antrieben“, meint Zubcic.

Die Produktion bei Sachsenring nimmt langsam wieder Fahrt auf. „Wir haben kurzfristig noch sehr viele freie Kapazitäten, da wir ja aus der Insolvenz der Mifa alle Produktionsanlagen übernommen hatten“, sagt Zubcic. Von denen laufen noch längst nicht alle.

Zehn smarte Lösungen für den Biker-Alltag
Lauter als ein Presslufthammer
1 von 10

Alles steht und fällt aber zunächst mit der Sicherheit. Das gut 140 Euro teure und 90 Zentimeter lange Faltschloss Bordo Alarm 6000A von Abus ist beispielsweise mit Bewegungssensoren gerüstet, die erkennen, ob sich jemand am Rad oder Schloss zu schaffen macht. Ist dies der Fall, lösen die Sensoren für 15 Sekunden einen 100 Dezibel lauten Alarmton aus.

Kleines Datenwunder
2 von 10

Mit einer ganzen Serie von intelligenten Fahrradcomputern ist die Firma Bryton angetreten. Bereits das rund 55 Euro teure Einstiegsmodell Rider one beeindruckt mit vielen Datenfunktionen und smarten Lösungen. So muss man dank GPS-Empfänger keine Sensoren mehr am Rad installieren oder eine Radgröße eingeben. Der nur 52 Gramm leichte Rider one funktioniert, sobald er mit der mitgelieferten Halterung am Lenker montiert wurde. Noch deutlich mehr Funktionen und größere Displays bieten die Modelle Rider 10, 310 und 530, die 60, 100 oder 180 Euro kosten.

Fest montiert und doch mobil
3 von 10

Beleuchtungsspezialist Busch & Müller bietet mit dem Akku-Scheinwerfer Eyro eine interessante Alternative zu den klassisch am Lenker befestigten Batterieleuchten. Der mindestens fünf Stunden Betriebsdauer garantierende Eyro-Strahler wird nämlich wie eine Dynamoleuchte fest an der Gabel montiert. Allerdings ist nur die Halterung verschraubt, während sich die Einheit aus per USB-Kabel aufladbarem Akku und LED-Strahler mit einem Handgriff rein- beziehungsweise rausclippen lässt.

Für den Tragekomfort zu Fuß
4 von 10

Fahrradtaschen sind praktisch, solange sie am Gepäckträger montiert sind. Werden die Taschen abgenommen und zum Beispiel über die Schulter gehängt, beeinträchtigen oftmals die Halterungen an der Innenseite den Tragekomfort. Deshalb hat Ortlieb mit dem Quick-Lock 3.1 ein Trägersystem entwickelt, bei dem die wesentlichen Halterungskomponenten am Fahrrad bleiben. Ein entsprechender Gepäckträger ist der rund 80 Euro teure Rack 3 vom gleichen Hersteller.

Das Gepäck immer im Blick
5 von 10

Eine andere innovative Gepäcklösung kommt von „Fahrer Berlin“ in Form des „Front Racks“. Dieser ist für die Montage am Steuerrohr gedacht. Zunächst bietet das Unternehmen diese Lösung für das Klapprad Brompton an, im Laufe des Jahres sollen aber Varianten für alle anderen Räder folgen.

Bequem und sicher
6 von 10

Mit dem E-Zone hat Selle Royal einen Sattel speziell für den Einsatz an Pedelecs entwickelt. Der rund 90 Euro teure Sitz mit futuristischem Design soll laut Hersteller durch die spezielle Form ein Verlagern der Fahrposition nach hinten verhindern. Zudem bietet der Sitz einen in die Stütze eingebauten Griff, der speziell auf die hohen Gewichte von E-Bikes ausgelegt wurde und ein bequemeres sowie sicheres Tragen des Rads erlauben soll.

Kabelschonung inklusive
7 von 10

Ebenfalls explizit auf Pedelecs abgestimmt hat der Radpflegespezialist Tunap Sports seinen E-Bike-Reiniger. Das rund 17 Euro teure Spray soll schonend zu Dichtungen und Kabeln sowie unterschiedlichen Oberflächen sein, was helfen würde, elektrotechnische Bauteile unter anderem vor Korrosion zu schützen.

Gestartet ist die ehemalige Mifa aus der Insolvenz mit 135 Mitarbeitern. Sachsenring Bike hat aktuell knapp 160 Beschäftigte, vor wenigen Jahren waren es noch rund 520. In Kürze rechnet Zubcic mit weiteren Auftragsvergaben und „deutlichen Personaleinstellungen“.

Sachsenring fertigt wie die frühere Mifa vornehmlich für Discounter und Handelsmarken. „Unsere freien Kapazitäten bieten wir selbst Wettbewerbern an“, sagt Zubcic. Aktuell sei die Nachfrage namhafter deutscher Hersteller sowie ausländischer, im wesentlichen chinesischer Importeure sehr stark. Die Chinesen reagierten hiermit auf drohende Strafzölle auf Importe von E-Bikes aus China.

Der Verband der europäischen Fahrradhersteller EBMA hatte im Oktober bei der EU-Kommission Beschwerde wegen Dumpingpreisen bei chinesischen E-Bikes eingereicht. EBMA-Generalsekretär Moreno Fioravanti vermutet, dass E-Bikes aus China bis zu 50 Prozent staatlich subventioniert seien. „Die Strafzölle sind zwar noch nicht verbindlich beschlossen. Sie könnten aber wohl rückwirkend zum April 2018 erhoben werden. Daher sorgen sie bereits jetzt für reichlich Unruhe bei Importeuren und Produzenten“, beobachtet Zubcic.

Bei den eigenen Modellen plant Sachsenring im August eine neue Modellreihe – mit einem „innovativen Vertriebsweg direkt zum Kunden“. Neben Direktvertrieb und E-Commerce soll auch der eigene Werksverkauf forciert werden.

Gerade wurde in Sangerhausen ein neues Outlet eröffnet. Sachsenring erwägt nun einen günstigen Werksverkauf direkt vom Hersteller auch in anderen Regionen. Bis die ehemalige Mifa wieder richtig Tritt gefasst hat, dürfte es noch dauern.

Startseite

Mehr zu: Sachsenring Bike Manufaktur - Ehemalige Mifa kauft insolventes Start-up für E-Bikes

0 Kommentare zu "Sachsenring Bike Manufaktur: Ehemalige Mifa kauft insolventes Start-up für E-Bikes"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%